Naschmarkt-Umbau: Ärger und Umsatzeinbußen am Bauernmarkt
Am Naschmarkt muss der Bauernmarkt temporär einer Baustelle weichen.
Der Naschmarkt ist im Umbruch – wortwörtlich. Der ehemalige Parkplatz hinter der U4-Station Kettenbrückengasse wurde zur Parklandschaft und die umstrittene Naschmarkthalle alias „Marktraum“ eröffnet. Als Nächstes ist der Bauernmarkt hinter der Halle entlang der Rechten Wienzeile dran, der kürzlich umsiedeln musste.
Grund sind Abdichtungsarbeiten der Wiener Linien am U4-Tunnel unter dem Naschmarkt, die bis Ende August andauern sollen. Direkt im Anschluss wird die Stadt die Oberfläche umgestalten.
Bis dahin findet der Bauernmarkt am Platz vor der Markthalle sowie auf beiden Seiten der Kettenbrückengasse statt. Um in der Hauptsaison alle 60 Standler unterzubringen, wurde auch ein Teil des Flohmarktes zum Bauernmarkt erklärt. Der wird von diesen aktuell zwar noch nicht bespielt, ist aber schon für Autos gesperrt.
Mit der Übergangssituation sind einige der derzeit rund 40 Produzentinnen und Produzenten unzufrieden. Eine von ihnen ist Gemüsebäuerin Karin Hopf aus Simmering, die seit 60 Jahren am Naschmarkt steht.
Kleinere Stände, wenige Umsatz
„Es ist eine Katastrophe“, sagt sie bei einem Lokalaugenschein am Samstag genervt. Es gebe nur eine Einfahrt für den ganzen Markt, ihr Stand sei deutlich kleiner und die Einnahmen um 30 Prozent eingebrochen.
Ich war nie für oder gegen die Markthalle, aber es ist mehr eine Touristenattraktion. Die Einheimischen haben keine Lust auf die Durchschieberei.
Standbetreiberin
Ganz Ähnliches schildert Anna Altenriederer vom Obsthof in Nussdorf ob der Traisen: Ein kleinerer Stand, 30 Prozent weniger Einnahmen und ausbleibende Stammkunden, was sie auch auf die Markthalle zurückführt: „Ich war nie dafür oder dagegen, aber es ist mehr eine Touristenattraktion. Die Einheimischen haben keine Lust auf die Durchschieberei.“
Denn gut besucht ist der Markt – fragt sich nur, von wem. Die Standlern sprechen von „viel mehr Touristen und Schaulustigen“, auf Stammkunden trifft man aber auch. Einer davon drückt es diplomatisch aus: „Besser geworden ist es nicht.“
Wer suchet, der findet - nicht
Schlechter läuft es nicht für jeden: „Das Geschäft geht sogar besser. Ich kann nicht schimpfen“, sagt Barbara im Käsewagen von Helwin Hinke. Anfangs sei es aber ein Kampf gewesen. Um auch wirklich gefunden zu werden, habe man eine Whatsapp-Gruppe für die Kundschaft gegründet. „Kunden sind Gewohnheitstiere. Wenn du zwei Meter weiter weg stehst, heißt es, du warst nicht da.“
Auf der Suche ist jeden Samstag eine Stammkundin nach „Orangello“ für Bio-Zitrusfrüchte. Der sei besonders arm, da ihm immer ein anderer Platz zugeteilt werde.
Kostenfrage: Wann abgerechnet wird
Andauern wird die Übergangslösung noch länger. Laut Marktamt soll der Bauernmarkt Ende 2026 fertig sein. Geplant sind zwei XXL-Bäume, begrünte Baumscheiben, ein Grünstreifen und konsumfreie Zonen mit Sitzgelegenheiten.
Für die Umgestaltung der Flohmarkt-Fläche, die nicht im Gesamtbudget von 27,7 Mio. Euro enthalten sei, gebe es weder Detailplanungen, Bautermin noch eine Kostenschätzung. Die tatsächlichen Endkosten für die Naschmark-Umgestaltung inklusive Park und Markthalle sollen Ende 2026 feststehen.
Die Suche nach „Orangello“ blieb übrigens erfolglos. Am Telefon erfährt man: Er stand als einziger Lebensmittelhändler gut versteckt hinter dem Würstelstand beim Flohmarkt. Künftig bekomme er aber einen fixen Standplatz bei den andern Produzenten.
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