Chronik | Wien
17.02.2012

Abrissbirne für ein Edelbordell

Ein Innenstadthaus samt Rotlicht-Lokal muss abgerissen werden. Schuld ist der Besitzer, sagen Mieter und Anrainer.

Bis zuletzt hat Madame Nina um ihre Bleibe gekämpft. Jetzt muss sie für ihr Innenstadt-Edelbordell „Ninas Bar“ ein neues Quartier suchen. Für das Gründerzeit-Haus am Bauernmarkt 21 liegt ein Abrissbescheid der Behörde vor. Rotlicht-Legende Nina Janousek ist mittlerweile die letzte Mieterin des Hauses, das seit Jahren verfällt. Hausbesitzer Martin Lenikus, ein Wiener Immobilientycoon, soll dabei kräftig nachgeholfen haben, um anstelle des Hauses einen gewinnbringenden Neubau zu errichten. So lautet zumindest der schwere Vorwurf von Janouseks Anwalt Nikolaus Schirnhofer.

„Er hat das Haus seinerzeit günstig erworben und offenbar damit spekuliert, dass es einsturzgefährdet ist. Doch die Sachverständigen haben das Haus für in Ordnung befunden.“ Also habe Lenikus damit begonnen, das Haus „scheibchenweise abzutragen“, um es auf diese Weise abbruchreif zu machen. Laut Anwalt wurden Probebohrungen durchgeführt, Fußböden rausgerissen und Decken durchbrochen. „Daraufhin hat er gesagt, das Haus sei nicht bewohnbar.“ Als nach und nach alle Mieter bis auf Madame Nina das Weite gesucht hatten, habe Lenikus – sagt der Anwalt – versucht, ihr die gesamten Betriebskosten umzuhängen, was rechtlich bekämpft wurde.

Wasser abgedreht

Auch Anrainer Otto Jekel schüttelt über die Vorgänge am Bauernmarkt den Kopf: „Man hat das Haus systematisch verfallen lassen.“ Gezielt seien zudem die Mieter hinausgeekelt worden. „Das Wasser wurde abgedreht, die Fenster wurden ausgehängt“, schildert Jekel. Er befürchtet, dass jetzt ein Neubau errichtet wird, mit dem das Ensemble zerstört wird.

Martin Lenikus sieht das freilich anders: „Das hat mit Spekulation nichts zu tun. Wie nun auch die Baubehörde einsehen musste, ist schon beim Bau gepfuscht worden. Das Stahlbetongebäude war in einer extremen Kälteperiode errichtet worden und wies daher gravierende Baumängel auf, die eine Sanierung sogar unmöglich gemacht haben.“

Die Behörde bestätigte Lenikus die „technische Abbruchreife“ des Hauses. Dem Abriss steht damit nichts mehr im Wege. Mit den Betreibern von „Ninas Bar“ werde er sich gütlich einigen, sagt Lenikus.

Zur Person: Das Imperium des Martin Lenikus

Geschäftszweige Martin Lenikus ist Eigentümer und Geschäftsführer der Unternehmensgruppe LENIKUS, die sich seit 1989 mit Immobilien, Stadtentwicklung, Designerhotels und zuletzt auch mit Weinbau beschäftigt. Der letzte Geschäftszweig entstand für den Zinshauserben, weil man Weingärten von einem Immobilienhai erwerben konnte. Mittlerweile macht Lenikus eigene Weine und betreibt zeitweise in Grinzing einen Heurigen. Die Zinshäuser, die der Kunstmäzen in fast ganz Wien erworben hat, haben schon öfter für Schlagzeilen gesorgt. Mit ein Grund: Lenikus versuchte Mieter zum Auszug zu bewegen; vorerst mit Ablösen und Ersatzwohnungen und – wie Betroffene immer wieder behaupteten – auch mit unlauteren Mitteln.