Chronik | Wien
16.06.2017

Beachparty: Gratis-Eintritt nur für Frauen im Bikini

Das stelle nicht nur Diskriminierung von Männern dar, sondern auch Benachteiligung von Frauen, die angezogen bei der Strandparty erscheinen wollen.

Für heute, Freitag, Abend ist auf der Sunken City, einer Lokalmeile auf der Donauinsel, "Wiens größte Beachparty" angekündigt. Bei "besten Latino Sounds" sollten Gäste den "Sommer unter Palmen" genießen und alle ihre "Sorgen vergessen".

Damit wirbt der Veranstalter, die Sansibar, auf seiner Homepage und der Eventankündigung auf Facebook. Das Programm verspricht Limbo, eine Feuershow, eine "Dancebattle", sowie Go-go-Tänzer (männlich und weiblich).

Aber nicht nur das: Unter dem Punkt "Specials" ist zu lesen, dass alle, die im Facebook-Event das Wort "Gästeliste" plus die dazugehörigen Anzahl an Personen posten, verbilligten Eintritt zu der Veranstaltung erhalten (regulärer Eintrittspreis pro Person 10 Euro, Anm.). Auch für Frauen gibt es ein spezielles Angebot:Alle Frauen die im Bikini kommen, zahlen keinen Eintritt ! (gültig bis 22:00 Uhr)ist dort wörtlich zu lesen.

Nacktheit wird belohnt

Für Ines Grabner-Drews von der Gleichbehandlungsanwaltschaft im Bundeskanzleramt stellt das eine Diskriminierung dar. "Wenn Männer für die gleiche Leistung zahlen müssen, während Frauen im Bikini gratis Eintritt gewährt wird, dann werden Männer meiner Ansicht nach diskriminiert", sagt Grabner-Drews. Sie hätte gehofft, dass "wir diese Zustände schon überwunden hätten"; denn die Rechtsprechung in solchen Fällen sei eindeutig.

Diskriminiert werden in dem Fall aber nicht nur die Männer: "Auch Frauen, die diesen sexistischen Idealen nicht entsprechen wollen, werden vergleichsweise benachteiligt", sagt Grabner-Drews. Frauen können sich in dem Fall nämlich nicht – wie die Männer – auf das Gleichbehandlungsgesetz berufen und Schadenersatz einklagen: Das Gesetz sieht immer nur einen Vergleich mit dem anderen Geschlecht vor.

Der Veranstalter der Beachparty war für den KURIER nicht erreichbar. Ein Mitarbeiter, die vom Veranstalter mit der Bewerbung des Events beauftragt wurde, erklärt, dass das eine "Marketingstrategie" sei. "Für Männer, die nicht in Gruppen fortgehen, ist es wichtig, zu wissen, dass viele Frauen da sein werden." Eine Mitarbeiterin, die ebenfalls mit der Bewerbung des Events betraut wurde, erklärt dem KURIER später, dass "ein blöder Fehler passiert" sei. Man hätte einfach die Marketingstrategie vom Vorjahresevent übernommen. "Bei den Gogo-Tänzern haben wir noch dran gedacht. Da waren vorher auch nur Frauen eingeplant, aber ich hab' dann gesagt, dass wir da auch Männer nehmen müssen."

Im Vorjahres-Event haben laut Veranstalter seien genau zwei Frauen im Bikini erschienen.

Jeder von Diskriminierung Betroffene kann übrigens einen Antrag auf Prüfung einer Verletzung des Gleichbehandlungsgebots an die Gleichbehandlungskommission auf deren Website stellen.

Anmerkung: Der Hinweis auf Gratis-Eintritt wurde Freitagabend im Facebook-Event gelöscht. Auf der Homepage blieb er stehen.