Protz und Prunk sollen in der katholischen Kirche ja durchaus schon praktiziert worden sein.Dass sich der Limburger BischofFranz-Peter Tebartz-van Elst einen neuen Amtssitz um stolze 31 Millionen - inklusive einer Badewanne fĂŒr 15.000 Euro - geleistet hat, sorgte vergangene Woche dann aber doch fĂŒr Empörung.

© Deleted - 33312

Audienz
10/21/2013

Limburger Bischof: 20 Minuten beim Papst

Nach tagelangem Warten hat Papst Franziskus Tebartz-van Elst empfangen. Limburger planen indes Zukunft ohne Bischof.

Papst Franziskus hat den umstrittenen Limburger Bischof Franz Peter Tebartz-van Elst empfangen, dem Verschwendung und Verschleierung in seinem Bistum vorgeworfen werden. Dies meldete die italienische Nachrichtenagentur ANSA. Der umstrittene Bischof hatte seit vergangenem Sonntag in Rom auf eine Aussprache mit dem Papst gewartet. Diese hat dann nur 20 Minuten gedauert, so Domradio.de.

Ob Tebartz-van Elst, wie von vielen Seiten gefordert, dem Kirchenoberhaupt den Verzicht auf sein Amt angeboten hat, wurde nach dem GesprĂ€ch zunĂ€chst nicht bekannt. Der Vatikan bestĂ€tigte in einer Mitteilung nur das Treffen, veröffentlichte aber keine Details zum Inhalt des GesprĂ€chs. Das sei bei Privataudienzen so ĂŒblich, hieß es. Gemunkelt wird aber, dass er ein Jahr ins Kloster mĂŒsse.

Explodierende Kosten

Tebartz-van Elst steht wegen eines Strafbefehls wegen Falschaussage und der auf mindestens 31 Millionen Euro explodierten Kosten fĂŒr seinen Bischofssitz in der Kritik. Ihm wird vorgeworfen, die Kosten mit verursacht zu haben und eigenmĂ€chtig und verschwenderisch mit Bistumsgeld umgegangen zu sein.

Der Papst reagierte nach Informationen der FAS wĂ€hrend seines vertraulichen GesprĂ€chs mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, am Donnerstag entsetzt, als Zollitsch ihn darĂŒber informierte, dass die Baukosten in Limburg auf bis zu 40 Millionen Euro steigen könnten. "Wie bitte?", soll Franziskus daraufhin gestöhnt haben.

Limburger planen Zukunft ohne Tebartz

Indes wĂ€chst auch der Widerstand in Limburg selbst. Weil den Limburger Katholiken durch die Abwesenheit des Bischofs die entscheidende FĂŒhrungskraft abhandengekommen ist, wollen sie jetzt dazu ĂŒbergehen, die Arbeit in Eigenregie fortzufĂŒhren. Die wichtigste Forderung im Ordinariat lautet, es sollte möglichst bald ein Krisenstab gebildet werden, um ĂŒberhaupt noch Entscheidungen treffen zu können, berichtet Spiegel Online. Ratlogikeit herrscht auch bezĂŒglich eines Gesangbuches. Dieses soll nun ohne Vorwort des Limburger Bischofs gedruckt werden.

Meisner ebenfalls beim Papst

Neben Tebartz-van Elst hat auch der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner (79) am Montag eine Audienz bei Papst Franziskus. Limburg gehört zur Kirchenprovinz Köln, Meisner galt bisher als UnterstĂŒtzer von Tebartz-van Elst.

Bischof seit Wochen in ErklÀrungsnot

Eine teure neue Residenz, ein Luxusflug nach Indien, prunkvolle Gottesdienste - nach VerschwendungsvorwĂŒrfen dieser Art gerĂ€t der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst zunehmend unter Druck. Ein RĂŒckblick:

19. August 2012: Tebartz-van Elst sei erster Klasse nach Indien geflogen, um dort soziale Projekte zu besuchen, berichtet das Magazin Der Spiegel. Das Bistum weist die VorwĂŒrfe zurĂŒck.

29. Mai 2013: Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Bischof wegen möglicher Falschaussage ĂŒber seinen Flug nach Indien.

28. Juni: Die umstrittene neue Bischofsresidenz hat nach Angaben des Limburger Bistums knapp 10 Millionen Euro gekostet - rund viermal so viel wie ursprĂŒnglich geplant. Der Bischof betont, dass der Bau schon 2007 vor seinem Antritt beschlossen worden sei.

9. Juli: Das Bistum korrigiert die Gesamtkosten fĂŒr die neue Residenz nach oben. Sie lĂ€gen deutlich ĂŒber 10 Millionen Euro.

25. August: Im Bistum beginnt mit einem Offenen Brief eine Unterschriftensammlung gegen die AmtsfĂŒhrung des Bischofs. Gefordert wird eine umfassende AufklĂ€rung ĂŒber die Kosten der Residenz.

29. August: Das streng konservative "Forum Deutscher Katholiken" ruft zur SolidaritÀt mit dem Oberhirten auf.

1. September: Tebartz-van Elst bittet alle GlÀubigen seines Bistums in einem Brief um Vertrauen und rÀumt Fehler ein.

9. September: Der pĂ€pstliche Gesandte Giovanni Kardinal Lajolo besucht Limburg. Der Bischof sichert wenige Tage spĂ€ter zu, alle Kosten fĂŒr die Baumaßnahmen PrĂŒfern zugĂ€nglich zu machen.

23. September: Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, kritisiert Tebartz-van Elst wegen der FinanzaffĂ€re. Eine Kommission werde untersuchen, warum die Kosten fĂŒr das neue Domizil explodierten.

25. September: In Zusammenhang mit dem Flug nach Indien beantragt die Hamburger Staatsanwaltschaft einen Strafbefehl.

7./8. Oktober: Das Bistum beziffert die Kosten fĂŒr den neuen Bischofssitz jetzt auf 31 Millionen Euro. Kritiker werfen dem Bischof TĂ€uschung vor und fordern seinen RĂŒcktritt.

10. Oktober: Tebartz-van Elst verteidigt die Kostenexplosion. "Wer mich kennt, weiß, dass ich keinen pompösen Lebensstil brauche", sagt er der "Bild"-Zeitung.

13. Oktober: Zeitungen berichten ĂŒber bis zu 40 Millionen Euro Gesamt-Finanzbedarf fĂŒr die Limburger Residenz und Versuche, die Kostenexplosion zu verschleiern. Tebartz-van Elst reist nach Rom, um mit Papst Franziskus zu sprechen.

17. Oktober: Der Papst empfÀngt Erzbischof Zollitsch. In dem GesprÀch geht es auch um den Skandal in Limburg. Details werden nicht bekannt.

18. Oktober: Die Kirchenkommission beginnt damit, die VorgĂ€nge um den Bau des Bischofssitzes zu prĂŒfen.

21. Oktober: Papst Franziskus empfÀngt den Limburger Bischof.

Jederzeit und ĂŒberall top-informiert

UneingeschrÀnkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.

Kommentare