Vier Tote nach eingestürztem Gerüst in Wien: So herausfordernd war der Einsatz

Zwei tote Bauarbeiter konnten erst nach Stunden geborgen werden. Eine Obduktion der Opfer wurde bereits angeordnet.
Berufsfeuerwehr im Einsatz.

Am Tag nach dem Unfall auf der Baustelle in einem Innenhof in der Porzellangasse, bei dem vier Bauarbeiter getötet wurden, ist die Betroffenheit groß.

Wie berichtet, haben die Einsatzkräfte erst von einem schwerverletzten Mann (45) gesprochen. Was sich später als falsch herausstellen sollte. 

Was passiert ist, schildert die Wiener Berufsfeuerwehr nach dem herausfordernden Einsatz: "Bei Bauarbeiten an einem Gebäude in der Porzellangasse stürzte im Innenhof ein Gerüst und eine Bauverschalung ein. Mehrere Bauarbeiter wurden unter den Trümmern und flüssigem Beton verschüttet."

Unterschiedliche Angaben über Vermisste

Aufgrund der unterschiedlichen Angaben über mögliche vermisste Bauarbeiter war die Lage vorerst sehr unklar. 

Berufsfeuerwehr im Einsatz.

Zunächst herrschte Unklarheit über die Anzahl der Vermissten.

Kurz nach dem Eintreffen der ersten Einsatzkräfte wurde einer der betroffenen Bauarbeiter von der Rettung erstversorgt. Die Suche nach den weiteren vermissten Bauarbeitern gestaltete sich in dem engen Innenhof als äußerst schwierig, heißt es im Einsatzbericht der Feuerwehr weiter. 

Spezialgeräte und Spezialkräfte nachalarmiert

Deshalb wurden umfangreiche Spezialgeräte und spezialisierte Einsatzkräfte alarmiert. Vom Katastrophenhilfsdienst Wien wurde auch die Schallortungsgruppe und die Rettungshundestaffel entsendet.

Der Unfallort im Innenhof.

Der Innenhof.

"Um zu den verschütteten Personen vorzudringen, wurden von mehreren Seiten Zugänge zu dem Innenhof geöffnet – dabei wurden Zäune und Türen entfernt", schildert ein Sprecher der Berufsfeuerwehr: "Parallel dazu wurde begonnen, die Schalungs- und Gerüstteile sowie Eisenarmierungen händisch, mit Seilwinden und einem vorhandenen Turmdrehkran zu entfernen."

Flüssiger Beton erschwerte die Arbeiten

Dabei habe immer wieder zwischen den Teilen der noch flüssige Beton in aufwändiger Kleinarbeit entfernt werden müssen. Aber nach und nach konnten zwei der Bauarbeiter befreit und geborgen werden", heißt es von der Feuerwehr: "Der Rettungsdienst konnte allerdings nur noch den Tod feststellen."

Noch schwieriger haben sich die Bergung der beiden weiteren Bauarbeiter gestaltet. Weitere Trümmer mussten entfernt werden, der langsam fester werdende Beton musste händisch entfernt werden.

"Nach ca. zweieinhalb Stunden konnten auch die dritte und vierte verstorbene Person befreit werden", konnte die Feuerwehr nur weitere traurige Nachrichten überbringen.

Bei den Bauarbeitern handelte es sich laut Angaben der Polizei um drei kosovarische und einen serbischen Staatsangehörigen im Alter von Anfang 30 bis Ende 40.

Suche auch an anderen Stellen im Innenhof

Aufgrund der sehr unterschiedlichen Aussagen zur Anzahl der vermissten Personen wurde parallel zu den laufenden Bergungsmaßnahmen unter den Trümmern und Lagerungen im Innenhof auch mit den Rettungshunden des Katastrophenhilfsdienstes Wien nach weiteren Personen gesucht. 

Zusätzlich wurde nach der Bergung der vierten Person laut Feuerwehr der gesamte Trümmerkegel nochmals von einem der Rettungshunde abgesucht, um sicherzustellen, dass keine weiteren Personen verschüttet waren. 

Am Tag nach dem verheerenden Arbeitsunfall laufen die Ermittlungen des Landeskriminalamts nach der Ursache für den Unfall. "Die Erhebungen zum Unfallhergang sind im vollen Gange, hierbei ist natürlich auch insbesondere das Arbeitsinspektorat involviert", heißt es auf Anfrage von der Wiener Polizei. Die Polizei hat nach der polizeilichen Leichenbeschau der verstorbenen Bauarbeiter den festgestellten Sachverhalt und Unfallhergang in einem Anlassbericht an die Staatsanwaltschaft Wien übermittelt.

"Es werden Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung gegen unbekannte Täter geführt", bestätigte Nina Bussek am Mittwochvormittag. Die Ermittlungen würden dann zeigen, ob in diesem Fall eine Fahrlässigkeit von jemanden anzunehmen sei. Die Obduktion wurde bereits angeordnet. 

Laut Baupolizei waren die Bauarbeiten jedenfalls offiziell genehmigt worden, es handelte sich dabei um einen Dachgeschoss- und einen Balkonzubau.

Gewerkschaft Bau Holz fordert lückenlose Aufklärung

Die Gewerkschaft Bau Holz (GBH) forderte am Mittwoch in einer Stellungnahme eine lückenlose Aufklärung, wie es zu dem Unglück kommen konnte. "Unsere Gedanken sind bei den Opfern, ihren Familien und den Kolleginnen und Kollegen auf der Baustelle", sagte der GBH-Bundesvorsitzende Josef Muchitsch. "Vom Auftraggeber über die Auftragnehmer bis zu den handelnden Menschen auf der Baustelle tragen alle Verantwortung. Es geht um Menschenleben. Es muss alles getan werden, damit jeder Bauarbeiter am Abend gesund nach Hause kommt."

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