Prozess

Mafia-Killer Martorano: "Judas war der Schlimmste"

Auftragskiller John Martorano ist Kronzeuge im Mafia-Prozess gegen James "Whitey" Bulger.

06/20/2013, 01:52 PM

Familie und Freunde zuerst", ein Grundsatz der dem jungen John Martorano immer wieder eingeblÀut wurde. Vom Vater, von den Priestern und Nonnen in derer Obhut er aufwuchs. Endlich erwachsen, ergriff Martorano jedoch keinen Beruf wie jeder andere. Martorano wurde Killer.

FĂŒr seinen Chef James "Whitey" Bulger, einen der ehemals wichtigsten Mafia-Paten der USA und Vorlage fĂŒr den Hollywood-Film "Departed - Unter Feinden", tötete Martorano auf Zuruf. Knapp 40 Jahre stand er im Dienst der "Winter Hill Gang". Martorano saß nach einem Deal mit dem Staatsanwalt lediglich von 1995 bis 2007 hinter Gittern.

Heute ist Martorano wichtigster Zeuge beim Prozess gegen seinen ehemaligen Boss. In einem der aufsehenerregendsten Verfahren der letzten Jahre, soll sich der 2011 nach Jahrzehnten der Flucht geschnappte Bulger fĂŒr seine Verbrechen verantworten. Mit Hilfe von Martorano sollen Bulger mindestens elf Morde nachgewiesen werden. Grotesk, wenn man bedenkt dass Bulgers "Exekutor" selbst bereits 20 Morde gestanden hat.

Ein Ehrenmann

Im Verhör versucht sich Martorano als Ehrenmann zu positionieren. Als Killer mit einer Art "Kodex". "Judas war die schlimmste Person der Welt", mit diesem in Jugendjahren eingetrichterten VerstĂ€ndnis von "gut" und "böse" versucht seine Version von Gerechtigkeit zu untermauern. Wie in Italien fĂŒr die "pentiti", also jene Mafiosi die mit den Behörden zusammen arbeiten, gibt es auch in der neuen Welt nur eine Strafe. Den Tod.

Dass Martorano nun als Kronzeuge agiert, erklÀrt er mit der Erkenntnis, dass sein einstiger "Bruder" Bulger mit dem FBI zusammengearbeitet habe. Bulger stand jedoch zu keinem Zeitpunkt mit dem FBI in Kontakt. Wahrheit ist eben, was man daraus macht.

Auch Bulger, tief in der irischen Einwanderer-Schicht verwurzelt, fĂŒhrte einen sogenannten "Code" als BegrĂŒndung fĂŒr sein Verhalten ins Felde. "Das Schlimmste das sich ein Ire (in den USA) ĂŒberlegen konnte, war Informant bei der Polizei zu werden, alleine wegen der problematischen Vorgeschichte in Irland", so Bulger in seinem Eingangsstatement. In diesem Kontext negiert Bulger, der ĂŒber Jahrzehnte Millionen Dollar mit diversen kriminellen Machenschaften verdiente und als "lokaler Robin Hood" immer wieder in die lokale Bevölkerung reinvestierte, zwei der 19 ihm zu Last gelegten Morde. Mr. Bulger wĂŒrde keine Frauen umbringen, so zumindest die Version seines Anwalts.

“Sie alle haben ihre eigenen Codes und verraten diese Codes, wenn sie es mĂŒssen", erklĂ€rt Michael Kendall, ein ehemaliger Staatsanwalt gegenĂŒber der New York Times. "Wenn sie 'das Richtige' getan haben, als sie diese Menschen umgebracht haben, warum sind sie dann [vor der Justiz Anm.] geflohen und haben sich versteckt?", will der Richter zum Abschluss der Befragung von Martorano wissen. Martorano blieb stumm.

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