Chronik | Welt
23.10.2017

Russischer Popstar soll zu Tode gefoltert worden sein

Anti-Schwulen-Gesetze in Russland: Homosexuelle werden vor allem in der Teilrepublik Tschetschenien verfolgt. Sänger soll laut LGBT-Netzwerk zu Tode gefoltert worden sein.

Der in Russland bekannte Popstar Zelimkhan Bakaev soll von tschetschenischen Behörden verhaftet, gefoltert und wegen des Verdachts auf Homosexualität getötet worden sein. Das berichtet die englischsprachige Website back2stonewall.com und bezieht sich dabei auf mehrere Quellen.

Bakaev sei zuletzt am 8. August in Grosny gesehen worden, wo er an der Hochzeit seiner Schwester teilnehmen wollte, heißt es weiter. Dort sei er nie angekommen.

Sein Instagram-Accont sei gelöscht, auf seinem Twitter-Account seien seitdem keine aktuellen Tweets mehr zu lesen.

Igor Kocketkovof, ein Vertreter des russischen Schwulen-und-Lesben-Netzwerks, habe "Ende August bestätigt bekommen, dass Bakaev wegen des Verdachts auf Homosexualität von tschetschenischen Behörden gefangen gehalten wurde."

Der 26-Jährige Sänger sei zu Tode gefoltert worden, wird eine weitere Quelle zitiert: "Als er in Grosny ankam, wurde er innerhalb von drei Stunden von der Polizei festgenommen, innerhalb von zehn Stunden war er tot."

Anti-Schwulen-Gesetze in Russland

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat Russland im Somer 2017 wegen seiner Anti-Schwulen-Gesetze verurteilt. Das Verbot von "Propaganda für Homosexualität" verstößt aus Sicht der Straßburger Richter gegen die Meinungsfreiheit und das Diskriminierungsverbot.

In Russland wird seit 2013 bestraft, wer sich in Anwesenheit Minderjähriger positiv über Homosexualität äußert. Auf regionaler Ebene traten bereits 2003 und 2006 ähnliche Gesetze in Kraft.

Kadyrow: "Wir haben keine Schwulen"

Vor allem in Tschetschenien müssen Homosexuelle gewaltsame Verfolgung fürchten. Die russische Homosexuellen-Vereinigung LGBT-Liga hat deshalb um Unterstützung für Verfolgte bei der Flucht aus der Teilrepublik gebeten. Nach wie vor würden dort schwule Männer gefoltert und müssten um ihr Leben fürchten.

Der von Moskau gestützte tschetschenische Republikchef Ramsan Kadyrow hat dem US-Sender HBO im Juli 2017 ein bezeichnendes Interview gegeben. Darin ging es unter anderem darum, dass in Tschetschenien Dutzende schwule Männer gefoltert und ermordet worden sein sollen, wie "Spiegel Online" im Sommer berichtete.

Reporter David Scott sprach Kadyrow auf diese Berichte an. Das sei Unsinn, sagte Kadyrow. Dann setzte er zu einer hasserfüllten Tirade an. "Bei uns gibt es solche Leute gar nicht. Wir haben keine Schwulen. Und wenn es sie gibt, nehmt sie mit nach Kanada, weit weg von uns, damit unser Blut gesäubert wird."