Pope Benedict XVI waves as he leads the Sunday Angelus prayer in Saint Peter's Square at the Vatican February 17, 2013. Thousands of people gather in St. Peter's Square to attend the Sunday Angelus prayer. REUTERS/Max Rossi ( VATICAN - Tags: RELIGION)

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Papst-Nachfolge
02/17/2013

Was wir vom neuen Papst erwarten

Prominente Katholiken sagen, was der neue Kirchenführer können muss. Indes haben sich zum vorletzten Angelus-Gebet mit Benedikt XVI. Tausende Menschen auf dem Petersplatz versammelt.

von Caecilia Smekal, Hannes Uhl

Zu Mittag sprach Papst Benedikt XVI. sein vorletztes Angelus-Gebet auf dem Petersplatz in Rom. Tausende Menschen waren gekommen, um den Worten des scheidenden Papstes zu lauschen. Die Behörden haben Vorkehrungen getroffen, um den Ansturm von Gläubigen, Touristen, Berichterstattern und Schaulustigen zu bewältigen.

Der Papst hat am Sonntag den tausenden Pilgern gedankt. "Eure Anwesenheit ist für mich ein Zeichen der Nähe und der Verbundenheit, für die ich sehr dankbar bin", sagte der Heilige Vater lächelnd. Er appellierte an die Gläubigen, in der Fastenzeit im Gebet verbunden zu bleiben. Ausdrückliche Anspielungen auf seinen geplanten Rücktritt am 28. Februar machte der Papst nicht. Der Heilige Vater, der in guter Fassung schien, grüßte die Pilger in mehreren Sprachen. Die Gläubigen schwenkten weißgelbe Fahnen, die Farben des Vatikans. Auf einigen Plakaten war zu lesen: "Wir lieben Dich!".

Der neue Papst

Am 28. Februar wird Papst Benedikt XVI. dann zurücktreten. Was soll seinen Nachfolger auszeichnen?

„Alles hängt von der nächsten Papstwahl ab“, sagt der Ratzinger-Biograf Andreas Englisch („Benedikt XVI. – Der deutsche Papst, Bertelsmann 2011): „Setzen sich die Italiener durch, wäre das ein Rückschritt für eine globalisierte Kirche. Die Italiener haben immer gemacht, was sie wollen.“ Setzt sich hingegen der internationale Block durch, käme das „einer De-Facto-Entmachtung Roms gleich.“ Die Einschätzung des Vatikan-Experten zeigt die zukunftsweisende Bedeutung des nächsten Konklave, das, wie am Samstag bekannt wurde, möglicherweise schon vor dem zunächst avisierten 15. März startet. Der KURIER hat zwölf prominente Katholiken befragt, was sie sich vom nächsten Papst erwarten.

Helmut Schüller

„Der neue Papst muss jemand sein, der die eigentlichen Themen anpackt und sich die Auseinandersetzung mit der modernen Zeit nicht erspart. Dazu muss er sich mit dem System Vatikan anlegen und die Strukturen dort aufbrechen. Das kann nur jemand, der von innen kommt, ein Vatikan-Insider. Alle, die von außen kommen, werden sich schwer tun, das gilt auch für Kardinal Christoph Schönborn. Ganz wichtig ist, dass der künftige Heilige Vater mit den Bischöfen zusammenarbeitet, sie in die Kirchenleitung einbezieht. Gemeinsam müssen sie Reformen ermöglichen. Das Pontifikat Benedikt XVI. waren sieben Jahre, in denen für die Kirchenreform nichts geschehen ist.“

Gerhard Wagner

„Von einem neuen Papst erhoffe ich mir erstens, dass er viel betet. Dass er ein wahrer Seelsorger ist, der sich um den Menschen bemüht, und drittens, dass er sein Denken klar ausrichtet und reflektiert ist. Man muss den Menschen begegnen, aber man kann eben nicht über die Lehre der Kirche verfügen, auch ein Papst kann das nicht. Etwa Regeln zum Zölibat, Frauen im Amt, die Aufgabe der Laien – das hat ja nicht eben jemand einfach hingestellt. Das sind Dinge, die in der Mitte des Glaubens stehen und gottgegeben sind.“

