Chronik | Weltchronik
01.12.2016

Pornovergangenheit enttarnt Islamisten

Das Bundesamt für den Verfassungsschutz © Bild: APA/dpa/Oliver Berg

Der verhaftete Islamist war früher Darsteller in Schwulenpornos.

Wäre es ein Thriller, die Rezension könnte ungefähr so lauten: Spannend, aber unrealistisch und überzogen. Ein deutscher Spion, der undercover arbeitet, sich selbst radikalisiert und dann erwischt wird, weil er in einem Chatroom denselben Nickname verwendet, unter dem er vor Jahren schon Schwulenpornos drehte.

Aber wenn die Informationen der Washington Post korrekt sind, ist es genau so passiert. Wie am Mittwoch bekannt wurde, ist ein Islamist, der für den deutschen Verfassungsdienst arbeitete, enttarnt und verhaftet worden. Es gab nach aktuellem Ermittlungsstand zwar keine konkreten Pläne für einen Anschlag, der 51-jährige Deutsche hätte sich aber bereit erklärt, einen solchen im Sinne Allahs zu verüben.

Verwendete Pornoname als Nickname

Er war eingestellt worden, um die islamistische Szene in Deutschland zu beobachten und galt als unauffällig. Vor zwei Wochen allerdings bemerkten zwei Mitarbeiter des Bundesamtes für Verfassungsschutz (BfV) einen Mann in einem Chatroom für Islamisten, der sich als deutscher Spion ausgab und anbot, die Behörde zu infiltrieren.

Die Beamten konnten ihn in einen privaten Chat locken, in dem er so viele Details ausplauderte, dass sie ihn identifizieren konnten. Schnell stellte sich auch heraus, dass der Nickname, den er verwendete, derselbe war, unter dem der vierfache Familienvater vor Jahren bereits Schwulenpornos drehte.

„Wir haben es hier offensichtlich mit einem Fall zu tun, in dem sich eine Person von seinem persönlichen Umfeld unbemerkt radikalisiert hat“, sagte BfV-Präsident Hans-Georg Maaßen. Dem enttarnten Islamisten wird Verdacht der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat und sowie die versuchte Verletzung von Dienstgeheimnissen vorgeworfen.