Chronik | Welt
29.05.2017

Mit der Seilbahn zu Klagemauer – die Gondeln erobern die Städte

Jerusalem soll bis 2021 eine eigene Seilbahn bekommen und folgt damit einem weltweiten Trend.

In Österreich gehört sie zum Landschaftsbild der Skigebiete, doch auch in Jerusalem soll sie bald Touristen befördern – eine Seilbahn quer durch die Stadt.

Am Sonntag segnete die israelische Regierung die Pläne für die Seilbahn ab, die von Westjerusalem auf den Ölberg und zur Klagemauer führen soll. Umgerechnet soll das Projekt 50 Millionen Euro kosten, dafür würde es "Besuchern einen einfachen und komfortablen Zugang zur Klagemauer und der Jerusalemer Altstadt ermöglichen", sagt Tourismusminister Yariv Levin. Der Transport würde laut Levin barrierefrei ablaufen, sodass auch körperlich beeinträchtigte Menschen ohne Probleme in die Jerusalemer Altstadt gelangen könnten. Mehr als zehn Jahre lang kämpfte das Tourismusministerium für die Seilbahn eines französischen Herstellers, doch diese ist nicht unumstritten: Einige Kritiker aus dem palästinensischen Lager fürchten, dass dadurch die israelische Prägung Jerusalems noch größer werden könnte. Andere befürchten durch den Bau eine illegale Enteignungswelle. "Das führt dazu, dass Jerusalem zu einer Art biblischer Walt Disney-Themenpark wird", kritisiert Daniel Seidman, ein langjähriger Gegner des Projekts.

Für die Infrastruktur Jerusalems wäre die Seilbahn jedoch ein Gewinn: 40 Gondeln für je zehn Passagiere sollen 3000 Menschen pro Stunde transportieren können.

Südamerika Vorreiter

Weltweit setzen Städte immer mehr auf Seilbahnen, da dadurch das Verkehrschaos besser gelöst werden könne. Im Oktober vergangenen Jahres fand in Ecuador die Habitat-III-Konferenz der Vereinten Nationen statt, in der vor allem über das Entwicklungspotenzial von Städten diskutiert wurde.

Bis 2050 könnten 80 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben, auf der Konferenz wurden Alternativen zum herkömmlichen Verkehr erörtert – unter anderem die Möglichkeiten von Seilbahnen im Stadtverkehr.

Auf diesem Gebiet gilt die bolivianische Stadt La Paz als Musterbeispiel: Mit mehr als 14 Kilometern Seilbahnnetz hat die Stadt schon jetzt das größte der Welt, bis 2019 sollen es sogar 30 Kilometer werden. Gebaut werden sie vom österreichischen Unternehmen Doppelmayr.

Da die Straßen in La Paz stark von Staus betroffen sind, nutzen immer mehr Menschen die Seilbahn auf dem Weg zur Arbeit, da sie sich durch den Transport per Gondel bis zu zwei Stunden täglich ersparen können.

Urbane Seilbahnen sind vor allem in Südamerika populär, doch das Interesse an dieser Art des Verkehrs wächst weltweit.