Traumatisierte Kinder aus einem zerstörten und von Bewaffneten überfallenen Dorf warten in Tacloban auf Helfer. 600.000 Menschen sind auf dringende Hilfe angewiesen.

© APA/DENNIS M. SABANGAN

Philippinen
11/13/2013

Nach Taifun: Wettlauf gegen Hunger und Durst

Katastrophenhelfer verschaffen sich einen Überblick, der zweite Sturm blieb aus.

von Susanne Bobek

Hungry, Food, Water, Help“ steht auf Pappendeckeln, die die Menschen am Straßenrand in die Höhe halten“, beschreibt Andreas Zinggl die Situation im Norden von Cebu, wo die lokale Caritas seit Sonntag 1000 Familien, also zirka 6000 Menschen, mit Notpaketen versorgt hat. Auf Cebu sei die Lage aber überschaubarer und friedlich – anders als in der schwer getroffenen Provinz Leyte.

In Alangalang, 25 km außerhalb der verwüsteten Provinzstadt Tacloban, plünderten Tausende Menschen ein Reis-Lager. Sie erbeuteten 129.000 Säcke Reis im Wert von 21 Millionen €. Jeder Sack wog 50 Kilo. In dem Chaos stürzte eine Mauer ein, acht Menschen wurde getötet, angeblich kam es auch zu Schießereien.

„Wir appellieren an diejenigen, die Reissäcke mitgenommen haben, sie mit anderen zu teilen und nicht zu verkaufen“, sagte ein Behördensprecher.

Andreas Zinggl und sein Caritas-Kollege Thomas Preindl bereiteten am Mittwoch ihre Weiterreise in die Provinz Leyte vor. Dort regnet es seit Tagen ununterbrochen, die Straßen sind nur schwer passierbar. Das Caritas-Team, zu dem auch eine Luxemburger Katastrophenhelferin gehört, versuchte, Benzinkanister aufzutreiben. „Zum Glück bessert sich das Wetter, der angesagte Sturm ist ausgeblieben, heute war es sonnig und trocken“, sagte Zinggl dem KURIER am Telefon. Die Fähren können wieder auslaufen. Cebu City ist mit 2,5 Millionen Einwohnern nach Manila die zweitgrößte Stadt auf den Philippinen. Der Flughafen ist benützbar und wurde zum Stützpunkt für Hilfslieferungen. Hier gibt es wenig Zerstörung, aber einen Tag fiel der Strom fällt aus.
Rot-Kreuz-Mann Georg Ecker, 50, flog am Mittwoch von Manila nach Panay in den Bezirk Capiz, der im Auge des Taifuns lag. Von hier gibt es noch fast gar keine Berichte.Der erfahrene Katastrophenmanager aus Oberösterreich soll sich ein Bild machen.

Nach offiziellen Angaben der Katastrophenschutzbehörde sind bisher 2275 Todesopfer bestätigt. Präsident Benigno Aquino weigert sich, die von einem Lokalbeamten genannte Zahl von 10.000 Opfern zu akzeptieren. Nach Meinung der Opposition in Manila handelt die Regierung ineffizient. Die internationalen Katastrophenhelfer wollen das aber so nicht bestätigen. Denn es handle sich um eine Groß-Katastrophe, da wären auch alle anderen Regierungen überfordert.

Die Hilfe ist auf dem Weg. Für viele Verletzte kommt sie vermutlich zu spät. Nur die, die Glück haben, werden ausgeflogen.

20 Österreicher nach Katastrophe nicht erreichbar

Der Salzburger Harald Feige ist einer von rund 20 Österreichern, deren Schicksal nach der Sturmkatastrophe auf den Philippinen am Mittwoch noch unklar war. Seine Mutter hatte sich an das Außenministerium in Wien gewandt. „Tatsache ist, dass wir zu einigen Auslandsösterreichern keinen Kontakt haben. Aber das hat manchmal einfach damit zu tun, dass das Handynetz zusammengebrochen ist“, erklärt Ministeriumssprecher Martin Weiss. Von Vermissten will er nicht sprechen. „Das sind Personen, die für uns nicht erreichbar sind.“

