Jugendliche Intensivtäter: „Es sind immer noch Kinder“
Die umstrittene Auszeit-WG für strafunmündige Intensivtäter unter 14 Jahren hat in Wien-Simmering im Juli 2026 ihren Betrieb aufgenommen. Die grundsätzliche Idee des pinken Prestigeprojekts: Die Probleme, die jugendliche Intensivtäter in Wien verursachen, in den Griff zu kriegen. Einige Kinder unter 14 Jahren verüben – meist im Bewusstsein ihrer Strafunmündigkeit – schwere Delikte wie Raub oder Einbrüche.
Die Kriminalstatistik zeigt in den letzten Jahren einen deutlichen Anstieg an Tatverdächtigen, die noch nicht strafmündig sind. Dennoch sind die Neos – wie SPÖ und Grüne – gegen eine Senkung des Strafmündigkeitsalters, während ÖVP und Freiheitliche diese Maßnahme befürworten.
Wiens Vizebürgermeisterin und Bildungsstadträtin Bettina Emmerling (Neos) nannte am Dienstag in der ZiB 2 bei Armin Wolf eine Senkung „sehr pauschalisierend“. Und: „Es handelt sich immer noch um Kinder.“
Expertinnen und Experten würden diese Maßnahme ablehnen, weil Resozialisierung und Prävention so ausbleiben würden. Wien verfolge mit der Auszeit-WG zwei Ziele: Einerseits sollten Kinder „weg aus ihrem Umfeld“ und „weg von der Straße“ genommen werden, um Straftaten direkt zu vermeiden und die Bevölkerung zu schützen. Andererseits gehe es darum, den Kindern „ab Tag 1 eine Perspektive zu geben“ und mit ihnen zu arbeiten, so Emmerling.
Auszeit-WG: Höchstens zwölf Wochen
Angesprochen auf die rechtliche Grundlage für das Anhalten in der Auszeit-WG erklärte die Vizebürgermeisterin, sie fordere eine bundeseinheitliche Lösung. In Wien stütze man sich derzeit auf das Heimaufenthaltsgesetz, das eigentlich für den Gesundheits- und Pflegebereich gedacht sei, aber auch für die Kinder- und Jugendhilfe gelte. Daher werde bei Kindern und Jugendlichen, die in die Auszeit-WG kommen, eine „komplette psychische Diagnostik“ durchgeführt. Eine Anhaltung sei möglich, wenn andere Maßnahmen erfolglos gewesen seien und eine „akute Selbst- und Fremdgefährdung“ vorliege.
Zur Kapazität sagte Emmerling, in der Auszeit-WG könnten maximal zwei Kinder gleichzeitig und höchstens zwölf Wochen betreut werden. Wie es nach den zwölf Wochen weitergehe, werde „sehr individuell“ entschieden; die Kinder würden nicht „einfach rausgeschickt“, versicherte die Bildungsstadträtin.
Tragische Einzelfälle möglich
Im Interview wurden auch Vorwürfe gegen die Kinder- und Jugendhilfe (MA11) zum Thema. Moderator Wolf sprach etwa den konkreten Fall eines 14-Jährigen an, der in intensiver Einzelbetreuung gewesen sei und sich bei einem Besuch bei seiner Familie das Leben genommen habe. Emmerling sagte dazu, sie könne diesen Fall nicht konkret beurteilen. Es könne jedoch zu tragischen Einzelfällen kommen; Kinder in staatlicher Obsorge hätten oft multiple Problemlagen, Fehleinschätzungen seien nie gänzlich auszuschließen.
Zu einem weiteren Fall rund um ein zwölfjähriges, traumatisiertes Mädchen, das Angst vor Männern gehabt habe und bei einer Übersiedlung in eine neue Einrichtung aus einem Fenster gesprungen sei, nachdem ein Mann sie abholen sollte, erklärte die Vizebürgermeisterin, sie habe daraufhin „sofort eine Prüfung beauftragt“ angekündigt, bei nachgewiesenem vermeidbarem Fehlverhalten Konsequenzen zu ziehen. Sie berichtete, das Mädchen sei nach einem Krankenhausaufenthalt genesen und nun in einer Wohngemeinschaft in Wien, wo es sich „sehr wohl“ fühle.
Zur Frage, warum bei der Abholung ein Mann beteiligt gewesen sei, sagte Emmerling: „Das Mädchen wurde nicht von einem Mann alleine abgeholt, sondern auch von einer Frau“; anderslautende Darstellungen seien „kolportiert“ worden. Die Information, wie Hinweise zur Traumatisierung des Mädchens weitergegeben worden seien, sei Teil der Prüfung.
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