Rudolf Schipfer: „Die Ehe ist mittlerweile für eine Partnerschaft kein Muss mehr.“

© dpa/Frank Leonhardt

Statistik
08/26/2013

Aberglaube bremst Hochzeitslaune

Im 1. Halbjahr 2013 wurden weniger Ehen geschlossen als im Vorjahr. Möglicher Grund: Die Zahl 13

Die Österreicher zeigten sich im ersten Halbjahr 2013 wenig heiratsfreudig. Laut Statistik Austria wurden von Jänner bis Juni 16.104 Ehen eingegangen. Das sind um 6,4 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum 2012.

Ein möglicher Grund dafür: „Es liegt am Datum“, ist Hochzeitsplanerin Nicola Etzelstorfer von der Agentur "Sag doch ja" überzeugt. Die Zahl 13 ist in unserer Gesellschaft negativ behaftet. „Viele Paare beschließen, lieber noch ein Jahr zu warten.“ Auch Hochzeitsplanerin Gabi Socher aus Gmunden (OÖ) glaubt an diese Theorie: „Zahlen sind beim Heiraten einfach ein wichtiger Faktor.“ Das sieht Ulrike Zartler vom Institut für Soziologie an der Universität Wien ebenso: „Hochzeiten sollen der Beziehung einen besonderen Status geben. Dabei will man nichts riskieren.“

Der Standesbeamte von Dürnstein in der Wachau (NÖ), Emmerich Gattinger, bestätigt das schlechte erste Halbjahr: „Die Zahl der Trauungen geht auch bei uns tendenziell zurück.“ Gattinger, einer der meistbeschäftigten Standesbeamten der ganzen Region, schätzt den Rückgang auf rund fünf Prozent.

Auch Herbert Belohuby, Leiter des Standesamtes Villach, sagt: „Wir hatten im ersten Halbjahr einen Rückgang von neun Trauungen.“ Das seien in etwa sieben Prozent.

„Doch auch langfristig gesehen nehmen Hochzeiten tendenziell ab“, sagt Universitätsprofessorin Ulrike Zartler. Denn: Die gesellschaftliche Norm hat sich in den letzten Jahrzehnten geändert. „Während es vor einigen Jahren noch schwierig war, als unverheiratetes Paar ein gemeinsames Hotelzimmer zu bekommen, ist das heute gar kein Thema mehr.“

„Die Ehe ist mittlerweile für eine Partnerschaft kein Muss mehr“, ergänzt Rudolf Schipfer vom österreichischen Institut für Familienforschung an der Universität Wien. Man kann mittlerweile selbst mit Kind in einer nicht-ehelichen Partnerschaft leben, ohne dafür verachtet zu werden. Wenn zwei Personen heiraten, dann sei das nun eine bewusste Entscheidung, sagt Schipfer.

Trend Exklusivität

Das ist mit ein Grund, weshalb Hochzeiten immer mehr zu großen, inszenierten Festen werden. Das bestätigt Andreas Kavalirek, Eventmanager auf Schloss Hallegg (Ktn.): „Wir stellen einen Trend zu exklusiveren Hochzeiten fest. Die Menschen möchten in Ruhe und in einem schönen Ambiente heiraten und nicht, wie am Standesamt, mit einer schnellen Terminabfolge.“

Trauung außer Haus

Auch Herbert Belhouby aus Villach spürt den Trend zu Außentrauungen. Beispielsweise im Parkhotel, an Bord eines Schiffes auf dem Ossiacher See oder auf der Burgruine Landskron. Der Anteil der Außentrauungen beträge mittlerweile fast ein Drittel.

Ähnlich ist die Situation im Bezirk Mödling. Hans Wimmer, stellvertretender Leiter des dortigen Standesamts, spricht von einem Boom der Außentrauungen. „Von den 801 Hochzeiten fanden sicher über 50 Prozent außer Haus statt.“

Viele Paare würden von weit her kommen, um in Mödling zu heiraten – sogar aus Deutschland. „Heuer werden bei uns sicher noch über 100 Hochzeiten stattfinden, für 2014 gebe es bereits 40 Anmeldungen“, sagt Wimmer.

Pompös inszenierte Hochzeitsfeste sind begehrt, bestätigt auch die Mostviertler „Leutbitterin“ und Wirtin Melitta Ott (NÖ): „Erst am Wochenende habe ich in Seitenstetten einen Brautball organisiert.“ 150 Paare haben ihren Hochzeitstag in festlicher Robe wieder gefeiert und im Stift Seitenstetten auch den Segen von oben neu aufgefrischt.

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