Chronik | Wien
05.12.2011

Alsergrund: Aufstand gegen Radstreifen

15 Parkplätze sollen einem Radstreifen weichen. Geschäftsleute machen in einer Bürgerversammlung ihrem Ärger Luft.

Die Autofahrer werden immer zur Kasse gebeten. Doch was zahlen die Radfahrer?" Helga Prein kann ihren Ärger nur schwer verbergen: Vor ihrem Blumengeschäft in der Währinger Straße soll im Herbst ein Fahrstreifen für Radler entstehen - mit der Folge, dass 13 bis 15 Parkplätze verloren gehen. Damit werde die Kundschaft vertrieben, fürchten Prein und andere Geschäftsleute in der Straße. Obendrein werde die Ladetätigkeit massiv behindert.
Um das Projekt zu stoppen, haben die Anrainer in den vergangenen Wochen fast 2000 Unterschriften gesammelt. Für Zündstoff ist also gesorgt, wenn am Donnerstag eine Bürgerversammlung zu dem Bauvorhaben über die Bühne geht.

Ersatz

In der von der SPÖ geführten Bezirksvorstehung hat man für die Sorgen der Anrainer kein Verständnis: "Wir haben uns die Stehplätze an vier Halbtagen angeschaut. Ein Gutteil der Autos stand mehr als ein Mal dort. Es gibt also keine wirkliche Fluktuation an parkenden Kunden", sagt Büroleiter Sascha Göbel. Ersatz für die verloren gegangenen Parkplätze soll auf der gegenüberliegenden Straßenseite geschaffen werden. Auch über eine neue Ladezone will man sich Gedanken machen.

Für die Anrainer ist das keine befriedigende Lösung. "Zumal es eine Alternative gäbe, bei der die Parkplätze erhalten bleiben", sagt Gregor Eitler von der Bezirks-VP: Entfernt man die Schwelle, die die Fahrbahn vom Straßenbahn-Gleiskörper trennt, können die Autos auf den Schienen fahren. Eine Anpassung der Ampelschaltung soll dafür sorgen, dass die Straßenbahn trotzdem zügig vorankommt.

Für die Wiener Linien kommt das allerdings nicht in Frage: "Auf diesem Streckenabschnitt sind fünf Linien mit jährlich 30 Millionen Fahrgästen unterwegs. Wir können nicht verantworten, dass sich Autos auf den Gleisen zurückstauen."

Und auch für den grünen Verkehrssprecher Christoph Chorherr führt an bestehenden Plänen kein Weg vorbei: "Hier fahren täglich 2000 Radfahrer durch. Wir müssen für sie eine sichere Anlage schaffen. Gegenüber den 15 Parkplätzen hat das Priorität. Wir sind angetreten, um den Radverkehr zu verdoppeln. Solche Fälle wird es noch öfter geben."
Helga Prein kann darüber nur den Kopf schütteln: "Über uns Anrainer wird einfach drübergefahren."