Wissenschaft­ler entdecken Radiosignal von einem fremden Stern

SETI INSTITUTE
Foto: SETI INSTITUTE/Seth Shostak Suche nach Außerirdischen: Ein Teleskop des Seti-Instituts.

94 Lichtjahre von der Erde entfernt.Es besteht die Möglichkeit, dass eine außerirdische Zivilisation zur Erde gefunkt hat, sagt der Chef des Seti-Instituts.

Das geheimnisvolle Signal wurde schon im Mai 2015 von dem Ratan-600-Radioteleskop in der russischen Kaukasusregion entdeckt, aber nicht weitergemeldet. Jetzt versuchen amerikanische Astronomen das Signal zu bestätigen. Dazu haben sie das "Allen Telescope Array" – ein nördlich von San Francisco gelegenes Radiointerferometer – in Stellung gebracht.

Aber leider ist die Entdeckung einer "außerirdischen Zivilisation nicht furchtbar vielversprechend", sagt US-Astronom Seth Sjhostak, der Chef-Forscher beim Seti-Institut in Kalifornien, das sich der Suche nach intelligentem außerirdischem Leben widmet. Seti ist ein privates Institut, das aber auch von der NASA und Unternehmen wie Hewlett-Packard gesponsert wird. Im Vorjahr spendete der russische Unternehmer Juri Milner 100 Millionen Dollar.

Das Sternsystem, aus dessen Richtung das Signal kommen soll, trägt den Namen HD 164595 und liegt im Sternbild Herkules. Es ist rund 94 Lichtjahre von der Erde entfernt und weist in einer Hinsicht eine große Ähnlichkeit zu unserem Sonnensystem auf: Sein Stern ist fast so groß wie die Sonne. Allerdings ist er mit 6,3 Milliarden Jahren deutlich älter. Bisher ist bekannt, dass das System über mindestens einen Planeten verfügt, der etwa die Größe von Neptun hat und in einem sehr engen Radius um den Stern kreist – was Leben dort unwahrscheinlich macht. Allerdings könnte es ja weitere Planeten geben.

Die Beschaffenheit des Signals hält die Seti-Forscher nicht davon ab, bereits zu spekulieren, welchen technischen Entwicklungsstand eine mögliche außerirdische Zivilisation haben müsste, um ein derartiges Signal auszusenden.

Typ-II-Zivilisation

Shostak nennt zwei Möglichkeiten: Sollten die Aliens sich entschieden haben, das Signal in alle Richtungen auszusenden, würde dieser gigantische Sender hundert Mal so viel Energie benötigen, wie in Form von Sonnenlicht auf die Erde fällt. Es würde sich also um eine Zivilisation handeln, die uns technisch weit voraus wäre. Nach der Kardaschow-Skala, welche die Entwicklungsstufen extraterrestrischer Zivilisationen kategorisiert, wäre es eine Zivilisation des Typs II. Die Menschheit ist derzeit Typ 0, befindet sich aber auf dem Weg zum Typ I.

Sollten die "Außerirdischen" gezielt in unsere Richtung gefunkt haben, wäre weit weniger Energie vonnöten. Aber immer noch so viel, wie die gesamte Menschheit derzeit verbraucht. In diesem Fall könnte es sich um eine Kardaschow-Zivilisation des Typs I handeln, die immerhin die gesamte auf ihrem Planeten verfügbare Leistung ausnutzen kann.

Der Chef-Forscher des Seti-Instituts Shostak glaubt nicht, dass die Menschheit bereits vom Stern HD 164595 entdeckt worden wäre. Unser System liege so weit entfernt, dass noch keine Fernseh- oder Radarsignale von der Erde dort angekommen sein dürften. Denn diese benötigen 94 Jahre von uns dorthin. Das erste Fernsehsignal wurde aber erst vor etwa 89 Jahren gesendet. Über die Beschaffenheit des Signals ist bisher wenig bekannt. Und ohne Bestätigung, und auch mit, bleiben alle Fragen offen.

(kurier) Erstellt am
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