Ärger über immer mehr Dealer entlang der U6

Thaliastraße Drogen Dealer Polizei…
Foto: /Birgit Seiser Die Polizei ist bei der Station Thaliastraße täglich präsent

Im Bereich des Gürtels blüht der Drogenhandel. Die Polizei hofft auf Gesetzesänderung.

Sie warten auf dem Bahnsteig, stehen am Fuß der Rolltreppe, spazieren den Gürtel entlang. Und sie hoffen auf Kundschaft: Junge Männer, die entlang der U6 vor aller Augen dealen. Seit Monaten häufen sich Beschwerden über die Drogenszene in den Stationen der U6 und auch am Ottakringer Brunnenmarkt. Indes: Bezirkspolitiker wie Polizei haben derzeit nur eingeschränkte Möglichkeiten. Seit einer Liberalisierung des Strafgesetzes ist es schwieriger, gegen Dealer vorzugehen. Der KURIER traf eine Ottakringerin zu einem Lokalaugenschein.

Treffpunkt ist vor einer Bäckerei bei der Station Thaliastraße. "Ich bin nicht ängstlich. Aber derzeit ist die Situation hier unangenehm", erzählt Yvonne M. (Name von der Red. geändert). Ihren Namen und ihr Foto möchte sie lieber nicht in der Zeitung sehen – immerhin sei sie täglich mit der U6 unterwegs. Seit vergangenen Sommer beobachte sie, dass sich immer mehr Dealer im Bereich der U-Bahn-Station herumtreiben.

Polizeikontrolle

Tatsächlich sieht man sie an jeder Ecke: Junge Männer um die 20, zumeist dunkler Hautfarbe. Viele tragen eng anliegende, tiefsitzende Hosen sowie Jacken mit Kapuze. Manche gehen auf und ab, andere stehen in Grüppchen zusammen. Sie wirken nicht einmal sonderlich beunruhigt, als ein Polizeiauto hält und zwei Beamte aussteigen. Rasch verschwinden sie in Seitengassen – nur um kurz darauf wieder aufzutauchen.

"Ich bin meistens mit Kopfhörern unterwegs, da ich nicht angeredet werden möchte", schildert Yvonne M. Tatsächlich raunen die Dealer dem einen oder anderen Passanten im Vorbeigehen etwas zu – bedrohlich wirken sie vorerst nicht. Nach dem Versuch, die Umgebung der U-Bahn-Station zu fotografieren, nähern sich jedoch sofort drei der Männer und umkreisen einen. "Did you snap me?" (übersetzt: "Hast Du mich geknipst?"), fragen sie mehrmals. Ein Weggehen schnellen Schrittes über den mehrspurigen Gürtel hilft – sie bleiben stehen. Vermutlich wollen sie kein weiteres Aufsehen erregen.

Da der Exekutive das Problem bekannt ist, sei man verstärkt an Hotspots wie diesem präsent, erklärt Polizei-Pressesprecher Manfred Reinthaler: "Täglich sind Hundert Beamte vor Ort." Erst am Mittwoch führten Polizisten in Ottakring eine Schwerpunktaktion durch: Mehr als hundert sogenannter Baggys mit Cannabis wurden sichergestellt, 14 Personen angezeigt.

Das Problem: Laut einer Gesetzesänderung Anfang Jänner könne man ertappte Dealer erst bei der dritten Anhaltung in Untersuchungshaft nehmen. Daher brauche es eine entsprechende Adaptierung, betont auch Wiens Vize-Polizeipräsident Karl Mahrer: "Wir benötigen eine gesetzliche Regelung, die den Drogenhandel im öffentlichen Raum unter Strafe stellt."

"Rasche Lösung"

Auch im Justizministerium hat das Thema derzeit Priorität: "Das Problem ist uns bekannt. Es gibt laufend Gespräche auf Beamtenebene zwischen Innen- und Justizministerium", bestätigt Katharina Holzinger, Sprecherin des Justizministeriums. Man wünsche sich eine "möglichst rasche Lösung".

Darauf hofft auch Ottakrings Bezirksvorsteher Franz Prokop (SPÖ): "Ich nehme die Sorgen der Bürger ernst. Ich verstehe, dass sie Angst haben." Was auf Bezirksebene möglich sei, werde getan: Etwa die Büsche entlang der U6 zu stutzen. "Das war notwendig, damit die Dealer dort keine Drogen verstecken können. Und wir haben am Brunnenmarkt eine bessere Beleuchtung installiert." Nun sei der Gesetzgeber am Zug, betont Prokop.

(kurier) Erstellt am