Chronik | Wien
12.12.2011

AKH-Protest: Promis werfen sich ins Zeug

Otto Schenk und Niki Lauda unterstützen die Ärzte im Kampf gegen die Sparmaßnahmen in Europas größtem Spital.

Wäre Otto Schenk Direktor des Wiener AKH, hätte er schon das passende Rezept, um die finanzmarode Klinik zu kurieren: "Ich würde die Politiker hierher zu einer Hirntransplantation schicken."

Um gegen die Sparpläne in Europas größter Klinik mobil zu machen, lud der Betriebsrat der MedUni gestern zu einer öffentlichen Protestveranstaltung im AKH, bei der sich auch prominente Ex-Patienten zu Wort meldeten.

Allein heuer fehlen dem Spital neun Millionen Euro. Deshalb müssen ab Februar 2012 die Nacht- und Wochenenddienste um 14 Prozent reduziert werden. Ambulanzen, so fürchten die Mediziner, werden nicht mehr mit Fachärzten besetzt werden können, die OP-Kapazitäten müssen um ein Drittel gesenkt werden (der KURIER berichtete).

"Es kann nicht sein, dass dieses Vorzeigespital nicht mehr funktioniert", zeigt sich auch Niki Lauda in einer Videobotschaft verständnislos. Wegen seiner Nierentransplantationen und Hüftprobleme war der Ex-Rennfahrer bereits mehrmals Patient im AKH. "Die Behandlung hier hat höchste Qualität."

Applaus von den Hunderten Ärzten und Patienten, die sich im Foyer rund um den Christbaum versammelt haben. Von weihnachtlicher Stimmung fehlt aber an diesem Vormittag jede Spur: "Die Situation ist jetzt schon schwierig. Künftig wird es aber noch schlimmer", empört sich Elisabeth Netter, die im AKH eine neue Leber bekommen hat. "Gerade bei uns Transplantationspatienten kann man nicht einfach sagen: ,Operieren wir halt einfach ein wenig später.`" Für viele andere Dinge, die nicht so wichtig seien, sei es kein Problem, eine Summe von neun Millionen Euro aufzutreiben.

Buhrufe, als Wolfgang Schütz, Rektor der MedUni, das Podium betritt. Erst wenige Stunden zuvor hatte er die Klinikchefs über die konkreten Einsparungen in deren Abteilungen informiert. Einmal mehr appellierte er an Bund und Stadt Wien, für das AKH nach neuen Strukturen zu suchen, die die komplexen Zuständigkeiten für das AKH entwirren sollen. Dazu wird es demnächst einen runden Tisch geben.

Hinter den Kulissen tobt zwischen Stadt und Bund weiter der Streit, wer für die aktuelle Finanzmisere verantwortlich ist. Während die AKH-Ärzte zum Wissenschaftsministerium gehören, ist für das Pflegepersonal die Stadt zuständig.

Inzwischen müssten aber 50 Prozent des Budgets für Patientenleistungen aufgewendet werden, obwohl die Uniklinik vor allem für Ausbildung und Forschung verantwortlich sei, sagt Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP). Das will Wiens Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) nicht gelten lassen: Töchterle habe sich vertraglich verpflichtet, die MedUni mit entsprechenden Mitteln für das ärztliche Personal auszustatten.

Ein Konfliktschema, das auch Theatermann Otto Schenk nur allzu geläufig ist. "Ich kenne das aus der Josefstadt: Die Stadt sagt, sie zahlt nur, wenn der Bund zahlt. Der Bund sagt wiederum, er zahlt, wenn die Gemeinde zahlt. Und dann zahlen beide nix."

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