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Chronik Wien
05/01/2019

Avcoado zum Bestseller: Diese 5 Buchhandlungen bieten auch Kulinarik

Wer im Handel bestehen will, braucht Ideen. Buchgeschäfte setzen immer mehr auf Events und Gastro

von Anna-Maria Bauer

Angefangen hat es als Spaß.

Wenn sich Kunden kurz vor der Sperrstunde noch in Hartliebs Bücher aufgehalten haben, hat Petra Hartlieb im Scherz manchmal gesagt: „Passen’S auf oder wir sperren Sie noch ein.“

Worauf viele begeistert antworteten: „Ja, machen Sie das doch, das wäre unser Traum.“

 

Und so macht Petra Hartlieb das nun. Nicht das mit dem Einsperren, aber das mit dem Alleine-in-der-Buchhandlung-Lassen. Einmal in der Woche dürfen Gäste gegen Voranmeldung von 19 bis 22 bzw. 23 Uhr in der gemütlich-engen Buchhandlung in Wien-Währing bleiben, durch Bücher blättern, sich gegenseitig vorlesen. Zu Stärkung stellt Petra Hartlieb Snacks und Wein bereit. Der Abend kostet für die Gruppe 150 Euro (ab Herbst 200 €).

Seit Petra Hartlieb den neuen Service einmal in den sozialen Netzwerken gepostet hat, steht das Telefon nicht mehr still. „Wir haben offensichtlich einen Nerv getroffen“, sagt die Buchhändlerin. Sie sind bis Herbst ausgebucht.

3.264 Geschäfte

In Zeiten, in denen der Einzelhandel allgemein in Bedrängnis ist, freut das besonders.

Die Konkurrenz aus Onlinehandel gepaart mit dem Anstieg internationaler Ketten macht kleinen Unternehmen seit Jahren das (Über-)Leben schwieriger.

Immer mehr Buchhandlungen mussten in den vergangenen Jahren schließen. Während es 2010 noch 3.923 Buchgeschäfte in Österreich gab, waren es 2018 nur mehr 3.264 (minus 17 Prozent). In Wien ist die Abnahme mit knapp 8,2 Prozent zwar noch am geringsten. Aber auch hier haben seit 2010 in Summe 101 Geschäfte zusperren müssen.

Jene Buchhandlungen, die gut laufen, fallen mit kreativen Shop-Konzepten auf, mit außergewöhnlichen Veranstaltungen und – immer stärker – mit der Mischung von Büchern und Kulinarik.

Bücher und Kochsalon

Eine der ersten, die diese Verbindung eingegangen ist, war 2002 Nathalie Pernstich (47), Gründerin von Babettes Kochsalon, Kochbuchhandlung und Gewürzladen in einem.

Ihr war die Eingebung in der Badewanne gekommen: „Ich arbeitete damals bei einer IT-Consulting-Firma und war gefrustet. Und dann habe ich gedacht, wenn ich schon so viel arbeite, will ich etwas tun, das mir Spaß macht.“ Wieso also nicht einen Laden eröffnen, der jene Dinge kombiniert, die ihr Spaß machen?

Bis sich das Konzept etabliert hatte, dauerte es ein wenig: „Am Anfang haben sich die Kunden oft nicht reingetraut, es war ihnen nicht ganz klar, was sie durften.“ Mittlerweile läuft das Geschäft so gut, dass sie zwei Filialen – in der Schleifmühlgasse und Am Hof – führt.

Eine gastronomische Institution

Ebenfalls zu einer Institution geworden ist das Phil, das seit 2004 Kaffeehaus, Buchhandlung, Schallplattengeschäft, Möbelladen und Veranstaltungsort vereint. Christian Schädel (43) hatte das Konzept bei Reisen in Südostasien gesehen und beschlossen, es in Wien umzusetzen. Der Erfolg zeigt sich zu jeder Tageszeit. Ob Frühstück, Mittagssnack oder Getränk am Abend: Stets sind die meisten Tische besetzt.

Ort der Kommunikation

So groß wie im Phil ist der Gastronomie-Bereich in Lhotzkys Literaturbuffet in der Leopoldstadt nicht. Den Betreibern Kurt und Andrea Lhotzky geht es um die Atmosphäre, die Kaffee und Sandwiches in eine Buchhandlung bringen. „Menschen haben ein enormes Kontakt- und Kommunikationsdefizit“, sagt Kurt Lhotzky.

Deshalb soll ihre Buchhandlung ein Ort der Kommunikation sein. Und so freut es ihn (nach dem Verkauf von Büchern) besonders, wenn Kunden bei Kaffee oder beim Schmökern ins Gespräch kommen.

Schmökern im Freien

In Büchern blättern kann man im Buchcafé Melange in Wien-Fünfhaus seit Kurzem auch auf einer rosa Matratze vor dem Geschäft. Seit vergangenen Sommer hat Buchhändlerin Romana Ledl, die monatlich ein bis zwei Events organisiert, sogar einen Schanigarten.

Die Zeiten ändern sich: „Vor 15 Jahren hat es gereicht, wenn du freundlich warst und viel gelesen hast“, sagt Petra Hartlieb. Heute muss man sich mehr überlegen. Aber das sei ja spannend, weil man stets dazulerne. In der Filiale im Alsergrund organisiert eine Mitarbeiterin nun einen Harry-Potter-Nochmal-Leseklub. Die Nachfrage war erneut so groß, dass eine Warteliste erstellt werden musste.

Buch trifft Kulinarik

Hartliebs Bücher

18., Währinger Straße 122 (geöffnet Montag bis Freitag 9 bis 18 Uhr, Samstag, 9 bis 13 Uhr)

2. Filiale: 9., Porzellangasse 36 (geöffnet Montag bis Freitag 9 bis 18 Uhr, Samstag, 9 bis 13 Uhr)

Buchhandlung (in Währing) mieten: Mit Snacks vom Café Himmelblau, Wein von Dohrli Muhr, Kosten: 150 Euro, ab Herbst 200 €

Details zu Hartliebs Bücher finden Sie hier.


 
Phil

6., Gumpendorfer Straße 10-12 (geöffnet Dienstag bis Samstag 9 bis 1 Uhr, Sonntag 9 bis 24 Uhr, Montag 17 bis 1 Uhr)

Kaffeehaus, Buchladen, Schallplattengeschäft und Veranstaltungsort

8. Mai: Nacht der Philosophie

Infos zum Phil gibt es hier.

 

Babettes

1., Am Hof 13 (geöffnet Montag bis Freitag 11 bis 19 Uhr, Samstag 10.30 bis 17 Uhr)

und 4., Schleifmühlgasse 17 (geöffnet Montag bis Freitag 10 bis 19 Uhr, Samstag 10.30 bis 17 Uhr)

Kochbuchhandlung, Gewürzhandel und Kochsalon

Zur Homepage von Babettes geht es hier.

 

Buchcafé Melange

15., Reindorfgasse 42 (geöffnet Dienstag bis Freitag 10 bis 13 Uhr und 13.30 bis 18.30 Uhr, Samstag 10 bis 15 Uhr)

28. Juni: Marko Dinic liest aus seinem Buch  „Die guten Tage“

Mehr Infos zu Buchcafé Melange hier.

 

Lhotzkys Literaturbuffet

2., Rotensterngasse 2 (geöffnet Montag bis Freitag 9 bis 18 Uhr, Samstag 9 bis 13 Uhr)

Frühstück den ganzen Tag, Sandwiches, Kaffee und Bücher

Zur Homepage von Lhotzkys Literaturbuffet geht es hier.