Trotz Kritik: Betreiber will an „Auszeit-WG“ für Unter-14-Jährige festhalten
Bernhard Mager, seit August Leiter der Wiener Kinder- und Jugendhilfe (MA 11), verteidigt die umstrittene „Auszeit-WG“ für Intensivtäter unter 14 Jahren. „Ich werde an diesem Konzept festhalten“, sagte Mager am Dienstag im Interview bei „Wien heute“. „Mit freiwilligen Angeboten hat es bisher nicht funktioniert, dass wir eine Änderung bewirken können.“
Die ÖVP forderte am Mittwoch eine Offenlegung und Evaluierung des Konzepts. „Ein bedingungsloses Festhalten am bisherigen Konzept, trotz Einwänden von renommierten Expertinnen und Experten, ist unverständlich“, betonte Gemeinderätin Sabine Keri, Familiensprecherin der Wiener Volkspartei. Zuvor hatte bereits der renommierte Kinder- und Jugendpsychiater Patrick Frottier für eine Veröffentlichung und transparente Diskussion darüber plädiert.
Die MA 11 erklärte am Nachmittag auf APA-Anfrage, dass sich Mager einen umfassenden „Überblick über die unterschiedlichsten bestehenden Konzepte, Strukturen und Abläufe verschaffen“ werde. „In diesem Zusammenhang wird auch geprüft werden, in welcher Form eine Veröffentlichung von Konzepten zweckmäßig ist. Zum jetzigen Zeitpunkt können wir daher noch keine abschließende Aussage treffen.“
MA-11-Chef Mager: „Kann die Kritik nachvollziehen“
Das Konzept war kurz nach dem Start der geschlossenen Wohngemeinschaft bekannt geworden und steht seit vergangener Woche in der Kritik. Die Wiener Kinder- und Jugendhilfe nehme „fachliche Rückmeldungen grundsätzlich ernst“, hieß es weiter. Auch Mager werde sich mit den Positionen zum Konzept befassen. „Davon unabhängig werden Konzepte laufend evaluiert und die notwendigen Schlüsse aus den gewonnenen Erkenntnissen gezogen - gerade, wenn es neue Maßnahmen betrifft“, sagte eine Sprecherin.
„Ich kann die Kritik nachvollziehen“, sagte Mager im ORF-Interview. „Aber was aus meiner Sicht fehlt, ist eine Unterbrechung, sodass Kinder für eine gewisse Zeit intensiv begleitet werden.“ In dieser Zeit werde festgestellt, welche Betreuungsformen die Kinder bräuchten, um diese dann bereitzustellen. „Ich stelle mir auch vor, dass Pädagogen weiterhin für die Betreuung dieser Kinder zuständig sein werden“, führte Mager aus. Zu weiteren inhaltlichen Details des Konzepts nahm er keine Stellung.
„Gravierende fachliche Mängel“ in Auszeit-WG
Frottier hatte dem Papier gegenüber der APA „gravierende fachliche Mängel“ und ein Fehlen „jeglicher pädagogischer und wissenschaftlicher Grundlage“ bescheinigt. Die Unterlage entspräche „nicht einmal im Ansatz einem Konzept für eine Einrichtung mit dieser Tragweite“, sagte er nach Durchsicht des Konzepts. Das Papier wirke, als sei es aus Versatzstücken verschiedener Konzepte für soziale Einrichtungen zusammengebastelt, erklärte auch die Geschäftsführerin des Österreichischen Berufsverbandes der Sozialen Arbeit (OBDS), Julia Pollak. Widersprüche zwischen einer geschlossenen Einrichtung mit „sozialer Isolation“ und den pädagogischen Voraussetzungen auf gesetzlicher Basis würden verschleiert, sagte Pollak.
Rechtsgrundlage für die Wohngemeinschaft mit zwei Betreuungsplätzen bildet das Wiener Kinder- und Jugendhilfegesetz in Verbindung mit dem Heimaufenthaltsgesetz. Ein Aufenthalt in dem Haus am Stadtrand Wiens kann bis zu zwölf Wochen dauern. Gedacht ist die Maßnahme für Kinder, die wiederholt schwere Taten gesetzt haben. Die Kosten des Projekts liegen bei fast einer Million Euro pro Jahr.
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