Chronik | Wien
15.03.2012

Angeschossene weiter in Lebensgefahr

Fünf Polizisten konnten eine mit zwei Messern bewaffnete Frau nicht bändigen. Einer reagierte mit einem Kugelhagel.

Jene Frau, die gestern mit zwei Messern auf fünf Polizisten losgegangen ist, schwebt immer noch in Lebensgefahr. Sie soll heute, Donnerstag, ein zweites Mal operiert werden. Die Exekutive bestätigte am Donnerstag, dass der Beamte in einer "akuten Notwehr-Situation" insgesamt neunmal auf die Frau gefeuert hat. Der betroffene Polizist und sein Kollege wurden mittlerweile einvernommen. Neue Erkenntnisse habe es dabei aber nicht gegeben.

Der nächtlicher Polizeieinsatz hatte Mittwochfrüh mit einem Blutbad geendet. Eine 37-jährige Frau wurde in ihrer Wohnung in der Goldschlagstraße von mehreren Projektilen aus einer Dienstwaffe ( Glock 17 mit 16 Schuss im Magazin, eine im Lauf) getroffen. KURIER-Recherchen ergaben, dass der Körper der Frau in den Bereichen Brust, Bauch und Beinen regelrecht durchsiebt worden sein soll. An ihrem Körper wurden 17 Einschuss- und Austrittslöcher gezählt. Kopf und Herz wurden nicht getroffen. Das Opfer wurde stundenlang im AKH operiert.

Zu dem völlig aus dem Ruder gelaufenen Einsatz kam es am Mittwoch um 4.22 Uhr. Kerstin A. – sie steht seit Längerem wegen psychotischer Erkrankungen in Behandlung – hatte wegen eines angeblichen Brandes in ihrer Wohnung die Feuerwehr alarmiert. Als Feuerwehr und Polizei anrückten, blieb die Wohnungstür verschlossen. Nach wiederholten Aufforderungen traten die Einsatzkräfte die Tür ein. Von einem Brand war allerdings nichts zu bemerken.

Kugelhagel

Im Badezimmer stand Kerstin A. mit zwei Messern bewaffnet plötzlich fünf Polizisten gegenüber. Die Frau ging auf einen der Beamten los und verletzte ihn an den Händen. Ein anderer Polizist sprühte ihr daraufhin mit dem Pfefferspray ins Gesicht. Nachdem das keine Wirkung gezeigt hatte, die Frau weiter auf die Beamten los ging, feuerte ein dritter Beamter der Frau in ein Bein. Sie fiel zu Boden, rappelte sich aber wieder auf und attackierte einen weiteren Polizisten. Die Situation eskalierte. Ein zweites Projektil schlug im Brustbereich der Tobenden ein. Weitere Schüsse folgten.

Ermittlungen

Im benachbarten Café wurde der blutige Einsatz unter den Gästen heftig diskutiert. Viele kannten das Opfer. "Sie war eine große, schlanke Person. Und die Frau hatte einen niedlichen Chihuahua. Mit dem ging sie immer Gassi. Wir haben gesehen, wie der Hund von einem Bekannten nach der Tat geholt wurde."

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