Markthalle am Naschmarkt: Erster Stand sperrt zu

Markthalle, Naschmarkt, Wien
Seit fast drei Monaten ist der „Marktraum“ am Naschmarkt geöffnet. Jetzt hat eines von 13 Standln beschlossen, zu schließen.

Von Franziska Trautmann

Die Türen der Markthalle am Naschmarkt öffnen und schließen im Sekundentakt. Menschen sind am Ein- und Ausgehen, manche mit einer Leberkäsesemmel in der Hand, andere mit einem Sackerl voller frischer Backwaren. Drinnen tummeln sich die Menschen, um einen Sitzplatz am großen Tisch in der Mitte der Halle zu bekommen. Die Schlangen vor den 13 Marktständen sind lang, es geht aber flott voran.

Jetzt wird es aber bald nur mehr 12 Standln geben, denn der Käsestand der Fratelli Valentino lässt bis spätestens Ende März seinen Rollladen herunter. Begründet wird ihr Abschied mit dem Fokus auf einen neuen Standort im 23. Bezirk – dadurch hätten sie keine Zeit mehr für das „Projekt Naschmarkt“.

Mehrere Menschen sitzen und essen an Holztischen in einer modernen Markthalle mit verschiedenen Essensständen.

Ein Kommen und Gehen: Die Markthalle am Naschmarkt ist zu Mittag bummvoll. 

Einige Stammkunden

Die anderen Marktkollegen bedauern das. „Ich finde es sehr schade, dass sie gehen. Wir sind hier wie eine kleine Familie“, sagt Katja E. vom Stand „Käsehütte Maria Taferl“. Sie ist froh, Teil der Markthalle zu sein. Denn mittlerweile hat die Käsehütte auch schon einen Stammkundenstock. Zwei Damen, die neue Käsesorten probieren und sich davon ein Stück einpacken lassen, gehören dazu. Sie wohnen in der Nähe und kommen regelmäßig.

Auch Annegret Hornik vom „k.u.k Delikatessen“ erzählt, dass ihr Stand gut läuft. „Natürlich gibt es auch schwierigere Tage, aber das ist eben die Gastro“, sagt sie. Es sei traurig, dass Fratelli geht, überrascht sei man aber nicht. In der „Marktfamilie“ sei die Schließung schon länger im Raum gestanden. Mittlerweile hat Hornik auch schon von Gesprächen über eine Neuübernahme gehört. Ein Kollege habe ihr erzählt, dass am Donnerstag jemand den Standort besichtigt haben soll.

Neben dem zumachenden Käsestand befindet sich „Fangfrisch von Alex“. Laut dem Betreiber Alexander Moser ist einer der Gründe fürs Aufhören seines Nachbarn, die Lage. Beide Standln sind recht versteckt im hinteren Teil der Halle, weshalb „wenige Leute zu uns finden“. Mehrere Betreiber haben beim Marktamt schon um Beschilderungen gebeten, bis jetzt sind aber noch keine zu sehen. Das (Un-)Glück des Standorts ist unter allen Marktkollegen bekannt, bei manchen sorgt es auch für Unmut.

Markthalle, Naschmarkt, Wien

„Fangfrisch von Alex“: Alexander Moser kennt die Probleme einiger Standler. 

Zentrale Lage wichtig

Gut erwischt haben es aber die Fleischerei „Waldgut“ und der Burgerladen „Brutal am Markt“ mit ihrer zentralen Lage. Beide sind bei den Kunden sehr beliebt – vor allem zur Mittagszeit sind Andrang und Hunger groß. Die Fleischerei lockt mit Leberkäsesemmeln um 5 Euro, der Burgerladen mit Combo-Menüs um 14,90 Euro. „Am besten läuft es am Samstag wegen des Flohmarktes“, sagt Burgerladen-Mitarbeiter Raymond Olegario. Mittlerweile sind sie auch auf den Lieferdienst-Plattformen Wolt und Foodora. Immer wieder bleiben Lieferanten bei ihnen stehen und holen etwas ab.

Der Burgerladen ist auch der einzige Stand mit einer Lizenz, um Alkohol verkaufen zu dürfen. Laut Olegario hätten auch schon andere Stände angemerkt, alkoholische Getränke anbieten zu wollen. Die Vorgaben für den Verkauf von Speisen und Alkohol waren den Betreibern aber von Anfang an bewusst, ob sich diese jetzt ändern werden, bleibt offen.

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