Baggerungen auf Ziesel-Areal im letzten Moment abgeblasen

Possierliche Nager verhindern ein großes Bauprojekt. Ihre Absiedlung wird vorbereitet.

Wenn Ziesel nicht freiwillig übersiedeln, liegt das Bauprojekt auf Eis. Die IGL Marchfeldkanal legte Beschwerde bei der EU-Kommission ein.

Sie stehen ex aequo mit Geparden und Eisbären ganz oben auf der Liste der bedrohten Arten: die Ziesel. Besonders wohl fühlen sich die EU-weit streng geschützten Nager offenbar auf einem Gelände nördlich des Stammersdorfer Heeresspitals. Denn dort nimmt die Population stetig zu.

Das Problem ist bloß: Auf dem Areal sollen rund 900 Wohnungen errichtet werden. Und das Projekt liegt auf Eis, so lange die Ziesel nicht auf die bereitgestellten Ausgleichsflächen übersiedeln. Ob sie den Wohnbauträgern kabelwerk und Donau-City diesen Gefallen tun, ist jedoch fraglich.

EU-Kommission

Unterstützung erhalten die Tiere von der "Interessengemeinschaft Lebensqualität (IGL) Marchfeldkanal". Um den Lebensraum von Ziesel, Feldhamster und Co. zu schützen, richteten die Umweltschützer vergangenes Jahr eine Beschwerde an die EU-Kommission.

Zurzeit warten sie ebenso auf eine Antwort wie die Grünen – die eine dementsprechende parlamentarische Anfrage gestellt haben. Und auch die FPÖ steht der Absiedlung der Ziesel kritisch gegenüber.

Eines hat die Interessengemeinschaft aber definitiv bereits erreicht: Ein öffentliches Interesse an den Floridsdorfer Zieseln zu wecken.

eigentlich: Repro Gehard DeutschLeopold Kanzler … Foto: Leopold Kanzler

Die Aufregung rund um die Thematik führte nun dazu, dass für kommendes Wochenende geplante Baggerarbeiten auf dem Gelände doch nicht stattfinden. Ursprünglich wollte man den Oberboden abtragen, um zumindest die Ausbreitung der Ziesel zu verhindern. "Man hätte das als Lenkungsmaßnahmen interpretieren können. Das wurde aber jetzt abgeblasen", erklärt Ilse Hoffmann von der Uni Wien, die für die ökologische Bauaufsicht zuständig ist.

Die Expertin kann nicht garantieren, dass die mehr als 200 Tiere, um die es geht, die Ausgleichsflächen annehmen werden. Diese wären nicht optimal, weil sie nicht direkt an das derzeitige Habitat angrenzen.

Seitens der Bauträger übt man sich trotzdem in Zweckoptimismus. Man gehe davon aus, dass die Maßnahmen doch noch greifen und die Ziesel den Baugrund räumen, heißt es bei kabelwerk.

Andernfalls wird es keine Bewilligung von der Naturschutzabteilung MA22 geben. "Man könnte also sagen: Jetzt sind die Ziesel am Zug ", sagt Hoffmann.

Die bekommen von dem ganzen Trubel nichts mit. Sie befinden sich zurzeit noch im Winterschlaf.

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(kurier) Erstellt am
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