Chronik | Welt
04.04.2018

Schwarz-Weiß-Trennung wieder in Schulen

„Amerikas Geburtsfehler“. Schlechte Bildung, schlechtere Gehälter, schlechtere Aussichten

Es war die frühere US-Außenministerin Condoleezza Rice, die einst vom ewig währenden „Geburtsfehler Amerikas sprach. Afrikaner und Europäer seien gemeinsam in die Neue Welt gekommen, sagte die Afro-Amerikanerin - die Europäer aus freiem Antrieb, die Afrikaner dagegen in Ketten. Wie schwer es ist, diesen Unterschied zu überwinden, zeigen - trotz aller Erfolge der von Martin Luther King geprägten Bürgerrechtsbewegung - die Zahlen im Hier und Jetzt.

So liegt die Arbeitslosigkeit bei Schwarzen mit 6,8 Prozent deutlich über der Quote von Weißen (4,1 %). Der Anteil schwarzer Arbeitnehmer rangiert rund 15 Prozentpunkte unter dem von weißen Männern. Schwarze Männer haben im Schnitt 30 % weniger in der Lohntüte als ihre weißen Kollegen. Das schlägt sich beim Wohneigentum nieder. Rund 70 % der Weißen leben in den eigenen vier Wänden. Schwarze sind nur zu gut 40 Prozent „Herr im eigenen Haus“. Damit korrespondiert: Schwarze vererben statistisch gesehen rund 150.000 Dollar an die nächste Generation. Bei Weißen ist der Betrag sechsmal höher. Am unteren Ende der Gesellschaft geht die Schere noch weiter auseinander. Jeder vierte Afro-Amerikaner lebt unterhalb der Armutsgrenze. Bei Weißen ist es jeder Zehnte.

Startnachteile

Schwarze erkranken dreimal so häufig an Zivilisationskrankheiten wie Zucker, Übergewicht oder Bluthochdruck. Ihre Lebenserwartung ist im Schnitt sechs Jahre niedriger als die von Weißen. Schwarze sind deutlich seltener krankenversichert als Weiße. Zu den gravierendsten Problemen 50 Jahre nach dem Mord an „MLK“ gehört die schleichende Erosion erzielter Erfolge. Zwischen 1964 und 1990 war die Zahl von Schwarzen, die mit Weißen die Schulbank drücken, von 3 % auf fast 45 % gestiegen. Inzwischen ist ihr Anteil auf 25 % gesunken. 70 % der jungen Schwarzen in Amerika gehen auf Schulen, in denen es so gut wie keine Weißen gibt. Weil diese Bildungseinrichtungen oft in sozial schwächeren Gegenden liegen (was sich auf das lokale Steueraufkommen auswirkt, aus dem öffentliche Schulen finanziert werden), sind die Rahmenbedingungen für guten Unterricht eingeschränkt. Entsprechend hoch ist die Quote derer, die ohne Abschluss abbrechen.

Entsprechend hoch ist das Risiko, mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten. Fast ein Viertel aller schwarzen Männer zwischen 18 und 28 Jahren in den USA sind inhaftiert oder verbüßen Bewährungsstrafen. Schwerpunkt: Drogen. Hier ist erwiesen, dass Schwarze doppelt so oft und regelmäßig härter bestraft werden als ihr weißen Altersgenossen. Wissenschaftler sprechen von „struktureller Diskriminierung“.

Kein schwarzer Gouverneur

All diese Facetten spielen - anders als unter Vorgänger Obama - in den Reden von Donald Trump keine Rolle. Wer sich quer durch die afro-amerikanische Community umhört, dem wird bestätigt, was der frühere schwarze Präsidentschaftskandidat Jesse Jackson (er stand  am 4. April 1968 unmittelbar neben King, als der tödliche Schuss fiel) bereits zum 40. Todestag des National-Helden sagte: „Wir sind eine bessere Nation. Wir sind frei - aber nicht gleich.“ Ein Indiz: Kein Bundesstaat in den USA hat einen schwarzen Gouverneur. Im Senat sitzen unter 100 Kolleginnen und Kollegen nur zwei Afroamerikaner. Im Kabinett Trump gibt es nur einen einzigen schwarzen Minister - Ben Carson.