Chronik | Wien
08.02.2017

200 Künstler rufen zum Stopp des Hochhaus-Projekts auf

Nach einer Adaptierung soll der Turm nur mehr 66 statt 73 Meter hoch werden. Darin sollen 50 Wohnungen und 40 Appartements entst… © Bild: APA/WERTINVEST

Plan für Neugestaltung liegt derzeit zur Begutachtung auf. Projektwerber richtet Info-Point ein.

Die Gegner des geplanten Heumarkt-Hochhauses bekommen prominente Unterstützung. Rund 200 Künstler – darunter Lukas Resetarits, Paulus Manker, Erika Pluhar oder Franzobel – sprechen sich in einem aktuellen Aufruf gegen den Bau des 66 Meter hohen Hochhauses auf dem Heumarkt-Areal aus. Sie fordern den sofortigen Stopp des Umwidmungsverfahrens sowie die Bearbeitung des Entwurfs – und zwar so, dass die Auflagen der UNESCO eingehalten werden.

Ins Leben gerufen wurde diese Initiative von Gerhard Ruiss, Autor und Geschäftsführer der IG AutorInnen, nachdem er in einer Kolumne vom aktuellen Stand des Projekts erfuhr. "Das kulturelle Wien wird hier überfahren", sagt Ruiss.

Patrick Dax spricht mit Renata Hrnjak (Samsung), Axel Anderl(Partner bei Dorda Brugger Jordis) und Gerhard Ruiss (IG Autoren) üb… © Bild: KURIER/Jeff Mangione
"Da hat sich die Stadt erst um den Weltkulturerbe-Status bemüht und nun wird dieses Prädikat missachtet. Wenn das Projekt durchgeht, wird die Innenstadt eines Tages von Hochhäusern umzingelt sein. Wir müssen also jetzt handeln."

Wie berichtet, soll der Turm nach einer Adaptierung nun 66 statt 73 Meter hoch werden. Die UNESCO erlaubt aber nur 43. Der Flächenwidmungsplan für diese Neugestaltung ist am 2. Februar jedoch in Begutachtung gegangen. Sechs Wochen lang besteht nun die Möglichkeit, Einwände einzubringen. Ruiss will diesen Zeitraum nützen, um möglichst viele Unterstützer zu gewinnen. Am Ende der Frist soll dann ein – "hoffentlich dickes" – Paket mit Stellungnahmen der Stadt Wien überreicht werden. Danach wird das Projekt im Planungsausschuss behandelt werden.

Bericht an UNESCO

Die UNESCO hat indes die Stellungnahme der Republik Österreich zur Neugestaltung des Heumarkt-Areals erhalten. Sie dient dem Denkmalrat als Basis für die Entscheidung, ob die adaptierten Pläne mit dem Welterbe-Status vereinbar sind. Ob das historische Zentrum von Wien tatsächlich auf die rote Liste gesetzt wird, wird dann im Juli bei der Tagung des Welterbekomitees in Krakau beschlossen.

Befürworter des Projekts stellen indes die Frage, ob Wien den Welkulturerbe-Status überhaupt nötig hat. Kritisiert wird auch, dass sich die UNESCO auf den so genannten Canaletto-Blick beruft. Ein Wien-Bild des venezianischen Malers Bernardo Bellotto, genannt Canaletto, stammt nämlich aus dem 18. Jahrhundert. Es zeigt eine Sichtachse vom Belvedere auf die heutige Innenstadt; diese würde durch den Bau beeinträchtigt.

Norbert Kettner, 2014, Wien Tourismus, Copyright www.peterrigaud.com © Bild: /WienTourismus / Peter Rigaud
Auch Wien-Tourismus-Chef Norbert Kettner gibt zu bedenken, dass man "ohne einer qualitätsvollen Weiterentwicklung der Stadt seinem eigenen Erbe nur noch musealen Wert zuweist und damit dessen wichtige Bedeutung in einer sich entwickelnden und stark wachsenden Stadt untergrabe."

Projektwerber Wertinvest bietet ab kommender Woche die Möglichkeit, sich selbst ein Bild über die Neugestaltung zu machen. Von 14. bis 28. Februar gibt es im Chopin-Raum des Intercontinental täglich von 8 bis 20 Uhr einen ein Info-Point. Jeden Dienstag und Donnerstag von 17 bis 19 Uhr stehen Projektverantwortliche zum Gespräch zur Verfügung.