Chronik | Welt
23.03.2017

Museum des Zweiten Weltkriegs in Danzig ist der Regierung zu wenig patriotisch

Die Regierung will das Museum am liebsten sofort schließen.

Für das größte Geschichtsprojekt des Landes war es ein prosaischer Start – "das Museum des Zweiten Weltkrieges" hat am Donnerstag im polnischen Danzig ohne große Feierlichkeiten für die Besucher seine Pforten geöffnet.

Der Grund: Kulturminister Piotr Glinski hat ein Budget von nur 11,5 Millionen Zloty (2,7 Mio Euro) bewilligt, das Museum brauche jedoch laut Direktor Pawel Machcewicz 20 Millionen Zloty (4,7 Mio Euro). Doch der Regierung passt das Konzept nicht, der polnische Blick, der polnische Widerstand werde zu wenig gezeigt.

Machcewicz erklärte bei der Eröffnung: "Wir wollen das Gesicht des Kriegs nicht nur von der militärischen Seite zeigen, wir zeigen auch die Politik, die Ideologie des Krieges aus der Perspektive der Zivilbevölkerung." Die Ausstellung sei eine "Hommage an die Ermordeten". Begleitet wurde der Historiker von der 95-jährigen pensionierten Medizinprofessorin Joanna Muszkowska-Penson, die 1940 dem polnischen Widerstand beitrat.

Von Außen wirkt das Museum bedrohlich – ein schräger turmhoher Quader ragt aus dem flachen Ziegelbau wie ein Geschoß, das noch nicht explodiert ist. Doch die Hauptausstellung mit über 2500 Exponaten auf 5000 Quadratmetern liegt 14 Meter tief unter der Erde.

Gezeigt werden Panzer, Flugzeuge, die Schiffsglocke der torpedierten Wilhelm Gustloff, zudem nachgebaute zerstörte Straßenzüge. Gezeigt werden auch Briefe, die auf Birkenrinde geschrieben wurden, selbst gemachte Schachfiguren und Holzkreuze aus einem Lager. Viele Ausstellungsstücke sind Spenden aus Familienbesitz.

Die Ausstellung setzt mehr auf Bilder, Filme und Exponate als auf Text; Erklärungen sind in polnischer und englischer Sprache verfasst.: "Der Weg zum Krieg", "Das Grauen des Krieges" und "Der lange Schatten des Krieges".

Projekt von Tusk

Das Museum wurde 2007 vom damaligen polnischen Premier Donald Tusk initiiert. Nun gibt es Konflikte innerpolnischer Art. Kulturminister Piotr Glinski versuchte vor der Eröffnung das Museum mit der Gedenkstätte Westerplatte zu vereinigen – dann wäre es juristisch möglich gewesen, Pawel Machcewicz zu entlassen. In erster Instanz verlor Glinski gegen das Museum, jedoch wartet am 5. April ein weiterer Gerichtstermin. Der Historiker kündigte rechtliche Schritte an, sollte die Regierung die Ausstellung schließen oder verändern. Doch die seit Herbst 2015 regierende "Recht und Gerechtigkeit" (PiS) fordert die Deutungshoheit über die Geschichte für sich, zudem gilt Initiator Tusk, derzeit EU-Ratspräsident, als offizieller Feind Polens, gegen den aktuell die polnische Staatsanwaltschaft ermittelt.

Der Konflikt fließt auch in die Bewerbung der Ausstellung. die in einer Anzeige so lautet: "Besuch das Museum, bevor es Glinski wieder schließt". Sollte Glinski vor Gericht scheitern, hat das mit 450 Millionen Zloty (rund 100 Mio Euro) teuerste Museum jedoch nur noch einige Monate lang Geld, um seinen Betrieb aufrechtzuerhalten.