Chronik | Welt
08.09.2017

Mexiko: Tsunamiwarnung nach schwerem Erdbeben

Schweres Erdbeben der Stärke 8,0 erschütterte den Süden Mexikos. Mindestens 15 Tote. Tsunami-Warnung für Küsten zahlreicher Länder ausgegeben. Keine Berichte über österreichische Opfer.

50 Millionen Menschen wurden aus dem Schlaf gerissen: Eines der bisher schwersten Erdbeben hat Mexiko erschüttert und mindestens 15 Menschen getötet. Mexikos Staatspräsident Enrique Pena Nieto gab die Stärke des Bebens vor der Pazifikküste mit 8,2 an. "Es handelt sich um ein Beben großen Ausmaßes", sagte er im Fernsehen. Für die gesamte Region wurde eine Tsunamiwarnung ausgegeben.

Das Seismologische Institut hatte zunächst eine Stärke von 8,4 ermittelt. Beide Werte wären die bisher stärksten gemessenen Werte in Mexiko. Das Beben ereignete sich 137 Kilometer südwestlich von Tonala im Bundesstaat Chiapas in 19 Kilometern Meerestiefe.

Bei einem Erdbeben der Größe um 8 bewegen sich zwei Platten von etwa 300 mal 50 Kilometern innerhalb von Sekunden um einige Meter aneinander vorbei, sagte Professor Marco Bohnhoff, Leiter der Sektion Geomechanik und Rheologie am Geoforschungszentrum in Potsdam (GFZ). Die dabei freigesetzte Energie wird in Form von Erdbebenwellen abgestrahlt, was bis in mehr als 1.000 Kilometer Entfernung zu Erschütterungen führt.

Im Bundesstaat Tabasco starb ein Baby, weil ein Beatmungsgerät im Krankenhaus wegen eines Stromausfalls nicht mehr funktionierte, ein weiteres Kind wurde beim Einsturz einer Mauer getötet, wie Gouverneur Arturo Nunez mitteilte. In der Stadt San Cristobal in Chiapas wurden zwei Frauen von Trümmern erschlagen. Häuser stürzten ein, rund 1,5 Millionen Menschen waren zeitweise ohne Strom.

Keine Bericht über österreichische Opfer

"Nach derzeitigem Wissensstand sind keine Österreicher unter den Opfern", sagte Thomas Schnöll, Pressesprecher des österreichischen Außenministeriums, am Freitag auf APA-Anfrage. Der Bereitschaftsdienst der Botschaft in Mexiko City wurde bereits aufgestockt.

Derzeit sind 1.900 Auslandsösterreicher gelistet, die dauerhaft in Mexiko wohnen. Für eine Urlaubsreise haben sich 340 registrieren lassen. Diese Urlauber haben bereits eine SMS oder eine Mail mit Informationen bekommen.

Dutzende Nachbeben

Es kam zu mindestens 42 Nachbeben. "Gott, unser Herr hat uns das Überleben geschenkt, das Beben war sehr, sehr stark", sagte die 70 Jahre alte Ricarda Jimenez Cordero. Sie wohnt in der besonders betroffenen Stadt San Cristobal de las Casas im Bundesstaat Chiapas und erlitt einen Schock. Chiapas liegt an der Grenze zu Guatemala im Südosten Mexikos.

Nach Angaben der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe ereigneten sich die zuvor stärksten Erdbeben in Mexiko am 3. Juni 1932 (Stärke 8,1) und am 19. September 1985 (Stärke 8,0), das mehr als 9.000 Todesopfer forderte. Nieto sagte, dass rund 50 Millionen Menschen in Mexiko die schweren Erschütterungen gespürt hätten. In Chiapas gebe es mindestens drei Tote, zwei weitere Tote wurden aus dem Bundesstaat Tabasco gemeldet. Von den 42 Nachbeben sei das stärkste mit einer Magnitude von 6,1 angegeben worden. Der Präsident war umgehend zum Nationalen Katastrophenzentrum gefahren.

