Trauer nach Baustellenunglück: „Sie waren Väter, Söhne und Freunde“

Nach dem folgenschweren Baustellenunglück am Alsergrund, bei dem vier Bauarbeiter ums Leben kamen, fand am Samstag eine Gedenkveranstaltung statt.
Menschen versammeln sich mit Kerzen zu einer Gedenkveranstaltung am Bauernfeldplatz.

Celloklänge hallen am Samstagnachmittag über den Bauernfeldplatz am Alsergrund. Dutzende Menschen stehen im Kreis, viele halten Kerzen in den Händen.

Die Menschen gedenken der vier Bauarbeiter, die am Dienstag in der Porzellangasse bei einem der schwersten Arbeitsunfälle der vergangenen Jahrzehnten in Wien ihr Leben verloren hatten. Die Männer stammten aus Serbien und dem Kosovo, sie waren zwischen 30 und knapp 50 Jahre alt.

„Die Männer waren nicht nur Bauarbeiter, sie waren Väter, Söhne, Freunde und Kollegen. Ihr Verlust hinterlässt eine Lücke, die nicht zu füllen ist“, sagt Saya Ahmad (SPÖ), Bezirksvorsteherin in Alsergrund. 

Namen der Arbeiter vorgelesen

Mit der Gedenkveranstaltung wolle man ein Zeichen setzen, dass diese Menschen nicht vergessen werden. Auch die Namen der Arbeiter werden vorgelesen. Unter den Anwesenden sind Angehörige und auch viele Anwohner, die in der Nähe des Unglücksorts leben. „Wir gehen jeden Tag an der Baustelle vorbei, wir wohnen nur ein paar Straßen entfernt. Deswegen ist es uns wichtig, heute da zu sein“, sagt ein Familienvater.

Auch eine Familie, die in der Nähe des Unglücksortes wohnt, nahm an der Gedenkveranstaltung teil.

Auch eine Familie, die in der Nähe des Unglücksortes wohnt, nahm an der Gedenkveranstaltung teil. 

Die Männer, um die die Gedanken der Menschen an diesem Tag kreisen, arbeiteten vergangenen Dienstag auf einer Baustelle im Innenhof eines Gebäudes in der Porzellangasse. Sie waren gerade mit dem Dachgeschossausbau beschäftigt, als bei laufenden Betonarbeiten plötzlich das gesamte Baugerüst zusammenbrach und die Arbeiter unter sich begrub. Zunächst herrschte Unklarheit über die Anzahl der Vermissten.

Ausmaß der Tragödie erst später klar

Auch in den Medien war zunächst nur die Rede von einem schwerverletzten 45-Jährigen. Erst nach und nach wurde das Ausmaß des tragischen Unfalls deutlich: Für vier Männer kam jede Hilfe zu spät. Seither steht die Frage im Raum, ob der Unfall verhindert hätte werden können. „Wenn wir über einen der schwersten Arbeitsunfälle sprechen, dann müssen wir auch über Verantwortung sprechen“, sagt dazu Christian Ringseis, Landesgeschäftsführer Gewerkschaft Bau-Holz, auf der Gedenkveranstaltung.

Eine Frau kniet vor zahlreichen Kerzen und Blumen, die am Eingang eines Gebäudes in der Porzellangasse zum Gedenken an die verstorbenen Bauarbeiter aufgestellt wurden.

Eine Frau kniet vor zahlreichen Kerzen und Blumen, die am Eingang eines Gebäudes in der Porzellangasse zum Gedenken an die verstorbenen Bauarbeiter aufgestellt wurden.

Die Frage nach dem "Warum"

Die Sicherheitsstandards in Österreich seien extrem hoch. „Aber wenn dennoch technisches Gebrechen, menschliches Versagen oder eine unterschätzte Statik zu einer Tragödie führen, dann ist dies durch nichts zu rechtfertigen“, so Ringseis. Er wolle sich nicht an Spekulationen nach dem „Warum“ beteiligen, das hätten Sachverständige zu klären.

Fahrlässige Tötung?

Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung gegen unbekannte Täter eingeleitet. Die Ermittlungen würden zeigen, ob in dem Fall eine Fahrlässigkeit von jemandem anzunehmen sei. Die Baupolizei hatte im Vorfeld jedenfalls nichts an der Baustelle zu bemängeln, es wurden ein Dachgeschoß- und ein Balkonzubau bewilligt. Auch Kontrollen vor Ort hätten keinen Grund für Beschwerden ergeben.

Das Bauunternehmen „Oben auf“ sprach in einer Stellungnahme von tiefer Betroffenheit über den „tragischen Vorfall“ auf ihrer Baustelle. „Unsere Gedanken und unser Mitgefühl gelten den Betroffenen und deren Angehörigen.“ Die Aufklärung des Sachverhalts werde „mit aller gebotenen Sorgfalt und Transparenz“ unterstützt. Mehr Details werden derzeit aber nicht bekannt gegeben. Die Obduktionsergebnisse der Arbeiter stehen noch aus.

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