Adolf Holl

„Mein Wunschprofil für einen künftigen Papst wäre: Er sollte nicht jünger als 70 sein, sonst gibt es ein zu langes Pontifikat. Weiters sollte der betreffende Herr, Frauen sind ja vorläufig nicht zugelassen, ein paar Jahre in Rom bzw. im Vatikan verbracht haben, um die internen Zusammenhänge zu kennen. Er sollte Franziskaner sein, die können am besten mit Geld umgehen, und vor allem sollte er aus Lateinamerika, am besten aus Brasilien, kommen. Es wäre höchste Zeit, denn Jesus Christus hält sich meiner Meinung nach bei den armen Teufeln auf.“

Hans-Peter Hurka

„Ich erwarte mir einen Mann – besser natürlich eine Frau, aber das wird’s nicht spielen –, der dialogfähig ist und in Konflikten moderieren kann, einen Brückenbauer zwischen den unterschiedlichen Positionen. Der neue Papst soll Aufgaben delegieren, die unteren Ebenen sollen tun dürfen, was sie können, vor allem Frauen in der Liturgie und in der Pastoralarbeit. Hier vergibt sich die Kirche eine große Chance, weil das Potenzial der Frauen brach liegen gelassen wird.“

Andreas Englisch

„Wiederverheiratete Geschiedene werden zur Kommunion zugelassen werden. Davon gehe ich aus, weil der Großteil der Bischöfe und Kardinäle dafür ist, nur Papst Benedikt wollte das nicht. Es braucht eine Lösung, wie es wieder mehr Priester geben kann, dazu gehört auch das Nachdenken über das Frauenpriestertum. Und die Vatikanbank muss sauber werden: Sie steht als eine der ganz wenigen Banken nicht auf der „White List“ der Europäischen Union. Das ist ein Riesenskandal, dass gerade jene Bank, die sich Istituto per le Opere di Religione (Institut für die religiösen Werke) nennt, den Vorgaben einer transparenten Bank nicht entspricht.“

Gerda Schaffelhofer

„Es braucht eine charismatische, authentische Persönlichkeit, die sich den Problemen in der Kirche und den Glaubensfragen stellt. Es ist ja nicht zu leugnen, dass wir einen Reformstau haben, der klug und mit Augenmaß abgearbeitet werden muss. Die Kirche darf sich nicht von der Welt abkapseln, aber auch nicht zu sehr an den Zeitgeist anbiedern.“

Hubert Feichtlbauer

„Der neue Papst sollte das Vaticanum II auch in der Kirche umsetzen: Menschenrechte, Subsidiarität, Kollegialität. Er sollte Wesentliches und weniger Wichtiges in der Glaubens- und Sittenlehre erkennbar machen. Er sollte den eurozentrischen Blick der Kirche in Richtung anderer Kontinente ausweiten. Und er sollte genug Menschenkenner sein, um zwischen loyalen Kritikern und Speichelleckern zu unterscheiden. “

Sigrid Müller

„Ich erwarte mir vom nächsten Papst, dass er das Ortskirchenprinzip und damit die Bischöfe in ihrer Position stärkt, damit sie besser auf die pastorale Situation in ihrer Diözese eingehen können. Dass er die sozialen Nöte der Zeit konkret thematisiert und adressiert – kirchliches Engagement soll helfen, etwas zu verändern.“