Tsunamiwarnung auch für weitere Staaten

In Chiapas und im Bundesstaat Oaxaca riefen die Behörden die Bewohner in Küstennähe dazu auf, sich in Sicherheit zu bringen, da mit einem Tsunami gerechnet werden musste. Die Tsunamiwarnung umfasste auch mehrere Staaten in Mittelamerika und Ecuador in Südamerika. Nach Angaben lokaler Medien stürzte in der Stadt Matias Romero im Bundesstaat Oaxaca ein Hotel ein, über mögliche Opfer wurde aber zunächst nichts bekannt.

Auch aus anderen Städten wurden Bilder eingestürzter Gebäude und von Autos verbreitet, die von Steinbergen begraben wurden. Die Erdstöße waren auch im etwa 700 Kilometer entfernten Mexiko-Stadt sowie in andern Bundesstaaten zu spüren. Auch in Mexiko-Stadt kam es zu zahlreichen Stromausfällen.

Nieto berief Krisensitzungen ein, "um die Lage zu überwachen, zu bewerten und um Maßnahmen zu ergreifen". Der Leiter des Zivilschutzes, Luis Felipe Puente, warnte die Menschen an der Küste der Bundesstaaten Oaxaca und Chiapas vor Wellen von bis zu 4,20 Meter Höhe. Vielerorts rannten verängstigte Menschen auf die Straßen. In mehreren Bundesstaaten fällt am Freitag der Unterricht in allen Schulen aus, um die Gebäude auf Schäden zu überprüfen.

Pazifischer Feuerring

Die betroffene Region liegt auf dem Pazifischen Feuerring, der immer wieder von heftigen Erdbeben erschüttert wird. Im Golf von Mexiko ist derzeit außerdem der Hurrikan "Katia" unterwegs. Eine Hurrikan-Warnung sei für Teile des Staats Veracruz ausgegeben worden, berichtete der Wettersender Hurricane News. Im Osten Mexikos könnte es am Freitag und am Wochenende zu heftigem Regen und Sturmböen kommen. Das Beben war auch in Mexikos Nachbarland Guatemala stark zu spüren und hatte dort eine Stärke von 7,7.

Die Stärke von Erdbeben wird mit Seismographen gemessen. Die Geräte zeichnen die Stärke von Bodenbewegungen auf, die sogenannte Magnitude. Weltweit kommen jährlich etwa 100.000 Beben der Stärke 3 vor. Rund 1600 haben die Stärken 5 oder 6. Ein Großbeben hat mindestens den Wert 8 und tritt etwa einmal im Jahr auf.

Das heftigste bisher auf der Erde gemessene Beben hatte eine Magnitude von 9,5 und ereignete sich 1960 in Chile. Erdbeben können je nach Dauer, Bodenbeschaffenheit und Bauweise in der Region unterschiedliche Auswirkungen haben.

Häufig gilt:

Stärke 1-2: schwaches Beben, nur durch Instrumente nachzuweisen

3: Nur in der Nähe des Epizentrums zu spüren

4-5: 30 Kilometer um das Zentrum spürbar, leichte Schäden

6: Tote und schwere Schäden in dicht besiedelten Regionen

7: In weiten Gebieten stürzen Häuser ein, viele Tote

8: Verwüstung im Umkreis Hunderter Kilometer, sehr viele Tote

Die Intensität des Bebens nimmt dabei nicht gleichmäßig nach oben zu - mit jedem Stärke-Punkt Unterschied steigt die Erschütterungsenergie vielmehr um über das 30-fache. Ein Beben der Stärke 6 setzt rund 1.000 Mal so viel Energie frei wie ein Beben der Stärke 4.

Früher wurde die Erdbebenstärke nach der sogenannten Richterskala bestimmt. Der amerikanische Geophysiker Charles Francis Richter hatte die Skala 1935 speziell für Kalifornien ausgearbeitet, wo es entlang des Sankt-Andreas-Grabens häufiger zu Erdstößen kommt. Die klassische Richterskala gilt jedoch bei großen Beben als nicht besonders genau. Erdbebenforscher verwenden deshalb heute modernere Magnituden-Skalen.