Großbaustelle Alsergrund: „Schon am ersten Tag unerträglich“
Statt einfahrenden Straßenbahnen und regem Autoverkehr sieht das Bild am Alsergrund Montagvormittag anders aus: Straßen wurden aufgegraben, Geräusche von Presslufthammern hallen über die Kreuzung, von einem Schweißgerät sprühen Funken. Seit Montag erneuern die Wiener Linien im Bereich Währinger Straße, Spitalgasse und Nußdorfer Straße Gleise und Weichen.
Für viele Wiener eine besonders anstrengende Baustelle, da gleich sieben Straßenbahnlinien davon betroffen sind: 5, 12, 37, 38, 40, 41 und 42. Die Linie 5 fährt geteilt zwischen Westbahnhof und Josefstädter Straße sowie zwischen Praterstern und Augasse. Die Linie 12 fährt zwischen Hillerstraße und Augasse. Die Linien 40, 41 und 42 werden vorübergehend ganz eingestellt. Außerhalb des Gürtels übernehmen die Linien 37 und 38 Teile der Strecken (siehe Grafik).
Ersatzverkehr fehlt
Bis Ende August soll die Baustelle dauern – für viele Anrainer sei sie laut einer Trafikantin auf der Nußdorfer Straße bereits jetzt unerträglich. „Schon am ersten Tag haben sich unzählige Stammkunden bei mir beschwert.“ Lärm und Staub würden besonders aufregen. „Am schlimmsten ist, dass es keinen Schienenersatzverkehr gibt“, sagt sie.
Das sieht auch die 25-jährige Louisa so. Sie ist am Montagvormittag auf dem Weg zur Arbeit in den ersten Bezirk. „Ich wusste, dass es diese Baustelle gibt, aber erst heute habe ich das ganze Ausmaß erfasst.“ Einen Teil ihres Weges musste sie zu Fuß zurücklegen, für die kommenden Tage überlege sie sich bessere Alternativen. „Ich glaube nur, es gibt nicht wirklich welche.“
Auch die 23-jährige Olivia ist von der Situation nicht begeistert. Sie studiert Medizin und arbeitet diesen Sommer im AKH. „Für mich gibt es jetzt zwei Monate lang nicht wirklich eine Ausweichmöglichkeit.“ Sie fährt normalerweise mit der Straßenbahn vom Schottentor ins Spital. Jetzt überlege sie sich, auf das Auto zurückzugreifen. Aber auch der Autoverkehr wird für diese Zeit umgeleitet.
Die Wiener Linien bestätigen dem KURIER, dass es keinen Ersatzverkehr während der Baustelle geben wird. Grund dafür sei Platzmangel und: „ Er würde nur die gleichen Routen wie die derzeit bestehenden Linien abfahren können.“ Laut den Wiener Linien gebe es aber bei den umliegenden Öffis dichtere Intervalle und von der Baustelle seien es rund 500 Meter bis zur nächsten betriebenen Station.
Kaffee trinken im Staub
Aber nicht nur die Anbindung sorgt für Unzufriedenheit. Auch die Betriebe rund um die Baustelle machen sich Sorgen. „Mein Schanigarten musste weg und dadurch werde ich weniger Geschäft machen“, erklärt ein Kaffeehaus-Besitzer. Viele Stammgäste haben bereits angekündigt, nicht mehr so oft zu kommen.
Laut dem Besitzer verständlich, denn „wer will im Staub Kaffee trinken.“ Den fehlenden Umsatz aufgrund der Baustelle müsse er aus eigener Tasche kompensieren. Zwar verstehe er die Notwendigkeit der Baustelle, aber „ich glaube, niemand macht sich Gedanken, ob die Betriebe das überleben werden.“
Laut dem stellvertretenden Bezirksvorsteher Christian Sapetschnig (SPÖ) habe man früh genug über das Bauvorhaben informiert. „Wir haben mit Hausaushängen, Stationsinfos, dem Bezirksnewsletter und Infoveranstaltungen informiert“, sagt er dem KURIER. Ob dadurch die Auswirkungen der Baustelle abgefedert werden können, bezweifeln viele Betroffene. Sie suchen am ersten Tag noch ihren Weg durch die Absperrungen.
Kommentare