Maximilian Liebmann

„Es geht nicht darum, woher der nächste Papst kommt und welche Hautfarbe er hat, sondern dass er dort fortsetzt, wo Johannes XXIII. aufgehört hat. Was die Kirche jetzt braucht, ist ein Johannes XXIV. Und dieser wird nicht darum herumkommen, ein neues Konzil einzuberufen, in dem die Aufhebung des Zölibats, die Einbeziehung von Frauen als Priester und die Möglichkeit der Wiederverheiratung Geschiedener zentrale Fragen sind. All das soll ein Drittes Konzil beraten und beschließen. Die Frage, ob ein fortschrittlicher Papst Johannes XXIV. angesichts der vorwiegend konservativen Kardinäle, die im Konklave die Wahl bestimmen, realistisch ist, stellt sich nicht: Das ist nämlich eine absolute Notwendigkeit. Die katholische Kirche ist in einer so dramatischen Situation, dass diese Schritte unabwendbar notwendig erscheinen.“

Paul Zulehner

„Für einen Papst, der von außerhalb Europas kommt, wäre es jetzt an der Zeit. Das Zweite Vatikanische Konzil hat die Kirche zur Weltkirche erklärt. Um das umzusetzen, soll die Kirche auch jemand repräsentieren, der nicht aus Europa stammt. Es braucht gleichermaßen Einheit und Dezentralisierung. Was der Kirche schadet, ist Uniformismus, was sie braucht, ist Universalismus.“

Klaus Küng

„Ich wünsche mir, dass der nächste Papst wie der jetzige ein Mann des Gebets ist, tief in Christus verwurzelt und auf ihn schauend. Jemand, der aber zugleich die moderne Welt aufmerksam beobachtet und sie liebt. Der keine Angst hat, auch unpopuläre Dinge auszusprechen, wenn es die Zeit erfordert.“
Franz Xaver Brandmayr

„Ich erwarte mir, dass der neue Papst die Kirche gut durch eine schwierige Zeit führt, und dass wir ihn alle darin unterstützen. Es braucht, und das ist der Wunsch von vielen, eine Kurienreform. Da geht es darum, die Verwaltungsstrukturen effizient und transparent zu machen, um damit Korruption in die Schranken zu weisen.“

Mitarbeit: G. Markus, M. Rauscher-Weber, A. Schwarz

Die guten und die bösen Päpste

Sie waren alles, was Menschen nur sein können, die rund 265 Päpste in der katholischen Kirche: Man findet unter ihnen Intriganten, Despoten, Kriminelle, Mörder und sexbesessene Monster. Aber natürlich auch grundgütige, vorbildliche Diener Gottes und Heilige im wahrsten Sinn des Wortes. Ja, das alles gab es in 2000 Jahren Kirchengeschichte.

„Heilige Inquisition“

Beginnen wir mit einem Bösen: Papst Gregor IX. war es, der im 13. Jahrhundert die kirchliche Inquisition und damit die Tötung unschuldiger Menschen, die man „Ketzer“ nannte, begründete. In den folgenden drei Jahrhunderten wurden Hunderttausende unschuldige Menschen in ganz Europa Opfer der „Heiligen Inquisition“, bei der die Kirche eine mehr als unrühmliche Rolle spielte.

Dabei war besagter Papst Gregor der Neffe eines der bedeutendsten Päpste der Kirchengeschichte, nämlich Innozenz III., der durch Reformen die Führungsstellung des Bischofs von Rom über die Christenheit sicherte und zu ihrem Höhepunkt führte.

Vetternwirtschaft

Beim Thema Onkel–Neffe sind wir bei einem weiteren historischen Schwachpunkt angelangt: dem Nepotismus. Dutzende Päpste insbesondere aus den italienischen Adelsgeschlechtern der Medici, Barberini, Borghese und der Borgia setzten Söhne, Neffen oder ihre homosexuellen Geliebten als Kardinäle oder gar als päpstliche Nachfolger ein.

Vor allem in der Renaissance verstießen viele „Nachfolger Christi“ gegen alle nur erdenklichen kirchlichen (und weltlichen) Gesetze, wobei Papst Alexander VI. eine der schillerndsten Figuren war: Rodrigo Borgia, wie er eigentlich hieß, wurde 1492 vermutlich durch Bestechung zum Papst gewählt, ohne davor die Priesterweihe empfangen zu haben. Alexander war, als er den Stuhl Petri bestieg, Vater von acht unehelichen Kindern und während seines Pontifikats kamen mindestens zwei weitere dazu. Bei einer Audienz staunte ein kaiserlicher Gesandter über ein kleines Mädchen, das zu Füßen des Heiligen Vaters saß und ihn „Papa“ nannte.

