Chronik | Wien
05.12.2011

Baustellenfrust am Naschmarkt

Der Umbau des Naschmarkts geht langsam voran. Nicht alle Standler sind zufrieden. Ein Zwischenbericht.

Wer von der Kettenbrückengasse den Naschmarkt betritt, steht nach wenigen Schritten vor einem Absperrgitter. Dahinter werken Arbeiter an der Fertigstellung des zweiten Bauabschnitts (siehe Grafik). Er hätte Ende Juli fertig sein sollen. Die Besucher müssen nach rechts ausweichen, wo die Naschmarktstandler in Behelfsständen stehen und unglücklich sind. "Wir verkaufen derzeit weniger als die Hälfte des normalen Umsatzes", sagt Olivenhändler Nasir Dis, "die Arbeiten gehen mir viel zu langsam voran."

"Wir sind in zwei Wochen mit dem zweiten Abschnitt fertig", erklärt Marktamtssprecher Alexander Hengl. "Aber man weiß nicht, was unter dem alten Boden ist. Wir müssen auch auf die Überplattung des Wienflusses aufpassen." Auch die Stände selbst machten Probleme. Sie mussten verstärkt werden, um gegen Wind und Wetter stabil zu sein. Nun stehen die Stände sicher, doch nicht alle sind vergeben.

Modernisierung

Viele nützen die Sanierungen, um ihre Stände zu erneuern, so auch Emanuel Yagudayev, am Naschmarkt besser bekannt als Dr. Falafel. In zwei Wochen, wenn die Sanierung in seinem Abschnitt beginnt, wird er für sieben Wochen zusperren. "Eine Superzeit für den Umbau", sagt Yagudayev. 200.000 Euro investiert er, 20 Prozent steuert die Stadt als Förderung bei. Dennoch ist auch er nicht glücklich. "Ich bin voll dafür, die Infrastruktur zu modernisieren, aber das Magistrat macht, was es will", sagt der Falafel-Händler. Beispiel: Die neuen Trafostationen in den Quergassen. Diese verstellen die ohnehin schmalen Gässchen, ein Durchkommen mit Kinderwagen ist kaum mehr möglich. "Leider war es nicht anders möglich", sagt Hengl. "Manchmal sollten die Behörden auch auf uns hören", sagt Yagudayev.

Immerhin kenne den Markt niemand so gut wie die Standler. Viele von ihnen sind in den letzten Jahren umgestiegen, weg von Obst und Gemüse zu Antipasti und Falafel. "Schauen Sie sich doch um. Sie haben Billa und Hofer überall. Die kaufen nicht im Großhandel ein, die kaufen gleich ganze Felder in Spanien", sagt Yagudayev und schüttelt den Kopf. "In fünf Jahren wird es hier kein frisches Gemüse mehr geben."

Die zuständige Bezirksvorsteherin Renate Kaufmann will gegensteuern und Zuweisungen einführen, die vorschreiben, welcher Stand was verkaufen darf. Doch da sind nicht nur die Standler, sondern auch das Marktamt dagegen. Alexander Hengl: "Dann würden viele Stände einfach leer stehen. Mit Zwang erreicht man nichts."

Märkte: Umbau um 23,3 Millionen Euro

Investition Die Stadt investiert bis 2016 mehr als 23,3 Millionen Euro in fünf Märkte. Bereits fertiggestellt wurden die Arbeiten auf dem Brunnenmarkt (Ausgaben: 4,3 Millionen Euro) und auf dem Kutschkermarkt. Dort wurden knapp 300.000 Euro investiert. Für den Naschmarkt sind 14,6 Millionen Euro veranschlagt. Alleine dort werden zwei Kilometer Kanal-, ein Kilometer Wasser- und 5,75 Kilometer Stromleitungen neu verlegt. Fassaden werden ausgebessert und Müllplätze errichtet. Ebenfalls heuer haben die Arbeiten beim Vorgartenmarkt begonnen, hier werden 3,6 Millionen Euro ausgegeben. Der Sonnbergmarkt wird um 500.000 Euro saniert.