Chronik | Wien
22.10.2018

Asbest in Wiener Rudolfstiftung: ÖVP fordert Aufklärung

Gemeinderätin Korosec pocht auf Anfragebeantwortung, Stadtrat Hacker kontert. Spitalsmitarbeiter zeigt sich beunruhigt.

Die Debatte um angebliche Pfuschereien bei der Beseitigung von Asbest im Krankenhaus Rudolfstiftung brodelt weiter: Während die ÖVP auf die rasche Beantwortung einer Anfrage zur Causa pocht, wirft Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) den Türkisen vor, Verunsicherung zu betreiben.

Aber der Reihe nach: Wie die Zeitschrift News unlängst berichtete, sollen im Spital in Wien-Landstraße Asbestsanierungen unsachgemäß durchgeführt worden sein. Bei der Beseitigung des krebserregenden Materials seien demnach Sicherheitsvorkehrungen missachtet worden, das Haus sei nach wie vor massiv belastet. Zu letzterem Aspekt seien ab 2014 zwei Gutachten angefertigt worden, heißt es in dem Bericht. Bloß: Der Wiener Krankenanstaltenverbund ( KAV) veröffentlicht sie nicht.

Daraufhin ging die Wiener ÖVP in die Offensive. In einer Anfrage forderte sie bereits vor drei Wochen von Stadtrat Hacker Antworten zum Inhalt der Gutachten, der aktuellen Kontamination und der Involvierung des KAV-Managements ein. Sie sind allerdings immer noch ausständig. Der Stadtrat habe zwar zwei Monate Zeit zur Beantwortung, räumt ÖVP-Gesundheitssprecherin Ingrid Korsosec ein. Aber diese sollten in diesem Fall nicht ausgeschöpft werden. „Gerade bei so einem sensiblen Thema braucht es rasche Antworten. Stadtrat Hacker ist jedenfalls zum sofortigen Handeln aufgefordert“, betont sie.

Hacker wehrt sich

Korosec versuche, aus „internen Arbeitsberichten“ politisches Kapital zu schlagen und zu verunsichern, kontert das Büro des SP-Gesundheitsstadtrats. „Auf dieses Hamsterradespiel wird er nicht steigen.“ Man prüfe, ob „alte“ Gutachten dem parlamentarischen Prozess zugeführt werden oder, ob die Einsicht dem Rechnungshof vorbehalten bleibe. Für Mitarbeiter und Patienten der Rudolfstiftung bestehe jedenfalls keine Gefahr. Das beteuerte zuletzt auch der KAV.

Mitarbeiter: "Das ist eine Schweinerei"

Beunruhigt sei die Belegschaft trotzdem, ist Korosec überzeugt. Ein Mitarbeiter, der anonym bleiben will, bestätigt das gegenüber dem KURIER. „Ich habe permanent ein schlechtes Gefühl, reinzugehen“, sagt er. Fahrlässigen Umgang mit kontaminierten Material habe er selbst beobachtet: „Die Bauarbeiter sind im Aufzug mit Asbest-belastetem Material durchs Haus gefahren.“ Der OP-Assistent kritisiert die Informationspolitik gegenüber den Mitarbeitern. „Es wird uns nichts gesagt, wir bekommen im Haus keine Infos. Es gibt Gutachten, aber sie liegen nicht auf dem Tisch. Das ist eine Schweinerei.“