Alexander VI. war einer der Päpste, die sich und seine Kinder und Mätressen auf Kosten der Kirche enorm bereicherten. Und er stand unter dem verheerenden Einfluss seines Lieblingssohnes Cesare, der den Vatikan in Kriege und politische Intrigen verwickelte.

So sehr die Päpste auf die sexuelle Enthaltsamkeit ihrer Priester, Ordensmänner und Nonnen bedacht waren, so wenig hielten sich viele von ihnen selbst daran. Im 15. und 16. Jahrhundert war kaum ein Pontifex päpstlicher als der Papst, weshalb schönen jungen Frauen (und auch Männern) die Türen zum Vatikan offen standen.

Orgien im Vatikan

Während die Konkubinen meist still und heimlich in die Privatgemächer des Papstes geschleust wurden, hatte Alexander VI. kein Problem, seine Gespielinnen in aller Öffentlichkeit zu empfangen. Seine Orgien im Vatikan sind legendär, und er scheute selbst davor nicht zurück, die Braut eines Paares, das er getraut hatte, in sein Bett zu zerren. Sie hieß Giulia Farnese und ging als „Hure des Papstes“ in die Geschichte ein. Ihr Bruder wurde Kardinal und später als Paul III. (und vielfacher Vater) selbst Papst. Dass Papst Alexander VI., wie von Victor Hugo und Alexandre Dumas beschrieben, mit seiner Lieblingstochter Lucrezia Borgia in Blutschande lebte, wird von der modernen Geschichtsschreibung jedoch bezweifelt

Nicht nur in der Renaissance, auch im „Dunklen Jahrhundert“ vor dem Jahr 1000 trieben etliche Päpste ihr Unwesen. Einige waren in schwere Verbrechen verwickelt, manche verkauften ihr Amt, andere fügten dem Ansehen Roms wiederum durch ihr ausschweifendes Sexualverhalten Schaden zu. Papst Johannes XII. bezahlte das mit seinem Leben, als er im Jahre 963 angeblich vom Ehemann einer seiner Gespielinnen während des Geschlechtsakts erstochen wurde.

Moralische Instanz

„Bei aller berechtigter Kritik“, betont der Grazer Kirchenhistoriker Maximilian Liebmann, „ist das Verhalten der überwiegenden Mehrzahl der Päpste dennoch untadelig: Das Papsttum hat im Lauf seiner Geschichte sehr an Ansehen und Bedeutung gewonnen und wird heute – trotz immer noch vorhandener Schwachpunkte – in aller Welt weit über die Reihen des Christentums hinaus als hohe moralische Instanz respektiert.“

Einer der großen Päpste, die maßgeblich dazu beitrugen, war Johannes XXIII., der 1962 das Zweite Vatikanische Konzil einberief und damit die Kirche in ein neues Zeitalter führte – oder zumindest führen wollte, denn manche seiner Dekrete sind noch immer nicht umgesetzt. „Es wäre die wichtigste Aufgabe des künftigen Papstes“, meint Professor Liebmann, „dort fortzusetzen, wo Johannes XXIII. aufgehört hat“ (siehe dazu Interview auf Seite 11).

„Unfehlbarkeit des Papstes“

Das wäre freilich eine Revolution im Vatikan, dem bisher mehrheitlich ultrakonservative Päpste vorstanden, bei denen interessanterweise der Name Pius überaus beliebt war. So bezeichnete der 1846 gewählte Pius IX. Demokratie, Glaubens- und Pressefreiheit als „Irrlehren“ und verbot mittels Päpstlicher Bulle allen Katholiken Italiens, sich an demokratischen Wahlen zu beteiligen. Wer wählen ging, wurde mit dem Kirchenausschluss bedroht. Pius IX. war es, der die „Unfehlbarkeit des Papstes“ verkündete, was zu Konflikten und der Abspaltung der Altkatholiken führte.

