Papst Franziskus.

© APA/AFP/ANDREAS SOLARO

Vatikan
02/13/2017

Papst bittet um Verzeihung für pädophile Priester

"Wie kann ein Priester im Dienst Christi und seiner Kirche so viel Leid verursachen?", schreibt Franziskus im Vorwort des Buchs eines Schweizer Missbrauchsopfers.

Der Papst bittet um Verzeihung für Verbrechen pädophiler Priester. "Wie kann ein Priester im Dienst Christi und seiner Kirche so viel Leid verursachen?", schreibt Franziskus im Vorwort des Buchs eines Schweizer Missbrauchsopfers, Daniel Pittet (57). In seinem Werk "Ich verzeihe Ihnen, Vater", berichtet Pittet über den Missbrauch, den er als Kind durch einen Priester erlitten hatte.

Der Papst hatte Pittet 2015 persönlich kennengelernt. "Das, was er mir erzählt hat, sein Leid, hat mich zutiefst beeindruckt. Ich habe wieder einmal die fürchterlichen Schäden, die sexueller Missbrauch verursacht, und den langen und schmerzhaften Weg gesehen, der auf die Opfer wartet. Ich bin glücklich, dass auch andere heute über seine Erfahrung lesen und entdecken können, inwiefern das Böse in das Herz eines Dieners der Kirche eindringen kann", schrieb der Papst im Vorwort, das am Montag von der römischen Tageszeitung "La Repubblica" (Montagausgabe) veröffentlicht wurde.

"Teuflisches Opfer"

Als "teuflisches Opfer" bezeichnet der Papst die Verbrechen pädophiler Priester, die sowohl Kinder als auch das Leben der Kirche zerstörten. "Einige Opfer haben Selbstmord begangen. Diese Toten lasten auf meinem Herzen, meinem Gewissen und auf jenem der ganzen Kirche. Ihren Familien entbiete ich meine Gefühle der Liebe und des Schmerzes und demütig bitte ich um Verzeihung", so das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche.

"Absolute Monströsität"

Kindesmissbrauch bezeichnet Franziskus in seinem Vorwort als "absolute Monströsität" und als "fürchterliche Sünde". "Jesus verwendet sehr strenge Worte gegen all jene, die Kindern Böses antun", so der Papst. Pittet berichte in seinem Buch über die "Kraft des Gebets", die ihn nie verlassen habe. Pittet habe beschlossen, 44 Jahre nach dem Verbrechen seinen Peiniger zu treffen. "Ich bin von seinen Worten zutiefst beeindruckt: 'Viele Personen begreifen nicht, dass ich ihn nicht hasse. Ich habe ihm verziehen und ich habe mein Leben auf dieser Verzeihung aufgebaut'", so der Papst im Vorwort.

"Ich danke Daniel, weil Zeugnisse wie seines die Mauer des Schweigens abbauen, (...) sie bringen Licht in eine schreckliche Schattenseite im Leben der Kirche. Sie ebnen den Weg für die Gnade der Versöhnung und helfen auch Pädophilen, Bewusstsein über die schrecklichen Folgen ihrer Taten zu erlangen", so der Papst. Er bete für Daniel und für all jene, die "in ihrer Unschuld verletzt worden sind", damit sie Gott heile.

Daniel Pittet erzählt in seinem Buch über die sexuellen Übergriffe, denen er vier Jahre lang als Kind in Freiburg ausgesetzt war. Sein Peiniger, ein Kapuziner-Priester, lebt in einem Kloster in der Schweiz. Für das Buch hat ihn Pittet sogar besucht, er nennt ihn darin mit vollem Namen.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.