Chronik | Wien 24.05.2018

Austria zahlt, damit Fan daheim bleibt

© Bild: FK Austria Wien/Andreas Perkmann Berger

Fußballverein überwies 10.000 Euro, damit Anhänger mit Hausverbot nicht zum Eröffnungsspiel kommt

Es wird ein großer Tag für die Wiener Austria. Am 13. Juli wird die neue Generali-Arena mit einem Spiel gegen Borussia Dortmund eröffnet. Auch Alexander Christian, Anhänger seit 35 Jahren, wollte sich das nicht entgehen lassen. Doch der Fußballverein legt keinen Wert auf seine Anwesenheit. Und lässt sich das auch etwas kosten. Konkret 10.000 Euro, die bereits an Christian überwiesen wurden.

Alexander Christian
Alexander Christian wollte sich Spiel nicht entgehen lassen © Bild: Privat

TV-Abend

Das Angebot hat Christian angenommen. „So eine Bezahlung für das Nichterscheinen im Stadion – das ist wohl weltweit einzigartig“, sagt er.   Er wird sich das Spiel somit mit Freunden vor dem Fernseher anschauen.


Für den Fußballverein ist die Sache mit dem Vergleich vor Gericht  erledigt. „Es gibt bei gewissen Themen eine Null-Toleranz-Linie und von der weichen wir auch künftig nicht ab“, sagt Austria-Vorstand Markus Kraetschmer.


Die Austria und der Fußballfan haben eine schwierige Vergangenheit. Christian hat seit Jahren Hausverbot im Austria-Stadion. Eine offizielle Begründung gab es dafür nie. Allerdings ist der Bekanntenkreis des Juristen speziell – einige Freunde  gehören zum rechtsextremen Fanclub „Unsterblich“.  Er selbst, sagt Christian, sei kein Mitglied: „Unsterblich ist ja auch kein Verein.“
Dennoch wurde Christian – so wie auch alle anderen Fans – im Mai 2016 von der Austria angeschrieben. Denn das Stadion wurde unter anderem mittels Crowdfunding finanziert.  Bei einer Investition ab 5000 Euro versprach man den Unterstützern als Zuckerl Karten für das Eröffnungsspiel und eine Stadionführung mit Austria-Legende Herbert Prohaska. Christian investierte 5000 Euro, übernahm später noch ein Paket in gleicher Höhe von einer Bekannten.


Das Darlehen aus dem Crowdfunding plus die daraus resultierenden Zinsen sind vom Vergleich  übrigens nicht betroffen.


Entfacht wurde der Rechtsstreit ursprünglich,  weil Christian das Eröffnungsspiel besuchen wollte.  Die Austria verwies  aber auf das aufrechte Hausverbot. Das Gericht sprach sich  in einem Eilverfahren zugunsten des Fans aus, später wurde der Vergleich geschlossen.  Die Prozesskosten über 2000 Euro trägt übrigens auch der Verein.


Christian bekommt sogar zwei Karten für das Eröffnungsspiel – muss diese aber an „unverdächtige Personen“ weitergeben. „Die Karten bekommen eine Freundin und ihre Mutter“, sagt er.
Spiele seines Fußballclubs  schaut er sich dennoch an. Auswärts. Am vergangenen Wochenende etwa in St. Pölten. „Das war aber eher traurig“, sagt Christian. Die Austria verlor auswärts mit 2:0.  Er  wartet nun, ob das Hausverbot erneut verlängert wird – von Seiten der Austria ist daran nicht zu rütteln.

 

( kurier.at ) Erstellt am 24.05.2018