Gegen jede Neuerung wandte sich auch Pius X., der 1910 alle Priester einen „Antimodernisteneid“ schwören ließ, der erst 1967 durch Paul VI. aufgehoben wurde.

Im Kreuzfeuer der Kritik stehen zwei weitere „Piuse“: Papst Pius XI. war es, der 1933 mit Hitler-Deutschland das „Reichskonkordat“ abschloss, das ihm den Vorwurf einbrachte, nicht vehement genug gegen den Nationalsozialismus aufgetreten zu sein – auch wenn ihm zugute zu halten ist, dass er die NS-Ideologie in der 1937 verfassten Enzyklika „Mit brennender Sorge“ verurteilt hat.

Die Pius-Päpste

Auch seinem Nachfolger Pius XII. werfen Historiker Duldung und schuldhaftes Schweigen gegenüber dem Holocaust vor. „Es ist kein Zufall, dass sich vier der umstrittensten Päpste der neueren Zeit Pius nannten“, meint Professor Liebmann, „man spricht auch von den Pius-Päpsten, deren Name schon ihr Programm verkündet: Jeder wollte die Linie des anderen fortsetzen.“ Erstaunlicherweise genießen diese Päpste bis heute hohes Ansehen: Pius X. wurde heilig, Pius IX. erst im Jahr 2000 durch Johannes Paul II. selig gesprochen.

Der für Maximilian Liebmann dennoch zu den bedeutendsten Päpsten zählt: „Johannes Paul II. hat zwei Großtaten gesetzt. Erstens die Entschuldigung im Petersdom für die Verfehlungen der Kirche im Lauf der Jahrhunderte, von den Kreuzzügen bis zur Inquisition. Früher hat man nur gesagt, all das sei aus der Zeit heraus zu verstehen, doch durch die Entschuldigung Johannes Pauls II. ist diese Argumentation zusammengebrochen. Seine zweite Großtat war der Brief, den er in der Klagemauer in Jerusalem deponierte, mit dem er sich für das Verhalten der katholischen Kirche den Juden gegenüber entschuldigte.“

Unvergleichlicher Rücktritt

Wo wird man unter den bisher rund 265 Päpsten – die genaue Anzahl kennen wir nicht – den scheidenden Papst einordnen? „Benedikt XVI. geht als Mann der Glaubenslehre und durch seine Trilogie über Jesus Christus in die Geschichte ein“, meint Liebmann, „aber auch durch die Art und Weise seines freiwillig gewählten Rücktritts, der mit keinem Rücktritt seiner Vorgänger vergleichbar ist.“ Kritisch sieht Liebmann, dass Benedikt „die Kirchenleitung zu wenig in Händen hielt, er hat die Kirchenpolitik zu sehr seiner Umgebung überlassen. Dadurch ist in den wichtigen Fragen viel zu wenig weitergegangen.“

Petrus und seine Nachfolger

Der Papst wird in der katholischen Kirche als „Statthalter Christi auf Erden“ gesehen. Der Überlieferung nach kam der Heilige Petrus im Jahre 42 n. Chr. nach Rom, wo er zum ersten Papst erklärt wurde und 25 Jahre bis zu seinem Märtyrertod regierte.

Gegenpäpste

Petrus hatte bisher rund 265 Nachfolger, dazu kommen etliche Gegenpäpste, die durch Spaltung oder Streit innerhalb des Kardinalskollegiums (meist unrechtmäßig) ihr Amt antraten. Auch die genaue Anzahl der Gegenpäpste ist nicht bekannt.

Gewaltig waren die Intrigen und Verbrechen im Vatikans schon im Mittelalter: Allein im 10. Jahrhundert wurden fünf Päpste ermordet oder sie starben in Gefangenschaft. Die meisten Päpste lebten in Rom, im 14. Jahrhundert regierten sieben von der Kirche anerkannte Päpste im Exil in Avignon.

