Chronik | Wien
10.01.2013

Beamter steckte Gebühren ein

Prozess: 345.000 Euro in zehn Jahren in die eigene Tasche gesteckt.

Frust, Überlastung, Unterbezahlung. Mit seinem Beamten-Dasein war Alexander H., 44, höchst unzufrieden. Um sich sein Salär aufzubessern, soll der Wiener, der in der MA 35 werkte, in die Kassa seines Amtes gegriffen haben. Exakt 345.000 Euro sollen so auf sein Konto gewandert sein. Gestern, Mittwoch, musste sich H. wegen Veruntreuung im Wiener Landesgericht verantworten.

Zehn Jahre lang soll H. im Einbürgerungsamt der Stadt zwei Kassen parallel geführt haben: eine offizielle und eine eigene Kassenlade. H. kassierte von Neo-Österreichern Gebühren ein, die nach der Verleihung der Staatsbürgerschaft zu entrichten waren. Einige davon dürften in seiner Privatschatulle gelandet sein. Wie?

H. soll, so die Anklage, eingezahlte Beträge einfach storniert, sie aber dennoch einbehalten haben. Er zeigte sich geständig, bezifferte jedoch den Schaden mit nur 120.000 Euro.

„Es wundert mich schon sehr, dass das zehn Jahre niemandem auffällt“, bemerkte Richter Christoph Bauer. „Wenn ich ehrlich bin, mich auch“, fügte H. hinzu.

Was hat er mit dem Geld angestellt? Der zweifache Familienvater hat sich Waffen gekauft. „Ich bin kein Waffennarr, für mich sind das Kunstwerke.“ Erst vor einigen Monaten fasste er deshalb wegen illegalen Waffenbesitzes eine Haftstrafe aus. Sechs Monaten bedingt lautete das Urteil.

Wie er auf die geringere Schadenssumme von 120.000 Euro komme, konnte H. nicht erklären. Belastend waren die Aussagen der geladenen Beamten, die den Fall intern untersucht hatten. Nachdem binnen drei Wochen 13.000 Euro gefehlt hatten, begannen sie, die Stornierungen mit H.s Usernamen zu kontrollieren. So errechneten sie einen Schaden von 345.000 Euro.

Um den Schaden in den Akten selbst nachvollziehen zu können, vertagte Richter Bauer die Verhandlung auf 20. Februar.