Chronik | Welt
04.05.2017

London: Aufregung um Rückzug von Prinz Philip

Nach einem kurzfristig einberufenen "Notfall-Meeting" waren am Donnerstagmorgen zunächst Gerüchte um den Gesundheitszustand des 95-Jährigen kursiert. Am Vormittag dann die Gewissheit: Prinz Philip wird ab Herbst keine öffentlichen Aufgaben mehr wahrnehmen.

Was war das für eine Aufregung. Der Buckingham Palast rief am Donnerstagvormittag seine Mitarbeiter zu einem dringenden Treffen zusammen. Ein "Notfall-Meeting" also, berichteten britische Boulevardmedien aufgeregt.

Spekulationen über den Gesundheitszustand der 91-jährigen Königin Elizabeth II. und ihres Mannes Prinz Philip (95) waren schnell zur Stelle. Die Nervosität in der britischen Regenbogenpresse war offensichtlich so groß, dass die Boulevardzeitung The Sun Prinz Philip aus Versehen kurzzeitig für tot erklärte. Die Zeitung korrigierte ihren Fehler umgehend, berichtet bild.de.

Um kurz nach elf gab es schließlich Gewissheit, die Aufregung war umsonst: Prinz Philip wird sich ab Herbst lediglich aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Er werde von allen offiziellen Verpflichtungen zurückzutreten, hieß es aus dem Buckingham Palast.

Rüstig

Die Queen selbst hat zwar in den vergangenen Monaten zahlreiche Ehrenämter an ihre Familie abgegeben, ist aber nach wie vor auf zahlreichen Terminen und wirkt für ihr Alter erstaunlich rüstig.

Die Königin hatte am Mittwochnachmittag noch ein Treffen mit der britischen Premierministerin Theresa May im Palast. May hatte die Queen - wie traditionell üblich - über die Auflösung des Parlaments unterrichtet.

Die Briten wählen am 8. Juni ein neues Unterhaus. Prinz Philip, der im Juni 96 Jahre alt wird, hatte am Mittwoch einen Cricketclub besucht und zeigte sich dort bestens gelaunt.

Ausrutscher & Zitate von und über Prinz Philip

1/9

"Die Philippinen müssen halb leer sein - ihr seid alle hier in unseren Krankenhäusern." (Im Februar 2013 laut BBC beim Besuch in einem Londoner Krankenhaus zu einer Krankenschwester von den Philippinen)  

"Bewerft ihr euch immer noch gegenseitig mit Speeren?" (Frage von Prinz Philip an einen Ureinwohner bei einer Australien-Reise nach einem Bericht der Londoner Abendzeitung "Evening Standard" vom 1. März 2002)  

"Wie schaffen Sie es, die Einheimischen lange genug vom Alkohol fernzuhalten, damit sie die Prüfung schaffen?" (Soll er 1995 einen Fahrlehrer in Schottland laut BBC gefragt haben)  

"Ich bin noch nie zuvor von einem Herzog von Edinburgh gefahren worden. Es war eine sehr sanfte Fahrt." (US-Präsident Barack Obama am 22. April 2016 beim Besuch in London. Prinz Philip hatte den Wagen gesteuert, der ihn mit Queen Elizabeth II. und dem Ehepaar Obama die wenigen Meter vom Hubschrauber nach Schloss Windsor brachte.)  

"Willkommen, Herr Reichskanzler." (1997 zum damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl)  

"Taub? Wenn ihr da so nahe dran seid, kein Wunder, dass ihr taub seid." (Im Mai 1999 laut BBC zu taubstummen Jugendlichen bei einem Festival in Cardiff mit Hinweis auf die laute Band)

"Die wichtigste Erfahrung, die wir gemacht haben, ist die, dass Toleranz der entscheidende Bestandteil jeder glücklichen Ehe ist (...) Sie können mir glauben: Die Queen verfügt über Toleranz im Überfluss." (Prinz Philip nach 50 Ehejahren mit Elizabeth, November 1997)

"Prinz Philip ist, glaube ich, bekannt dafür, keine Komplimente anzunehmen. Aber durch all die Zeit war er eine konstante Kraftquelle und ein Ratgeber." (Die Queen in ihrer Rede zum 60. Thronjubiläum, März 2012)

 "Wenn ihr noch länger hier bleibt, bekommt ihr Schlitzaugen." (1986 bei einem China-Besuch laut BBC zu britischen Studenten in Peking)  

Prinz Philip: Der Mann an der Seite der Queen

Prinz Philip ist seit der Krönung von Queen Elizabeth II. im Jahr 1953 "der Mann an der Seite der Königin". Häufig tritt er in Uniform auf, mitunter fällt er durch bissigen Humor und schräge Witze auf. In früheren Jahren beschwerte er sich auch über seine "Nebenrolle". Dennoch gilt er stets als wichtige Stütze der Königin, mit der er seit 1947 verheiratet ist.

Seine offiziellen Titel lauten Herzog von Edinburgh, Graf von Merioneth und Baron Greenwich. Er kam als Prinz von Griechenland und Dänemark am 10. Juni 1921 auf der griechischen Insel Korfu zur Welt. Er ist Spross des Hauses Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, in seinem Stammbaum wimmelt es von Deutschen. Philip besuchte ein Jahr lang die Eliteschule Salem in Süddeutschland und spricht gut Deutsch.

Die Kindheit war nicht glücklich, die Familie musste ins Exil nach Paris. Jahrelang sah Philip die Eltern so gut wie nicht. Als 18-Jähriger begann der Prinz, mit der damals 13-jährigen Elizabeth Briefe auszutauschen. Die Queen sprach später von Liebe auf den ersten Blick.

Am 20. November 1947 läuteten in Londons Westminster Abbey die Hochzeitsglocken. Für die Heirat musste er den Titel Prinz von Griechenland aufgeben, auch durfte Philip seinen Familiennamen nicht vererben. Im Zweiten Weltkrieg diente er als Leutnant in der britischen Marine.

Im Jahr der Krönung musste er seine Karriere bei der Marine aufgeben. Als Prinzgemahl lernte er dafür das Fliegen, was zur Leidenschaft wurde. Und er engagierte sich für Naturschutz und war fast 20 Jahre Vorsitzender des britischen World Wide Fund For Nature (WWF).