Dass Außenministerium versucht den Verbleib dieser Österreicher abzuklären. Auf der Liste landen Namen wie etwa der eines Mannes, der sich bisher alle drei Tage über Facebook gemeldet hat. „Jetzt hat er nichts mehr gepostet und sein Bruder, der sonst nicht viel Kontakt zu ihm hat, macht sich Sorgen“, erklärt Weiss. „Es gibt aber keine Hinweise darauf, dass Österreicher ums Leben gekommen sind.“

Die Spendenkontos

- Österreichisches Rotes Kreuz: Erste Bank 40014400144, BLZ 20111,
Kennwort: Überflutungen Philippinen;
- Caritas: PSK 7.700.004, BLZ 60.000, Kennwort: Taifun Katastrophe;
- World Vision Österreich: Erste Bank Kto.-Nr 80080081800, BLZ 20111, Kennwort: Philippinen
- Diakonie Katastrophenhilfe: Erste Bank, Konto 28711966333, BLZ: 20111 Spendenzweck: Taifun, IBAN AT85 20111 287 119 66333, BIC GIBAATWWXXX;
- UNICEF: PSK 15 16 500, BLZ 60.000, Stichwort: Kinder Philippinen;
- Kindernothilfe Österreich: PSK 92144077, BLZ 60.000;
- Volkshilfe Solidarität: PSK 1.740.400 BLZ 60.000, Kennwort: Katastrophenhilfe, Spenden SMS an die Nummer 0676/800 70 80, Online Spenden möglich;
- Arbeiter-Samariter-Bund Österreichs: PSK: 00093 028 745, BLZ 60000, Kennwort: ASBÖ Auslandshilfe.

- Care Österreich: PSK 1236000, BLZ 60000, Kennwort: Nothilfe Philippinen.

Die Zerstörungen durch "Haiyan"

Katastrophe und Klimawandel: kein klarer Zusammenhang

Während die Menschen auf den Philippinen ums nackte Überleben kämpfen, beschäftigt Meteorologen und Klimaforscher folgende Frage: „Ist Haiyan eine Folge des von Menschen verursachten Klimawandels?“ Die Antwort lautet, nach derzeitigem Stand, nein.

Viele Forscher behaupten, dass sie eine Zunahme starker Stürme in den vergangenen Jahrzehnten beobachten. Erklärung: Die Erwärmung des Meerwassers über einen Wert von 26 Grad lässt große Mengen Wasser verdunsten, unter den Wolkenformationen bilden sich gigantische Tiefdruckgebiete, in die Luft nachströmt. Genauer untersucht wurde der Zusammenhang zwischen Klimawandel und der Intensität der Taifune in Korea. Über einen Zeitraum von 60 Jahren gesehen haben die Taifune auf der Halbinsel allerdings nur „slightly“, also ein bisschen zugenommen.

Klima ist die Summe der Wetterlagen über einen langen Zeitraum (30 Jahre) in einem großen Gebiet. Eine Katastrophen-Bilanz gepaart mit einem Risiko-Index erscheint auf Germanwatch.org und wird angesichts des Desasters, das der „Super-Taifun“ hinterlassen hat, auch auf der Klimakonferenz in Warschau diskutiert (Titel der Aufstellung: Globaler Risiko-Klima-Index 2014). Seit 1993 sind demnach 530.000 Menschen bei Dürren, Hurrikanen oder Überschwemmungen ums Leben gekommen. Die Schäden beliefen sich auf 2,5 Billionen Dollar – eine Zahl mit 12 Nullen. Besonders betroffen sind Haiti, Pakistan – und die Philippinen. Der Extremwetter-Index basiert auf Daten der Münchner Rück und berücksichtigt nur die direkten Schäden. Opfer von Ernteausfällen etwa, die auf solche Katastrophen folgen, sind nicht berücksichtigt. Die Liste zeigt zwar, dass der Klimawandel unterschätzt wird. Einen Rückschluss von Einzelereignissen auf den Klimawandel lässt er freilich nicht zu. Nicht einmal bei der verheerenden Dürre in Australien 2009 oder bei den Überschwemmungen in Pakistan 2010 sehen die Autoren einen starken Zusammenhang. Warum sind Experten so vorsichtig? Die Zahl der Naturkatastrophen ist, im Vergleich zu den langen Messreihen, die für statistische Aussagen über das Klima nötig sind, zu gering. Eine Arbeit über den Atlantik spricht von einer Zunahme um zwei Hurrikane über die vergangenen 25 Jahre – bei einer Schwankungsbreite von plus/minus vier Hurrikane.

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