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Chronik Wien
03/21/2020

Arzt im SMZ Ost: "Wir tragen chirurgische Masken, das ist eine PR-Aktion"

Spitalspersonal soll besonders vor einer Coronainfektion geschützt werden. Doch es gibt Kritik an den Schutzmaßnahmen.

von Julia Schrenk

Immer wieder heißt es: Das Wichtigste sei es, die Spitalsinfrastruktur zu schützen. Also zu gewährleisten, dass sich Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegepersonal tunlichst nicht mit dem Coronavirus infizieren. Damit die Versorgung in den Krankenhäusern lange ohne Einschränkungen aufrecht erhalten werden kann.

Immer wieder hört man aber auch: Es gebe zu wenig Schutz für Ärzte, die Spitäler seien nicht gut ausgerüstet. Zuletzt kritisierten Spitzenmediziner des Wiener AKH, dass das Krankenhaus nicht ausreichend auf die Corona-Pandemie vorbereitet sei.

Nun erhebt ein Arzt (Name der Redaktion bekannt) des Wiener SMZ Ost im Gespräch mit dem KURIER schwere Vorwürfe: „Wir haben keine Masken, wir Mitarbeiter sind überhaupt nicht geschützt.“ Zwar hätte jede Abteilung Schutzmasken bekommen, doch die seien zu einem Gutteil „verschwunden“.

Im Spital gehe man davon aus, dass die Masken von Spitalsmitarbeitern gestohlen worden sind. „Wir sind nun angehalten, chirurgische Masken zu tragen, das ist eine reine PR-Aktion“, sagt der Arzt. Chirurgische Masken würden maximal verhindern, dass Ärzte Viren an Patienten übertragen, aber sie würden Mediziner nicht vor einer Ansteckung mit Covid-19 schützen.

Außerdem sei zu wenig Schutzkleidung vorhanden und das Personal sei auch nicht geschult worden, wie die Schutzkleidung anzulegen sei, ohne sie dabei zu kontaminieren.

"Gut versorgt und bestens ausgestattet"

Beim Wiener Krankenanstaltenverbund kann man die Kritik nicht nachvollziehen. „Das Donauspital (offizieller Name des SMZ Ost, Anm. der Redaktion) ist gut versorgt mit Schutzmasken. Abteilungen, die Covid-19-Patienten versorgen, sind bestens ausgestattet“, sagt eine Sprecherin. Für das richtige Anlegen der Schutzkleidung gebe es Schulungsvideos, es würden auch keine Masken „im großen Stil gestohlen“.

Der Arzt sieht das anders. Die verbliebenen Masken seien nun in die Suchtgiftschränke gesperrt worden. Zu denen hätten nur wenige Zugang.

Und auch der Präsident der Österreichischen Ärztekammer, Thomas Szekeres, sieht das anders. Er veröffentlichte Samstagabend via Facebook einen Aufruf, wonach sich Ärztinnen und Ärzte melden sollten, wenn ihnen zu wenig Schutzausrüstung im Spital zu Verfügung stehe.

Wörtlich schreibt Szekeres:

"Die Ärztekammer versucht seit 8 Tagen Schutzausrüstung für Gesundheitsberufe zu bekommen. Es klappt schlicht nicht, obwohl sogar der Bundeskanzler seine Hilfe zugesagt hat. Wir haben jetzt zu wenig Masken etc., und wenn die Krankheit ihren Peak hat, reicht es gar nicht mehr aus. Teilweise werden sogar normale OP Masken knapp."