Von Beton begraben: Bauarbeiter überlebte tragischen Unfall am Alsergrund
Einer hat überlebt, der andere nicht. Die Rede ist von den zwei Bauarbeitern, die in den vergangenen Wochen nach Arbeitsunfällen mit schwersten Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert wurden.
Tragisch hat die Geschichte jenes 35-Jährigen geendet, der am 13. April in der Muthgasse mehrere Meter von einem Baugerüst in die Tiefe gestürzt ist. Er arbeitete in einem der oberen Stockwerke an einer Holzverschalung, als er abstürzte.
Der Mann erlitt schwerste Verletzungen, wurde noch auf der Baustelle intubiert und anschließend ins Krankenhaus geflogen, wo er notoperiert wurde. Der Mann überlebte nicht. Der Patient sei schon in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch vergangene Woche verstorben, berichtet ein Sprecher des Wiener Gesundheitsverbundes.
Noch immer stehen Blumen am Unfallort am Alsergrund.
Arbeiter „gut erholt“
Bessere Nachrichten sind aus dem Krankenhaus in Meidling zu vernehmen. Jener 45 Jahre alte Bauarbeiter, der bei dem verheerenden Baustellenunfall in der Porzellangasse am Alsergrund Mitte März schwer verletzt, aber lebend geborgen wurde, ist wohlauf. Der Patient habe sich „gut erholt“ und sei „bereits in häusliche Pflege entlassen“ worden, sagte ein Sprecher.
Die Baustelle steht weiterhin still.
Vier Arbeitskollegen des 45-Jährigen hatten weniger Glück: Die aus Serbien und dem Kosovo stammenden, 30 bis knapp 50 Jahre alten Männer kamen bei dem Unfall ums Leben. Bei Bauarbeiten im Innenhof eines Altbaus waren Gerüstteile und die Schalung eingestürzt. Die Bauarbeiter wurden darunter begraben.
Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung
Einen Tag nach dem Unfall leitete die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannte Täter ein. Es geht um den Vorwurf der fahrlässigen Tötung. „Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen und werden im Hinblick auf die zu erstellenden Sachverständigengutachten auch noch andauern“, berichtet Nina Bussek, die Sprecherin der Staatsanwaltschaft.
Der Einsatz gestaltete sich aufgrund der Enge des Innenhofs als sehr herausfordernd.
Vor Ort stehen in der Porzellangasse nach wie vor frische Blumen und ein mit Beton überschütteter Arbeitshelm. Die Baustelle steht weiterhin still. Sie sei „aktuell noch behördlich gesperrt, da die Befundung noch nicht stattgefunden hat“, berichtet das Bauunternehmen „Oben auf“.
Bauarbeiter nicht direkt bei Firma angestellt
Details zu Ursachen und den persönlichen Verhältnissen der Arbeiter – einschließlich ihrer Beschäftigungsmodelle – könnten aufgrund der laufenden Ermittlungen nicht mitgeteilt werden. Wie der KURIER aus gut informierten Ministeriumskreisen erfuhr, dürfte es sich bei den vier getöteten Bauarbeitern um Leiharbeiter gehandelt haben. Demnach waren die Bauarbeiter also nicht direkt beim Unternehmen angestellt. Unüblich ist das im Bauwesen allerdings nicht.
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