Päpstin Johanna

Einer Legende nach gab es im 11. Jahrhundert eine Päpstin namens Johanna, deren tatsächliche Existenz jedoch zweifelhaft ist. Eine der vielen Erklärungen besagt, dass sich Johanna als Mann verkleidet hätte und Johannes nannte. Der Schwindel flog auf, als „der Papst“ schwanger wurde.

Päpste und die Kunst

Papst Julius II. ließ den heutigen Petersdom errichten. Er und andere Päpste zählen zu den Auftraggebern bedeutender Künstler wie Michelangelo, Botticelli, Raffael und Leonardo da Vinci.

Papst Sixtus IV. gab im 15. Jahrhundert den Bau der nach ihm benannten Sixtinischen Kapelle in Auftrag, in der in wenigen Wochen das Konklave zusammentritt, das den nächsten Papst wählt.

Faszination Vatikan

Er ist mit seinen 44 Hektar der kleinste Staat der Welt, und dennoch zieht der Vatikan immer wieder das Interesse der ganzen Welt auf sich. Skandale, Morde, Intrigen in Verbindung mit Macht und Geld boten seit jeher Stoff für Verschwörungstheorien und trugen zur Faszination des Vatikan bei.

Nicht nur die Bücher von Dan Brown, die eine große Öffentlichkeit über Mythen und Geheimniskrämerei im Vatikan spekulieren ließen, sind ein Fressen für Verschwörungstheoretiker. Immer wieder gab es spektakuläre Kriminalfälle, bei denen Geheimlogen, die Mafia und Geld für Schlagzeilen, Bücher und Serien sorgten.

Als Nachfolger des Apostels Petrus mit Unfehlbarkeit ausgestattet, genießt das Amt des Papstes eine unvergleichliche Stellung mit Einfluss. Immer wieder kam es zu Konflikten um Macht und Geld.

Auch in jüngerer Geschichte sorgten spektakuläre Fälle für Aufsehen. Etwa der Tod von Papst Johannes Paul I. im Jahr 1978. Nur 33 Tage nach Amtsantritt fand man ihn tot in seinem Bett auf. Die Papiere, in denen er gelesen hatte, sowie seine Brille verschwanden, zudem gab es widersprüchliche Angaben zum Auffinden des Toten.

Offene Fragen

Hatte man den Papst vergiftet, weil er eine verbotene Loge auffliegen lassen wollte? Oder weil er Malversationen der Vatikanbank IOR auf den Grund gekommen war? Der Vatikan sprach von einem Herzleiden, fachte jedoch vielfältige Vermutungen an, indem er auf eine Autopsie verzichtete.

Ein weiterer Todesfall lieferte 1982 Anlass für Theorien: Der niemals aufgeklärte Mord am „Bankier Gottes“ Roberto Calvi, der von einer Brücke in London baumelnd gefunden wurde – mit Geld und Ziegelsteinen in den Taschen. Calvi, mit besten Kontakten zur IOR, dürfte in undurchsichtige Geschäfte verwickelt gewesen sein. Die Mitgliedschaft in der Geheimloge „Propaganda Due“ sowie seine Mafia-Kontakte gaben immer wieder Anlass zur Spekulation über die Hintergründe seines Todes und seine Beziehung zum Vatikan.

Die jüngste Affäre ist noch kein Jahr alt: Vatileaks. Paolo Gabriele, Diener von Benedikt XVI., stahl über einen längeren Zeitraum systematisch Akten, in denen es um Machtkämpfe, Korruption und Geldwäschevorwürfe ging. Hauptakteur einmal mehr: die in Verruf geratene IOR. Im Prozess gegen Gabriele wurden wichtige Zeugen nicht geladen, auch die Frage nach Hintermännern wurde ignoriert. Nach der Begnadigung durch den Papst wurde der Akt im Eiltempo geschlossen.

Gerüchte um Mafia, Logen und Geld – vor allem aus einem Grund werden solche Theorien immer faszinieren: wegen der eisernen Verschwiegenheit des Vatikan.