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Auszeit-WG verschiebt sich erneut und startet mit nur einem Kind

Zum dritten Mal wird der Start der "Auszeit-WG" für junge Intensivtäter verschoben. In der WG wird zunächst auch nur ein Bursche wohnen.
Ein Jugendlicher mit Kapuzenpullover sitzt auf einer Fensterbank und schaut nach draußen.

Das Projekt "Auszeit-WG", in der straffällige Kinder unter 14 Jahren untergebracht werden sollen, verläuft nicht nach Plan. Zum dritten Mal muss der Start nun verschoben werden, wie Ingrid Pöschmann, Sprecherin der zuständigen Wiener Kinder- und Jugendhilfe (MA 11) dem KURIER bestätigte. 

Grund dafür ist die Flüssiggas-Anlage im Garten der Einrichtung, die sich in Simmering befindet. Wo genau, kommuniziert die Stadt aus Rücksicht auf die dort untergebrachten Kinder nicht. "Wir müssen im technischen Bereich noch etwas adaptieren. Erst wenn alle Sicherheitsauflagen erfüllt sind, werden wir die WG aufsperren", betonte Pöschmann. Und man wolle die WG erst öffnen, wenn die Kinder auch den Garten mitbenützen können. 

Ein neues Datum, wann die Einrichtung denn nun tatsächlich in Betrieb genommen wird, wollte Pöschmann auf Nachfrage nicht nennen. "Es wäre unseriös, einen Zeitrahmen zu nennen. Wir sperren dann auf, wenn alles auf Sicherheit überprüft wurde", erklärte die Sprecherin. Kommende Woche würde eine erneute Begehung stattfinden, bei der die Gas-Anlage kontrolliert wird. 

Start mit einem Burschen

Außerdem sollen nicht wie ursprünglich geplant zwei Burschen von Anfang an in dem Haus in Simmering untergebracht werden, sondern zunächst nur einer. "Wir wollen, dass alle gut hineinstarten können, wir werden uns die Situation dann anschauen, und dann zeitnah das zweite Kind dazuholen", so Pöschmann. Wann das passieren soll, wurde nicht konkret genannt. Man habe jedenfalls ein "großes Interesse" daran, zwei Kinder in der WG zu betreuen.

Die Stadt investiert im ersten Jahr rund 800.000 Euro in das Projekt, das aufgrund der zunehmenden Jugendkriminalität in Wien ins Leben gerufen wurde. Untergebracht werden dort Burschen unter 14 Jahren, die als "unmündige Intensivtäter" gelten - sprich regelmäßig schwere Delikte, wie schwere Körperverletzung oder Raub begehen. 

Türen und Fenster verstärkt

Aus diesem Grund wurde das Gebäude in Simmering, das die Stadt für die Jugendlichen angemietet hat, speziell ausgebaut. Die Fenster und Türen wurden wegen möglicher "Impulsdurchbrüche" der Burschen extra verstärkt. Dies war auch der Grund, warum sich der ursprüngliche Start, der für April vorgesehen war, auf Mai verschoben hat. Dieses Datum hielt aber auch nicht. Im Bereich der Fluchtwegtüren musste dann noch überprüft werden, ob sämtliche brandschutzrechtlichen Anforderungen auch erfüllt werden. 

Personal auf Deeskalation geschult

Die Betreuung der beiden Kids übernimmt ein Verein. Dessen Personal ist unter anderem im Bereich Deeskalation geschult. Im Haus werden auch regelmäßig Sozialarbeiter, Psychologen, Psychiater oder Heilstättenlehrer im Einsatz sein. Sie sollen an der Änderung des destruktiven Verhaltens der Bewohner arbeiten. Ausgänge in den angrenzenden Garten oder auch in die Stadt sind ebenfalls möglich - wobei anfangs hier jedenfalls eine Begleitung mit dabei ist.

Die durchaus auch umstrittene Einrichtung auf Initiative der Stadt Wien gilt österreichweit als Pilotprojekt. Ob ähnliche Einrichtungen auch in anderen Bundesländern folgen, ist derzeit noch offen. Eine im Justizministerium angesiedelte Arbeitsgruppe befasst sich seit längerem mit neuen Möglichkeiten zum Umgang mit strafunmündigen Intensivtätern.

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