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Chronik Wien
12/23/2014

20 Monate Haft für Einmietbetrüger

43-Jähriger gab sich in Nobelhotels als "tschechische Berühmtheit" aus.

Zu 20 Monaten unbedingter Haft ist am Dienstag im Wiener Straflandesgericht ein Betrüger verurteilt worden, der sich jeweils für ein paar Nächte in Nobelhotels in der Bundeshauptstadt und in Salzburg eingemietet hatte und stets die Rechnung schuldig geblieben war. Entweder verließ er die Hotels heimlich, still und leise oder er bezahle mit einer nicht gedeckten Kreditkarte.

Vor Richter Stefan Renner gab sich der Angeklagte - ein gebürtiger Tscheche - weltmännisch. "Ich besitze Anteile an mehreren Gesellschaften. Ich hab' auch Immobilien im Ausland durch diese Gesellschaften", antwortete er auf die Frage nach seinem Vermögen. Zudem sei er Vizepräsident einer Investitionsfirma in den Vereinigten Staaten und erhalte von dieser "immer noch gewisse Belohnungen".

In Wahrheit weist der Mann in seiner Heimat zahlreiche einschlägige Vorstrafen aus. So reiste er vor nicht allzu langer Zeit mit mehreren Fluggesellschaften um die Welt, ohne für die Tickets zu bezahlen. Ende Juli wurde er nach Verbüßung einer fast dreijährigen Freiheitsstrafe aus dem Gefängnis entlassen. Am 24. September kam er nach Österreich. Zuerst stieg er in Luxushotels an der Wiener Ringstraße ab, in weiterer Folge reiste er westwärts und bettete nächtens sein Haupt in nicht minder noblen Hotels in Salzburg und Bad Hofgastein zur Ruhe.

Hochstapelei

Sein Hang zur Hochstapelei zeichnete sich dabei schon beim Einchecken ab. So gab er sich an zumindest einer Rezeption als "tschechische Berühmtheit" aus. Auf die Frage, wen konkret er denn im Sinn gehabt habe, hüllte sich der 43-Jährige in Schweigen. Da erinnerte sich die Dolmetscherin an einen tschechischen Schlagersänger aus den 60er-Jahren, der denselben Familiennamen trug wie der Angeklagte. Der habe sogar die "Goldene Nachtigall" erhalten, wusste die Übersetzerin.

"Es tut mir leid, dass ich solche Sachen mache", entschuldigte sich der Betrüger schließlich und zeigte sich zu den wieder ihn erhobenen Vorwürfen doch noch geständig. Er sei "ein Trottel, man kann es nicht anders sagen". Er habe sich "in einer seltsamen psychischen Situation befunden", bemerkte der Mann.

Nachdem mehrere Hotels Anzeige erstattet hatten - in einem Fall landete der Tscheche sogar auf einem weltweiten Warning Board der betreffenden Kette -, klickten am 4. November die Handschellen. Seither lebt er in einer kleinen Zelle in der Justizanstalt Josefstadt. Mit der über ihn verhängten Strafe war er nach Rücksprache mit Verteidigerin Irene Pfeifer einverstanden. Das Urteil ist rechtskräftig.

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