Arbeitsunfall mit vier Toten: Baupolizei hatte nichts zu beanstanden
Die Haustür zum Gebäude, in dessen Innenhof am Dienstag einer der verheerendsten Arbeitsunfälle der vergangenen Jahre in Wien passiert ist, steht am Mittwochvormittag offen. Der Paketdienst betritt das Haus, die Hausverwaltung auch. Nur die Blumen und die Kerzen vor der Tür erinnern daran, was nur einen halben Tag zuvor geschehen ist.
Dienstagnachmittag waren mehrere Arbeiter mit dem Dachgeschossausbau beschäftigt, für den Verschalungen und ein Gerüst aufgestellt worden waren. Plötzlich stürzte bei laufenden Betonierarbeiten die gesamte Konstruktion ab und begrub die Bauarbeiter.
Ein 45-Jähriger wurde mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. Vier seiner Kollegen – drei kosovarische und ein serbischer Staatsangehöriger im Alter von Anfang 30 bis Ende 40 – kamen ums Leben.
Obduktion angeordnet
Einen Tag nach dem Unfall leitete die Staatsanwaltschaft Wien ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannte Täter ein. Es geht um den Vorwurf der fahrlässigen Tötung, der geprüft werden muss. „Die Ermittlungen werden dann zeigen, ob in diesem Fall eine Fahrlässigkeit von jemandem anzunehmen ist. Die Obduktion wurde bereits angeordnet“, sagte Nina Bussek, Sprecherin der Staatsanwaltschaft.
Der flüssige Beton erschwerte die Bergungsarbeiten der Feuerwehr.
Von der Baupolizei gab es im Vorfeld auf der Baustelle jedenfalls nichts zu bemängeln, wie es aus der MA 37 im Gespräch mit dem KURIER heißt. „Es wurden ein Dachgeschoß- und ein Balkonzubau bewilligt“, so eine Sprecherin. Auch Kontrollen vor Ort hätten keinen Anlass für Beschwerden ergeben. Das Arbeitsinspektorat war bereits am Unfalltag vor Ort, um Erhebungen durchzuführen.
Der Innenhof.
Das ausführende Bauunternehmen „Oben auf“ sprach in einer Stellungnahme von tiefer Betroffenheit über den „tragischen Vorfall“ auf ihrer Baustelle. „Unsere Gedanken und unser Mitgefühl gelten den Betroffenen und deren Angehörigen.“ Die Aufklärung des Sachverhalts werde „mit aller gebotenen Sorgfalt und Transparenz“ unterstützt. Mehr Details werden derzeit aber nicht bekannt gegeben.
Ein Strauß gelber Tulpen wurde an einem Baugerüst in der Nähe des Unfallorts befestigt.
Der Einsatz selbst gestaltete sich für die insgesamt 120 Hilfskräfte als große Herausforderung. Lange sei nicht klar gewesen, wie viele Bauarbeiter vermisst werden. Spezialgeräte und spezialisierte Einsatzkräfte sowie eine Drohne kamen zum Einsatz. Vom Katastrophenhilfsdienst Wien wurden die Schallortungsgruppe und die Rettungshundestaffel entsendet.
Flüssiger Beton
Händisch mussten Schalungs- und Gerüstteile sowie Eisenarmierungen aus dem Weg geräumt werden, auch mit Seilwinden und einem Kran wurde gearbeitet. Der Kranfahrer musste aufgrund der Bergungsarbeiten bis 17.30 Uhr in seinem Fahrzeug ausharren.
Erschwert wurde die Suche, da die abgestürzten Teile von flüssigem Beton bedeckt waren, der nach und nach aushärtete. Kurz vor Ende des Einsatzes wurde der Trümmerkegel nochmals von einem Rettungshund abgesucht, um sicherzustellen, dass keine weiteren Personen verschüttet waren, so die Feuerwehr. Der Einsatz dauerte bis in die frühen Abendstunden.
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