Chronik | Welt
04.05.2017

Prinz Philip: Pension nach 70 Jahren im Amt

Der Mann der britischen Queen zieht sich im Herbst zurück. Porträt eines Charakterkopfes.

Treffen aller Mitarbeiter des Buckingham Palastes finden zwar immer wieder statt – allerdings selten derart eilig einberufen wie jenes am Donnerstagmorgen. Britische Medien spekulierten sofort über mögliche gesundheitliche Probleme von Queen Elizabeth II. oder ihres Mannes Prinz Philip – hatte sich das Königspaar doch erst zu Weihnachten wegen einer schweren Erkältung ungewöhnlich lange aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.

Nach dem Meeting im Buckingham Palast herrschte dann Klarheit. Wie das Königshaus mitteilte, geht Prinz Philip nach fast 70 Jahren als Repräsentant der Monarchie in den Ruhestand. Ab Herbst werde der bald 96-Jährige keine offiziellen Verpflichtungen mehr wahrnehmen, aber noch fallweise öffentlich auftreten, hieß es in der Erklärung. Der Prinz habe die Unterstützung seiner auch schon 91-jährigen Frau, die ihren Aufgaben "mit der Unterstützung der königlichen Familie" weiter "voll" nachkommen werde.

Liebe auf den ersten Blick

Prinz Philips Ruhestand ist wohl verdient. Laut offiziellen Aufzeichnungen absolvierte er seit der Thronbesteigung seiner Frau 1952 gezählte 22.191 Auftritte. Dazu kommen u.a. 5493 Reden und 637 Auslandsreisen.

Prinz Philip kam 1921 als Prinz von Griechenland und Dänemark auf der Insel Korfu zur Welt. Mit 18 lernte er die damals erst 13-jährige Prinzessin Elizabeth kennen – für die spätere Queen war es Liebe auf der ersten Blick. Die beiden begannen einen regen Briefwechsel, acht Jahre später, 1947, folgte die Hochzeit. Philip musste den Titel des Prinzen von Griechenland aufgeben und wurde von seinem Schwiegervater, König George VI., zum Herzog von Edinburgh, Earl of Merioneth und Baron of Greenwich ernannt. Als Elizabeth 1952 den Thron bestieg, gab er seine Karriere bei der Marine auf und entdeckte seine Leidenschaft für das Fliegen und den Naturschutz. Legendär sind sein schräger Humor, seine Tritte in diplomatische Fettnäpfchen und politisch inkorrekte Bemerkungen (siehe unten).

Trotz dieser Ausrutscher gilt Charakterkopf Philip, der zwischen 1948 und 1964 mit Elizabeth die Kinder Charles, Anne, Andrew und Edward bekam, als wichtigste Stütze seiner Frau, auch wenn ihm die Jahrzehnte im Schatten der Monarchin nicht immer gefielen. Dem Protokoll gemäß muss er in der Öffentlichkeit stets einige Schritte hinter seiner Frau gehen.

Beobachter gehen nicht davon aus, dass die pflichtbewusste und offenbar rüstige Queen auch zurücktritt, erwarten aber, dass sie Thronfolger Charles (68) sowie ihre Enkel William (34) und Harry (32) noch stärker als jetzt in die Pflicht nehmen wird. Prinz William hat angekündigt, seinen Job als Rettungshubschrauberpilot aufzugeben und den Lebensmittelpunkt seiner Familie (Ehefrau Kate, 35, Sohn George, 3, und Tochter Charlotte, 2) von Norfolk wieder nach London zu verlegen.

Ausrutscher & Zitate von und über Prinz Philip

1/9

"Die Philippinen müssen halb leer sein - ihr seid alle hier in unseren Krankenhäusern." (Im Februar 2013 laut BBC beim Besuch in einem Londoner Krankenhaus zu einer Krankenschwester von den Philippinen)  

"Bewerft ihr euch immer noch gegenseitig mit Speeren?" (Frage von Prinz Philip an einen Ureinwohner bei einer Australien-Reise nach einem Bericht der Londoner Abendzeitung "Evening Standard" vom 1. März 2002)  

"Wie schaffen Sie es, die Einheimischen lange genug vom Alkohol fernzuhalten, damit sie die Prüfung schaffen?" (Soll er 1995 einen Fahrlehrer in Schottland laut BBC gefragt haben)  

"Ich bin noch nie zuvor von einem Herzog von Edinburgh gefahren worden. Es war eine sehr sanfte Fahrt." (US-Präsident Barack Obama am 22. April 2016 beim Besuch in London. Prinz Philip hatte den Wagen gesteuert, der ihn mit Queen Elizabeth II. und dem Ehepaar Obama die wenigen Meter vom Hubschrauber nach Schloss Windsor brachte.)  

"Willkommen, Herr Reichskanzler." (1997 zum damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl)  

"Taub? Wenn ihr da so nahe dran seid, kein Wunder, dass ihr taub seid." (Im Mai 1999 laut BBC zu taubstummen Jugendlichen bei einem Festival in Cardiff mit Hinweis auf die laute Band)

"Die wichtigste Erfahrung, die wir gemacht haben, ist die, dass Toleranz der entscheidende Bestandteil jeder glücklichen Ehe ist (...) Sie können mir glauben: Die Queen verfügt über Toleranz im Überfluss." (Prinz Philip nach 50 Ehejahren mit Elizabeth, November 1997)

"Prinz Philip ist, glaube ich, bekannt dafür, keine Komplimente anzunehmen. Aber durch all die Zeit war er eine konstante Kraftquelle und ein Ratgeber." (Die Queen in ihrer Rede zum 60. Thronjubiläum, März 2012)

 "Wenn ihr noch länger hier bleibt, bekommt ihr Schlitzaugen." (1986 bei einem China-Besuch laut BBC zu britischen Studenten in Peking)