Kate and Gerry McCann mit einem Vermisstenbild ihrer Tochter.

© Reuters/ANDREW WINNING

Großbritannien
10/15/2013

Kriminalfall Maddie: Polizei erhielt Hunderte Hinweise

Die McCanns und die Ermittler hoffen auf den Erfolg einer internationalen TV-Fahndung.

von Alexandra Uccusic

Ein TV-Aufruf im Fall der vermissten Madeleine „Maddie“ McCann hat der britischen Polizei Hunderte neue Hinweise gebracht. Mehr als 300 Anrufe und 170 eMails gingen bei Scotland Yard ein, nachdem die Ermittler auf BBC neue Erkenntnisse präsentiert und Phantombilder gezeigt hatten. „Wir sind hocherfreut über die Reaktionen“, sagte Hauptkommissar Andy Redwood. Kate und Gerry McCann sagten, sie hätten „neue Hoffnung“.

Das österreichische Bundeskriminalamt erhielt bisher keine neuen Hinweise zu dem vermissten britischen Mädchen. Das könnte sich ändern, wenn der Fall Maddie auch im deutschsprachigen Raum via TV thematisiert wird: Heute, Mittwoch, wird die Fahndung in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ (20.15 Uhr) ausgestrahlt.

Die Polizei sucht nun einen Mann, der mit einem Kind in den Armen gesehen wurde. Das Fernsehen zeigt Phantombilder eines etwa 20- bis 40-jährigen Mannes, der zum Zeitpunkt von Maddies Verschwinden in der Ferienanlage in Praia da Luz, Portugal, gesehen worden sein soll.

Die damals Dreijährige war am Abend des 3. Mai 2007 aus einem Appartement verschwunden. Die portugiesische Polizei stellte die Ermittlungen 2008 ein. Scotland Yard überprüfte die Nachforschungen später; nachdem Zeugenaussagen, Mobilfunkdaten und weiteres Material erneut betrachtet worden waren, habe sich der Schwerpunkt verschoben, sagte Redwood.

Die Ermittler gehen nun davon aus, dass Madeleine später aus dem Appartement verschwand als zunächst gedacht – was die Möglichkeit eröffnet, dass ihre Mutter einen Entführer beinahe noch angetroffen hätte, als sie nach Madeleine und deren Geschwistern schauen wollte. Die Polizei fahndet jetzt vor allem nach einem Mann, der später mit einem Kind auf dem Weg Richtung Strand gesehen wurde.

Gesucht werden zudem ein oder mehrere blonde Männer, die laut Zeugen Deutsch sprachen. Vieles deute auf eine „geplante Entführung“ hin, sagte Redwood. Er rief die Öffentlichkeit auf, vorgefertigte Meinungen abzulegen und neu nachzudenken.

Links

BBC-Bericht

Webseite der Eltern

Aktenzeichen XY zum Fall Maddie

Der Fall Maddie: Seit über sechs Jahren verschwunden

3. Mai 2007 Madeleine verschwindet aus einer Luxus-Ferienanlage in Praia da Luz an der portugiesischen Algarve-Küste. Die Eltern, ein britisches Ärzte-Paar, waren in der Nähe der Ferienanlage beim Abendessen. Ihre drei Kinder ließen sie schlafend zurück.

7. Mai Im britischen Fernsehen fleht Madeleines Mutter mögliche Entführer an, das Kind freizulassen. Die Eltern wenden sich mit einer Medienkampagne an die Öffentlichkeit. Fotos der blonden Maddie gehen um die Welt. Kurz darauf ruft Fußballer David Beckham zur Hilfe auf. Prominente setzen vier Millionen Euro als Belohnung für Hinweise aus.

15. Mai Die Polizei verdächtigt einen Briten. Er bestreitet die Vorwürfe.

5. August Leichenspürhunde sollen Spuren entdeckt haben, die darauf hindeuten, dass Madeleine im Hotelzimmer gestorben ist. Die Spuren stammen aber wahrscheinlich nicht von dem Mädchen. Dennoch gehen die Ermittler davon aus, dass Madeleine in der Wohnung umgekommen ist. Die Fahnder konzentrieren sich auf die Eltern und deren Bekannte.

6. September Beide Eltern gelten nun offiziell als Verdächtige. Medien zufolge geht die Polizei davon aus, dass es ein "Unglücksfall" war und sie die Leiche verborgen haben.

Juli 2008 Die portugiesische Polizei stellt die Ermittlungen ohne Ergebnis ein. Für ein Verbrechen gebe es keine Beweise. Der Fall sei aber noch nicht zu den Akten gelegt.

Jänner 2009 Ein Team ehemaliger Fahnder von Scotland Yard hat sich im Auftrag der Eltern auf die Suche nach Madeleine gemacht. Finanziert wird die Aktion von einem wohlhabenden Geschäftsmann.

Mai 2009 Zwei Jahre nach Maddies Verschwinden flehen ihre Eltern mögliche Entführer um die Freilassung ihre Tochter an. Sie nutzen dazu ein Gespräch mit der US-Talkshow-Queen Oprah Winfrey, das Millionen Zuschauer sehen.

März 2010 Die Eltern fordern Einsicht in Ermittlungs-Unterlagen, die die portugiesische Polizei ihnen bisher vorenthalten haben soll.

März 2011 Madeleines Eltern protestieren vergeblich gegen den Verkauf eines Buches, das der portugiesische Ex-Chefermittler Goncalo Amaral über den Fall geschrieben hat. Er vertritt im Kern die These, dass das Kind im Jahr 2007 bereits im Urlaubshotel der Familie in Portugal gestorben ist und nicht entführt wurde. Die Eltern hätten etwas mit dem Verschwinden zu tun gehabt.

Mai 2011 Die Mutter Kate McCann veröffentlicht ein Buch mit ihrer Version der Geschichte. In den Memoiren beschreibt sie unter anderem ihre Qualen und Zerrissenheit nach dem Verschwinden ihrer Tochter, die sie an den Rand des Zusammenbruchs gebracht habe. Nach außen sei sie aber immer gefasst aufgetreten.

Mitte Mai 2011 kündigt die britische Polizei an, den Fall erneut zu untersuchen. Die Ermittlungsakten würden erneut überprüft, kündigt Premierminister David Cameron an.

April 2012 Die britische Polizei erklärt, dass Maddie möglicherweise noch am Leben ist. Es gebe Anhaltspunkte für Ermittlungslücken.

Juli 2013 Scotland Yard gibt nicht auf: Bei weiteren Untersuchungen will die Polizei 38 "Personen von Interesse" überprüfen.

Oktober 2013 Die Polizei geht nochmals in eine Ermittlungsoffensive. Die Beamten wollen anhand von Telefondaten alle Personen identifizieren, die sich zum Zeitpunkt des Verschwindens Maddies aus der Ferienanlage in dem Ort befunden haben. Zudem spricht die Polizei von "bedeutsame Veränderungen" im Zeitablauf und der bisherigen "Version der Geschehnisse". Die Erkenntnisse sollen per TV-Fahndung bekannt gemacht werden.

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