Schwuler Lehrer posierte bei Trump mit Fächer

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Foto: The White House Nikos Giannopoulos beim Ehepaar Trump im Weißen Haus

Beim Fototermin mit Donald und Melania Trump konnte Nikos Giannopoulos mit einem kleinen Utensil große Wirkung erzielen.

Nikos Giannopoulos hat kein großes Ding daraus gemacht: "Der Lehrer des Jahres 2017 aus Rhode Island trifft den 45. Präsident der USA. Das ist alles." So kommentierte er nun das offizielle Foto des Weißen Hauses zu "Teachers of the Year" auf seinem Facebook-Account. In den sozialen Medien wurde sein Auftritt mit dem Fächer bei Donald Trump hingegen tausendfach verbreitet und als höchst gelungene Aktion für die Rechte von Schwulen, Lesben und Transgendern gewertet. In Nachrichtenportalen wurde die Aktion als "tapfer" gelobt.

Trump ließ Fächer zu

An seinem großen Tag in Washington überlegte sich Giannopoulos, wie er seine Botschaft "Die Rechte Homosexueller zählen!" rüberbringen könnte. Er entschied sich für eine charmante Photobomb. In der Tasche hatte der Lehrer aus Rhode Island einen schwarzen Fächer versteckt, für ihn ein Symbol der LGBTQ-Szene (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender und Queer). Das Personal des Weißen Hauses hatte aber etwas dagegen und bat den Lehrer, den Fächer wieder einzupacken.

Kurz vor dem Foto mit dem Präsidentenpaar nahm sich Giannopoulos ein Herz und und fragte den US-Präsidenten einfach, ob er mit dem Fächer posieren dürfe. Trump meinte: "Natürlich!"

"Sichtbar queer"

Zu einem ausführlicheren Gespräch zwischen dem Lehrer und Trump kam es nicht. Das Treffen mit den besten Lehrern des Landes wurde bereits Ende April als unpersönlich und überhastet kritisiert. So durfte die bundesweite Lehrerin des Jahres nicht, wie sonst üblich, eine kurze Rede halten.

Auch Giannopoulos hätte gerne mehr über Schwulenrechte gesagt, "aber schlussendlich war es uns wenigstens möglich, das zu tun, was wir wollten", sagte er in einem Interview mit der Washington Post. "Ich war sichtbar queer im Oval Office, das kann mir keiner mehr wegnehmen."

Ambivalente Haltung

Trumps Haltung in der Frage ist ambivalent. Im Wahlkampf hatte er versprochen, Schwule und Lesben schützen zu wollen. In sein Kabinett holte er aber mehrere Politiker, die in der Vergangenheit als Gegner von LGBTQ-Rechten auffielen. So hatte sein Vize Mike Pence als Gouverneur von Indiana ein Gesetz unterzeichnet, das es Geschäften unter anderem erlaubte, homosexuelle Kunden abzuweisen.

Trump nahm in seinen ersten Amtswochen auch eine Regelung zurück, die es Transgendern freigestellt hatte, welche Toilette sie in Schulen oder Universitäten benutzen.

Vor einer Woche demonstrierten in Washington und anderen amerikanischen Städten mehrere tausend Menschen für die Rechte von Schwulen, Lesben und Transgendern. In der Hauptstadt zog die Menge auch am Weißen Haus vorbei. Viele schwenkten Regenbogenfahnen. Auf Plakaten standen Sprüche wie: "Liebe ist Liebe" oder "Niemand kann Liebe Gesetzen unterziehen".

(KURIER / tem) Erstellt am
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