Chronik | Wien
05.12.2011

A23-Sanierung: Besuch im Backofen

Bei Temperaturen jenseits der 40 Grad sanieren Bauarbeiter die Fahrbahn der Hanssonkurve: "Ohne Sonnencreme schaust liab aus".

Die Nachmittagssonne steht hoch über der Hanssonkurve. Es ist der bisher heißeste Tag des Jahres und die Sonnenstrahlen haben die A23 in einen Backofen verwandelt. Das Baustellen-Thermometer zeigt 42,2 Grad - in der Sonne. "Was interessieren mich die Grade im Schatten, wenn ich auf der Baustelle in der Hitze arbeiten muss", sagt Siegfried Graf. Der Kärntner ist Polier auf der wohl meistbefahrenen Baustelle Österreichs und bereitet mit seinen Arbeitern den Untergrund für die neue Betonfahrbahn vor. 12.000 Quadratmeter Fahrbahndecke werden in dieser Phase bis Ende August ausgetauscht. Derzeit wird gerade das Bett aus losem Kies geebnet, später werden zwei Asphaltdecken aufgetragen, auf die schlussendlich die 30 Zentimeter dicke Betondecke aufgesetzt wird. 30 Jahre soll sie halten.

Voll im Plan

Trotz der Hitze sei man voll im Zeitplan, erklärt Graf, während im Hintergrund eine Baumaschine vorbeirattert. Früher wurde viel mühsam per Hand gemacht, heute haben die Maschinen einen Großteil der Arbeiter ersetzt, selbst große Baustellen wirken oft verwaist. Graf kommt mit knapp 25 Mitarbeitern aus, diese müssen allerdings ordentlich anpacken können. Praktisch alle Arbeiter kommen aus Kärnten, man kennt einander. "Wir sind eine eingeschweißte Partie", sagt Graf und bezieht sich dabei nicht auf die hohen Temperaturen.

Wie bereitet man sich auf einen Tag auf der Baustelle vor? Ein ordentliches, gesundes Frühstück sei das Wichtigste, erklärt Graf, denn untertags könne man nicht viel essen, höchstens etwas Obst. Dazu immer viel trinken, und den Sonnenschutz sollte man nicht vergessen. "Ohne Sonnencreme schaust liab aus", sagt Graf und grinst. Schon vor sieben Uhr geht es für ihn und seine Arbeiter auf die Baustelle, damit man dem Stau und der Hitze zumindest ein bisschen entgeht. "Bei den Temperaturen darf man die Leute nicht noch antreiben. Da muss jeder wissen, welches Tempo er geht und wann er eine Pause braucht."

Lauwarmes Wasser

Auf der Brücke der Per- Albin-Hansson-Straße, die über die A23 in die bekannte Wohnsiedlung führt, arbeitet Peter Seebacher. Sein Rezept gegen die Hitze: viel lauwarmes Mineralwasser. "Bei kaltem fängst du nur an zu schwitzen", sagt Seebacher, der sich wieder nach den Nachtschichten sehnt. Erstens wegen der Temperaturen, aber auch wegen des Verkehrslärms. "Der ist auf Dauer schon zach."

Natürlich sei der Lärm eine extreme Belastung, gerade auf dieser Baustelle, sagt Graf, alle Arbeiter tragen einen Gehörschutz. Trotz der äußeren Umstände müsse man die Arbeiten im Zeitrahmen abschließen, wenn es drauf ankommt, wird bis in den Abend weitergearbeitet. "Heute wohl nicht", sagt Graf, in zwei, drei Stunden sei Schluss. Auf was er sich nach dem Arbeitsschluss am meisten freut?
"Auf eine Dusche und das Bierle am Feierabend."

Die zwei größten Baustellen Wiens
Zähflüssiger Verkehr ab dem Knoten Inzersdorf. Die morgendliche Verkehrsmeldung im Radio ist mittlerweile Pendleralltag. Noch bis Ende August werden im Bereich Verteilerkreis Favoriten nur zwei Fahrspuren zur Verfügung stehen. "Wir liegen aber sehr gut im Zeitplan, in der letzten Juliwoche beginnen wir mit der zweiten Hälfte der Sanierung", erklärt Projektleiterin Brigitte Müllneritsch. Doch leider ist es dann noch nicht ausgestanden. 2012 wird die Fahrbahn stadtauswärts saniert.

Auch in Wien selbst sorgen zahlreiche Sommerbaustellen für Verzögerung. Die Lage könnte sich ab Montag vor allem am Gürtel verschärfen. Neben dem Nadelöhr am Südtiroler Platz, wo bei der Unterführung nur je eine Fahrspur frei ist, starten nun Arbeiten am Mariahilfer Gürtel. Von der Gumpendorfer Straße bis zur Mariahilfer Straße stehen dann auf der Innenseite des Gürtels nur noch zwei Spuren zur Verfügung, in der Nacht nur noch eine. Auch am Neubaugürtel, sowie Lerchenfelder und Hernalser Gürtel wird saniert. "Hier wird es zu umfangreichen Verzögerungen vor allem im Frühverkehr kommen", befürchtet Verkehrsexperte Harald Lasser vom ÖAMTC.

Viel Verwirrung gibt es auch am Höchstädtplatz in Brigittenau, wo die viel befahrenen Straßen Marchfeldstraße, Dresdner Straße und Stromstraße zusammenlaufen. Hier werden die Gleise der Bimlinien 2, 31 und 33 erneuert. "Die Sperren ändern sich fast
täglich, da neue Abschnitte fertiggestellt und andere angefangen werden", erklärt Lasser.