Chronik | Wien
05.10.2017

500 neue E-Tankstellen in Wien bis 2020

Zumindest 230 Ladepunkte sollen bis Sommer 2018 in der Bundeshauptstadt verfügbar sein.

Fehlende Stromtankstellen sind ein Grund dafür, warum Auto-Kaufwillige noch zögern, ein Elektrofahrzeug anzuschaffen. Bis Ende 2020 werden in Wien daher 1000 neue E-Ladestellen errichtet. Die erste Ladesäule ist bereits in Betrieb: Sie steht in der Porzellangasse im Alsergrund. Bis Mitte 2018 soll in einem ersten Schritt jeder Gemeindebezirk mit fünf solchen Stationen ausgestattet werden – das entspricht 230 Ladepunkten.

Den Zuschlag für den Ausbau erhielt Wien Energie im Zuge einer Ausschreibung der MA33. Kostenpunkt: 15 Millionen Euro. "Wir wollen ein Netz aus Ladestellen an sinnvollen Orten, damit möglichst viele Wiener ein Elektroauto kaufen", sagt Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne). Kriterien, wie der Anschluss an die Öffis, Einkaufsmöglichkeiten, Frequenz und vor allem Anschlussmöglichkeiten an das Stromnetz werden bei der Auswahl der Standorte berücksichtigt.

Die Sicht des Bezirks werde aber zu wenig einbezogen, kritisiert Markus Figl, ÖVP-Bezirksvorsteher in der Inneren Stadt. "Der Ausbau von E-Mobilität ist in der heutigen Zeit ein längt überfälliger Schritt. Ich forder die zuständigen Stadträtinnen Maria Vassilakou und Uli Sima auf, den Bezirk bei der Festlegung der Orte für die neuen E-Tankstellen einzubinden", sagt er. In der vergangenen Bezirksvertretungssitzung sei eine Antrag beschlossen worden, der eine Einbeziehung der Verkehrskommission bei der Platzierung der E-Ladeplätze fordert.

Rasche Akku-Füllung

Die neuen Ladestellen ermöglichen beschleunigtes Laden mit Drehstrom, die Leistung beträgt elf Kilowatt pro Station. Im Standard-Tarif kostet die Nutzung des Stellplatzes zwei Euro pro Stunde, für den abgezapften Strom werden 23,8 Cent pro Kilowattstunde verrechnet. Wien-Energie-Kunden erhalten einen Rabatt. Spätestens nach drei Stundenmuss die Ladestation vom Nutzer wieder frei gegeben werden. "Im Schnitt ist ein Auto in eineinhalb Stunden aufgeladen", sagt Michael Strebl, Vorsitzender der Wien-Energie-Geschäftsführung.

Wien Energie hat in der Bundeshauptstadt und der näheren Umgebung bereits mehr als 500 Ladestellen errichtet. "Viele der bestehenden Stationen befinden sich in Tiefgaragen", sagt Ulli Sima, SPÖ-Stadträtin für Umwelt und Wiener Stadtwerke. Das neue Angebot an der Oberfläche sei bequemer erreichbar.

Bürger können sich an der Finanzierung des Ausbaus beteiligen. Wer 250 Euro investiert, erhält über fünf Jahre jährlich einen Gutschein im Wert von 55 Euro. Eingelöst werden kann dieser je nach gewählten Modell bei Wien Energie, den Wiener Linien oder bei der Supermarktkette Spar.

Kritik von den Neos

Zweifel am Zeitplan für den Ausbau meldeten prompt die Neos an. Die neuen E-Tankstellen seien bereits Anfang 2016 versprochen worden. "Jetzt, eineinhalb Jahre später, fängt man gerade einmal an", sagt Verkehrssprecherin Bettina Emmerling. "Es ist also mehr als fraglich, ob der Plan, bis 2020 1000 neue E-Tankstellen zu errichten, halten kann. Die Erweiterung des Tankstellen-Netzes an sich begrüße sie aber.

Schwachstrom

Endlich bekommt Wien ein Netz von Stromtankstellen für die boomenden Elektroautos. Das Projekt ist ehrgeizig: 500 E-Tankstellen mit je zwei Ladepunkten bis 2020, fast die Hälfte davon soll bereits kommenden Sommer zur Verfügung stehen. Dafür werden stattliche 15 Millionen Euro investiert.

Das ist ein lange erwarteter Schritt in die richtige Richtung. Trotzdem wird in unserer Stadt deshalb nicht die grenzenlose Elektro-Mobilität ausbrechen. 500 Stromtankstellen sind zwar beachtlich und deutlich mehr als die Gesamtzahl der "normalen" Tankstellen für Benzin und Diesel – allerdings gibt es zwei wesentliche Unterschiede: Erstens haben durchschnittliche Tankstellen weitaus mehr Zapfsäulen, können also mehrere Autos gleichzeitig befüllen. Und zweitens dauert das Volltanken eines Pkw mit Verbrennungsmotor wenige Minuten, während ein Elektroauto mehrere Stunden an der Ladesäule hängt und diese damit für andere Nutzer blockiert.

Um auf eine Infrastruktur zu kommen, die mit jener für Benzin und Diesel auch nur annähernd vergleichbar ist – und nur wenn es eine solche gibt, werden die Lenker auch massenhaft umsteigen – braucht es nicht 500, sondern wohl einige Tausend E-Tankstellen.

Martin Bernert