Chronik | Welt
21.01.2012

Schiffsunglück: Rom ruft Notstand aus

Um schneller helfen zu können, hat die Regierung Monti den Notstand ausgerufen. Die "Costa Concordia" droht zu sinken.

Nach dem Kreuzfahrtschiffsunglück vor der Küste der Toskana hat die Regierung Monti den Notstand in dem betroffenen Gebiet rund um die Insel Giglio ausrufen. Dadurch sollen schnelle Hilfe ermöglicht und zusätzliche Geldmittel locker gemacht werden, sagte Umweltminister Corrado Clini Freitagabend in Rom. Clini warnte vor der Gefahr, dass das havarierte Schiff "Costa Concordia" mit 2400 Tonnen Treibstoff sinken könnte. "Es befindet sich in einer unsicheren Lage und könnte bei höheren Wellen sinken", sagte der Minister. Das Kabinett in Rom plane Maßnahmen, um große Schiffe von Naturschutzgebieten fernzuhalten. Überhaupt sollen Kreuzfahrtschiffe und Tanker aus dem Meeresschutzgebiet rund um die Inseln der Toskana und aus der Lagune von Venedig verbannt werden, so Clini.

Eine Woche nach dem Unglück fühlen sich die 1500 Bewohner noch immer wie im Film. Ein Katastrophentourismus mit Hunderten Schaulustigen, die vom Festland übersetzen, um sich vor dem Wrack des halbgesunkenen „Meeresgiganten“ fotografieren zu lassen, hat eingesetzt. Die Menschen auf Giglio sind langsam genervt. „Das Schiff ist größer als der Hafen, es schaut schrecklich aus und wir haben alle Angst vor einem Umweltdesaster. Nicht nur wegen des Treibstoffs, auch wegen des anderen Mülls, der aus dem Bauch des Schiffes kommt“, sagt die 29-jährige Milena Danei, die auf Giglio lebt, zum KURIER. Umweltschützer warnten vor chemischen Spül- und Waschmitteln, die bereits ins Wasser gelangt seien.

Lebensgefahr

Das Kreuzfahrtschiff bewegt sich und das bedeutet für die Taucher Lebensgefahr. „Das Schiff befindet sich in einer unsicheren Lage und könnte bei höheren Wellen sinken“, warnte Umweltminister Corrado Clini. Ein Abdriften würde die hochkomplizierte Bergung der 2400-Tonnen-Treibstofftanks deutlich erschweren. Ein ferngesteuerter Unterwasser-Roboter überprüfte Freitagnachmittag den Meeresgrund. Laut Aufzeichnungen von Lasergeräten bewegt sich das Schiff aufgrund der Wellenbewegungen 1,5 Zentimeter pro S tunde. Derzeit prüfen Experten, ob sich das Riesenschiff an Felsen verankert lässt. Ein Architekturbüro rechnete aus, dass dazu 21 Stahlseile mit je 10 Zentimeter Durchmesser nötig wären. Künftig soll ein Verbot verhängt werden, damit Kreuzfahrtschiffe und Tanker nicht mehr in Meeresschutzgebiete rund um die Inseln der Toskana und in die Lagune von Venedig fahren dürfen.

Offene Fragen

Inzwischen hat sich die Kreuzfahrtgesellschaft aus Genua von ihrem suspendierten Unglückskapitän Francesco Schettino distanziert.

Die Gesellschaft versucht, jede Schuld von sich zu weisen und den 52-Jährigen alleine für die Katastrophe verantwortlich zu machen. Dem „comandante“ wird vorgeworfen, die Situation an Bord verharmlost zu haben. „Er hat uns angelogen“, sagte Costa-Crociere- Geschäftsführer Pierluigi Foschi. Vonseiten der Staatsanwaltschaft sind folgende Fragen zu klären: Warum hat die Costa Crociere Schettino als Kapitän angeheuert? Welche Rolle spielte der Krisenmanager der Kreuzfahrtgesellschaft nach dem Unglück, mit dem Schettino telefonierte? Hatte die Gesellschaft ihn eventuell angewiesen, mit der Evakuierung abzuwarten? Eine nächtliche Evakuierung muss pro Passagier mit 10.000 Dollar entschädigt werden. Dies wäre die Costa Crociere im Falle einer Vorsorgemaßnahme bei Tausenden Passagieren teuer gekommen.

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