Chronik | Wien
25.01.2018

3000 Beamte: Polizei rüstet für den Demotag

Sieben Demos gegen den Wiener Akademikerball angekündigt. Bereits am Donnerstag protestierte eine kleine Gruppe vor dem Bundeskanzleramt.

Bezüglich Gewaltbereitschaft der Demonstranten korrigierte die Polizei ihre Prognose für den Akademikerball mittlerweile nach unten. Zwar seien vom Verfassungsschutz Aufrufe entdeckt worden, wonach Radikale nach Wien zur Demo gegen den Akademikerball zu Randalen eingeladen wurden – allerdings dürfte die Mobilisierung nicht ganz gefruchtet haben. Linksextreme attackierten deshalb nach Polizei und Wirtschaft nun auch mehrere Medien. Sie alle seien Schuld an möglichen Eskalationen, wurde bereits im Vorfeld attestiert. Offenbar ein Versuch, so mehr Leute auf die Straße zu bringen.

Staatsbesuch

Für die Polizei wird der Freitag auf jeden Fall zum Großkampftag. Neben einem Staatsbesuch aus Kolumbien sind sieben Demonstrationen zum Ball zu bewältigen, am Samstag ist außerdem eine brisante Kurdendemo angesagt.

"Wir sind am Anschlag unserer Kapazitäten", berichtet ein Polizei-Offizier. Gleichzeitig gibt es ein neues Platzverbot in Rekordgröße, erstmals ist sogar der komplette Heldenplatz gesperrt, auch der Maria-Theresien-Platz zwischen den beiden großen Museen ist teilweise abgeriegelt.

Drei Protestzüge

Insgesamt sind sieben Demos angemeldet, vier davon sind an einem fixen Standort (eine etwa am Maria-Theresien-Platz). Drei sind mobil und schließen de facto aneinander an: Die erste zieht von 15 bis 16.30 Uhr vom Wallensteinplatz beim Augarten vorbei und dann Richtung Ring. Der Zug soll auf den zweiten Protest stoßen, der sich um 16.30 Uhr bei der Universität sammelt. Gemeinsam soll es dann via Ring und Zweier-Linie zum Karlsplatz gehen. Dort ist im Girardipark eine Schlusskundgebung geplant. Der Standort ist insofern brisant, weil es dort bereits bei früheren Opernball-Demos und Protesten gegen den WKR zu Krawallen kam. Da es hier zahlreiche sternenförmige Fluchtrouten für Radikale gibt.

Der dritte Zug soll ab 19.00 Uhr vom Karlsplatz über den Getreidemarkt und die Museumsstraße hinter das Burgtheater führen.

Die Experten des Automobilclubs ÖAMTC raten allen Autofahrern, den Innenstadtbereich bereits ab dem Nachmittag sehr großräumig – etwa über den Gürtel – zu umfahren. Auch auf den Einfahrtstraßen in die Stadt wie Rennweg, Prinz-Eugen-Straße, Favoritenstraße, Rechte Wienzeile oder Burggasse sind erhebliche Verzögerungen einzuplanen.

Kleine Protestgruppe

Eine kleine Gruppe hat schon am Donnerstag zum Akademikerball gegen die Veranstaltung in der Hofburg demonstriert. Das Bündnis "Jetzt Zeichen setzen" skandierte vor dem Bundeskanzleramt "Shame" (Schande). Man wolle damit auf die Mitverantwortung von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) für die Aufwertung des "von rechtsextremen Vereinigungen getragenen" Balls aufmerksam machen, hieß es.

Rund 50 Personen hatten sich Donnerstagmittag am Ballhausplatz eingefunden, darunter die Vorsitzende der Sozialistischen Jugend, Julia Herr, und Alexander Pollak von SOS Mitmensch.