Chronik | Wien
18.02.2018

1,1 Bäume für Rom hin und retour

Eine App kompensiert den CO2-Ausstoß mit dem Pflanzen neuer Bäume.

Die Idee zu ihrer App kam Markus Ginders und David Bernhard in tausenden Metern Höhe. Nachdem die beiden 2016 auf dem Fahrrad von Wien nach Istanbul gefahren sind, mussten sie dort aus zeitlichen Gründen für die Heimreise aufs Flugzeug umsteigen. "Das hat uns geärgert – vor allem, weil es nichts gab, womit wir unseren CO2-Ausstoß kompensieren konnten. Da haben wir uns gedacht, wir bleiben dran", erzählt Ginders heute.

Ein Jahr lang haben der 32-jährige BOKU-Student der Studienrichtung Umwelt- und Bioressourcenmanagement, der schon Erfahrung im kaufmännischen Bereich hat, und der 33-jährige selbstständige Webdeveloper an ihrer Idee gearbeitet. Sie forschten an einer App, die den CO2-Ausstoß von Autofahrten und Flugstrecken kompensieren kann. Das Ergebnis: CO2mpensio.

4,28 € für 0,3 Bäume

Die Anwendung errechnet anhand der gefahrenen Kilometer oder getätigten Flugstunden die CO2-Emissionen, die man verursacht hat. Außerdem wird ein Spendenbetrag vorgeschlagen, mit dem die Aufforstung eines Mischwaldes in Äthiopien finanziert, und so der eigene CO2-Ausstoß kompensiert wird. Bei einer Autofahrt etwa von Wien nach Sankt Anton am Arlberg und zurück entstehen 171 Kilogramm CO2-Emissionen, die mit einem Betrag von 4,28 Euro kompensierbar sind. Damit werden 0,3 Bäume gepflanzt, die das Kohlendioxid aus der Luft filtern, und dafür Sauerstoff produzieren. Wer seinen Urlaub in Rom verbringt und insgesamt fast drei Stunden mit dem Flugzeug in der Luft ist, verursacht einen CO2-Ausstoß von 564 Kilogramm und kann diesen mit knapp 14 Euro aufwiegen – das entspricht etwa 1,1 Bäumen.

Baum für 30 Jahre

Wie man auf diese Beträge kommt? "Wir orientieren uns dabei an einem Algorithmus von der BOKU. Bei dem CO2-Ausstoß etwa berücksichtigen wir die durchschnittliche Flughöhe, das durchschnittliche Gewicht der Maschine und den Start des Flugzeugs – der verursacht nämlich das meiste Kohlendioxid", erklärt Ginders. Die vorgeschlagene Spendensumme setzt sich aus dem Durchschnittspreis zusammen, der für die Betreuung eines Baumes in Äthiopien für die nächsten 30 Jahre notwendig ist.

"In unserer Generation pflegen viele einen nachhaltigen Lebensstil. Beim Verreisen aber hört das auf und die Leute wissen gar nicht, für welchen CO2-Ausstoß sie eigentlich verantwortlich sind. Das wollen wir aufzeigen – und wie einfach es ist, den zu kompensieren", erklärt Ginders. David Bernhard und er verreisen am liebsten mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln wie Bus und Bahn. "Wenn wir mal doch fliegen, kompensieren wir natürlich", lächelt Ginders.

App für Unternehmen

Die Zahl der Downloads befindet sich derzeit im vierstelligen Bereich. Zudem steht eine erweiterte Version der App für Unternehmen in den Startlöchern, die mehr über ihren CO2-Ausstoß wissen wollen.

Auch Beratungen im Nachhaltigkeitsbereich und verschiedenste Kompensationsprojekte werden angeboten. "Wir glauben, dass, wenn jeder einen kleinen Schritt macht, das eine große Wirkung hat. Deswegen machen wir weiter", sagt Ginders.

Projekt „Äthiopien

Erster Partner von CO2mpensio ist das Zentrum für Globalen Wandel der Universität für Bodenkultur in Wien (BOKU), das seit 2013 das Kompensationsprojekt „Äthiopien“ betreibt. Ziel des Projektes ist es, in etwa 25 Jahren 49,5 Hektar Brachfläche in einen stabilen Niederwald zu verwandeln. Damit sollen mindestens 11.194 Tonnen eingespeichert werden. Die Projektkosten belaufen sich auf voraussichtlich 218.283 Euro.
Das über CO2mpensio gespendete Geld geht zu 100 Prozent an das aktuelle Klimaschutzprojekt. Markus Ginders und David Bernhard arbeiten ehrenamtlich und verdienen nichts. Über Weihnachten und Neujahr wurden 800 € eingenommen und gespendet – ein neuer Rekord. Mit diesem Betrag konnten rund 64 Bäume gepflanzt und so 31,95 Tonnen aus der Luft gefiltert werden.

www.compensio.org