Wetzlinger glaubt nicht, dass es durch die Arbeitszeitverkürzung zu Leistungseinschränkungen im AKH Wien kommen wird.

© KURIER/Gilbert Novy

Interview mit AKH-Chef
12/19/2014

"Betrieb wird nicht kollabieren"

Der neue AKH-Chef Herwig Wetzlinger zum Streit um die Ärzte-Arbeitszeiten.

von Josef Gebhard

Es ist einer der schwierigsten Management-Posten der Stadt: Seit Mittwoch ist Herwig Wetzlinger Direktor des Wiener AKH. Auf den neuen Chef des krisengeschüttelten Mega-Spitals wartet eine Reihe von heiklen Aufgaben.

KURIER: Herr Wetzlinger, Kostenexplosionen bei Bauvorhaben, Skandale bei Auftragsvergaben – das AKH machte zuletzt häufig Negativschlagzeilen. Was läuft da schief?

Herwig Wetzlinger: Das, was an Korruptionsfällen vorgekommen ist, ist auf Einzelpersonen zurückzuführen, die hier ihr Unwesen getrieben haben. Bei derart großen Organisationen wie dem AKH ist es klar, dass die Wahrscheinlichkeit solcher Fälle steigt. Natürlich haben wir als Konsequenz auch in der Organisation nachjustiert. Beispiel Vergabe: Wir greifen mittlerweile bei allen größeren Ausschreibungen auf Stellen wie die Bundesbeschaffungsgesellschaft zurück, damit solche Fehler nicht mehr passieren können.

Ab Jänner dürfen auch die AKH-Ärzte nur mehr 48 Stunden pro Woche arbeiten. Gynäkologie-Klinikchef Peter Husslein warnt bereits vor einem Kollaps des Systems. Hat er recht?

Nein, das ist eine sehr plakative Formulierung. Wir sind mit allen Klinikchefs im Gespräch. Bisher hat uns noch keiner gesagt, dass er mit 1. Jänner nur mehr eine eingeschränkte Versorgung anbieten kann. Es wird ein gutes Stück Anstrengung brauchen, die neuen Anforderungen umzusetzen, aber der Betrieb wird nicht kollabieren.

Wie soll das bei gleichbleibendem Personalstand funktionieren?

Wir sind dabei, gemeinsam mit dem Rektorat der MedUni, die Aufgabenverteilung zwischen Ärzten, Pflege und Patienten-Administration anzupassen, damit der Arzt sich auf die ärztlichen Tätigkeiten fokussieren kann. Wir prüfen auch, ob wir bestehende Leerkapazitäten tatsächlich vorhalten müssen.

Nächste Baustelle: Für das AKH sind die Stadt und über die MedUni der Bund gleichermaßen zuständig. Wann kommt die versprochene gemeinsame Betriebsführung, die das Kompetenzen-Wirrwarr beenden soll?

Im Jänner wird der nötige Vertrag für die Zusammenarbeit inhaltlich fertig sein. Nach der Unterzeichnung folgt die Umsetzung.

Können Sie schon inhaltliche Details nennen?

Es wird zwei Leitungsstrukturen geben. Erstens ein Management-Board für die operative Führung. Darin wird ein Vizerektor der MedUni sitzen sowie ich als Vertreter der Stadt Wien. Für die strategische Führung gibt es zweitens ein Supervisory Board mit je zwei Vertretern der MedUni und der Stadt. Als fixe Vertreter werden dies der Rektor der MedUni und der Generaldirektor des Krankenanstaltenverbunds sein. Dieses Gremium ist unter anderem für die Genehmigung von Budgets zuständig.

Wird sich am Finanzierungsschlüssel zwischen Stadt und Bund etwas ändern?

Der Finanzierungsschlüssel ist Gegenstand der Verhandlungen, aber aus meiner Sicht spricht viel dafür, den bisherigen Schlüssel beizubehalten. Also 60 zu 40, beziehungsweise bei Großprojekten 50 zu 50. Details müssen noch verhandelt werden.

Bisher sind Sie zwischen Wien und Klagenfurt gependelt, wo Ihre Familie lebt. Geht sich das mit Ihrem neuen Job überhaupt noch aus?

Ich hab’ ja vor, mit aller Konsequenz Wiener zu werden. Dass ich weiterhin gelegentlich am Wochenende nach Kärnten pendle, ist davon ausgenommen. Denn sollte eine Organisation ohne ihren Vorgesetzten nicht funktionieren, ist in ihr etwas falsch.

Zur Person Herwig Wetzlinger

Der gebürtige Kärntner (53) studierte Elektrotechnik. Vor seinem Wechsel nach Wien war er Kaufmännischer Direktor des LKH Klagenfurt und federführend am Neubau des Krankenhauses beteiligt. 2011 wurde er stv. Direktor des AKH Wien, jetzt stieg er an die Spitze des Spitals auf.
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