Pakistan - Zweifel an der Justiz

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Pakistan
04/09/2014

Neun Monate alter Bub wegen Mordversuchs angeklagt

Der Polizist, der das Baby anzeigte, wurde suspendiert. Die Anklage ist trotzdem aufrecht.

von Susanne Bobek

Der unglaubliche Fall eines neun Monate alten Babys, das als gef√§hrlicher Steinewerfer gebrandmarkt werden soll, l√∂st Entsetzen √ľber das korrupte pakistanische Rechtssystem aus. Der kleine Musa Khan wurde von einem Gericht in Lahore vorgeladen. Lahore ist nach Karatschi die zweitgr√∂√üte Stadt in Pakistan und hat mehr als sieben Millionen Einwohner, ist also nicht irgendein hinterw√§ldlerisches Kaff. Musa Khan, der noch nicht gehen kann, wurde von seinem Vater und Gro√üvater zum Gericht gebracht und nuckelte w√§hrend des Verh√∂rs laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters aufgeregt an seiner Milchflasche. Bei der Abnahme der Fingerabdr√ľcke musste er heftig weinen. Immerhin kam es auch dem Justizbeamten seltsam vor, dass ein Baby sich wegen versuchten Mordes verantworten soll. Der Beamte lie√ü Musa gegen Kaution frei, fallen gelassen wurde die Anklage aber nicht.

Immerhin wurde mittlerweile der Polizist vom Dienst suspendiert, der Musas Familie und eben auch das Baby beschuldigt, ihn mit Steinen am Kopf verletzt zu haben.

Tats√§chlich kam es am 1. Februar in Lahore wegen Gasabschaltungen und der explodierenden Gaspreise zu Protesten, bei denen Mitarbeiter eines Gasunternehmens von einer Menschenmenge mit Steinen beworfen wurden. Daraufhin ermittelte die Polizei und machte 30 Verd√§chtige ausfindig. Dabei d√ľrfte ein hoher Polizeibeamter noch eine offene Rechnung mit Musas Familie gehabt haben. Bei einer Razzia zu den Vorf√§llen vom 1. Februar sei er auch von dem Baby attackiert worden. Er wurde vor wenigen Tagen vom Dienst suspendiert. Der Justizminister der Provinz Punjab k√ľndigte Untersuchungen an. Laut Amnesty International sind pakistanische Polizisten unterbezahlt, deshalb h√§ufig korrupt, und oft Analphabeten.

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