Barack Obama fordert China auf, gemeinsam zu handeln.

© APA/AFP/ERIC FEFERBERG

Klima-Gipfel
11/30/2015

"Dreckspatzen" wollen Führungsrolle übernehmen

Klima-Gipfel in Paris: Die USA und China gehen gemeinsam gegen die globale Erderwärmung vor.

In Le Bourget bei Paris ist am Montag die UN-Klimakonferenz offiziell eröffnet worden. Mit eindringlichen Worten hat Frankreichs Staatschef Francois Hollande ein ehrgeiziges Abkommen bei der UN-Klimakonferenz angemahnt. "Nie zuvor stand bei einem internationalen Treffen so viel auf dem Spiel, denn es geht um die Zukunft des Planeten, die Zukunft des Lebens", sagte Hollande zum Auftakt des Gipfels

In den kommenden Tagen würden Entscheidungen "für mehrere Jahrzehnte" getroffen, es dürfe daher nicht bei "gut gemeinten Absichtserklärungen" bleiben, mahnte Hollande. Als zweitgrößter Emittent von Treibhausgasen trage sein Land eine besondere Verantwortung, etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen, sagte US-Präsident Barack Obama.

"Dreckspatzen"

Obama hat China zu einem gemeinsamen Vorgehen aufgerufen, um auf der Pariser Klimakonferenz eine Vereinbarung im Kampf gegen die globale Erwärmung zu erreichen. Vor einem Treffen mit seinem chinesischen Kollegen Xi Jinping sagte Obama am Montag in Paris, es sei wichtig, dass die beiden Staaten eine Führungsrolle übernähmen.

Xi Jinping betonte indes, ein Klimaabkommen müsse die Unterschiede zwischen den einzelnen Staaten berücksichtigen. Sie sollten zudem die Möglichkeit erhalten, eigene Wege zur Lösung des Klimaproblems zu suchen.

Interessant dabei ist, dass die USA und China zu den größten Klimasündern gehören. Das Global Carbon Project listet die beiden "Dreckspatzen" auf Platz eins und zwei beim Ausstoß von Kohlendioxid. Im Jahr 2013 emittierte das Land 9.9970 Megatonnen des Klimagases, fast doppelt so viel wie die USA (5.233 Megatonnen). Wenn man sich die Emissionen pro Kopf vergleicht, sieht die Lage anders aus. Dann liegen die USA vor Russland.

Zwei-Grad-Ziel wird nicht erreicht

"Wir wissen, wir müssen heute handeln", sagt die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) unter Hinblick auf das Zwei-Grad-Ziel. Seit langem gebe es "zum ersten Mal die Chance, unser Ziel eines Abkommens zu erreichen". Dabei müssten "transparente Messmethoden" sicherstellen, dass zugesagte Anstrengungen beim Klimaschutz auch überprüfbar seien, verlangte Merkel. Alle fünf Jahre sollten die dazu von den einzelnen Staaten gemachten Zusagen überprüft werden, denn bisher reichten diese für das Erreichen des Zwei-Grad-Ziels nicht aus.

Diesem Umstand zu Trotz forderten die afrikanischen Länder, ein Ziel von maximal 1,5 Grad Erderwärmung im geplanten Weltklimaabkommen zu verankern. Dies sagte Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi. Er spricht bei der Konferenz für die afrikanischen Staaten. Al-Sisi forderte zudem deutlich umfassendere Finanzzusagen der entwickelten Länder als bisher in Aussicht gestellt.

"Es ist unabdingbar, dass die Vereinbarung eine Verpflichtung widerspiegelt, bis 2020 den Entwicklungsländern 100 Milliarden Dollar jährlich zur Verfügung zu stellen, was nach 2020 zu verdoppeln wäre", sagte al-Sisi. Bisher wurden lediglich 100 Milliarden US-Dollar jährlich ab 2020 für den Süden versprochen.

Demonstrationen verboten

Mit einer Schweigeminute haben rund 150 Staats- und Regierungschefs bei der UN-Klimakonferenz der Opfer der Anschläge von Paris gedacht. Die Staats- und Regierungschefs erhoben sich am Montagvormittag im Konferenzzentrum von ihren Plätzen und hielten eine Minute lang inne. Zuvor hatte UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon Hollande für seine "mutige" Entscheidung gedankt, die Klimakonferenz trotz der Anschläge abzuhalten.

Denn nach der jüngsten Serie von Terroranschlägen in Paris und Saint-Denis herrscht in Frankreich ein Ausnahmezustand mit extrem verschärften Sicherheitsbestimmungen. Demonstrationen im Großraum Paris sind während der gesamten Zeit verboten. Bereits Tage zuvor gab es jedoch zahlreiche Proteste für den Klimaschutz.

Größte Ozonbelastung im Osten

Die Europäische Umweltagentur (EEA) hat vor dem Gipfel vor der hohen Luftverschmutzung in Europa gewarnt. Trotz politischer Anstrengungen sind die meisten Stadtbewohner demnach einer Luftverschmutzung ausgesetzt, die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als unsicher einstuft, wie die EEA am Montag in Kopenhagen berichtete.

"Es verkürzt Menschenleben und trägt zu schweren Krankheiten wie Herzkrankheiten, Atemproblemen und Krebs bei."

"Luftverschmutzung ist das größte einzelne Gesundheitsrisiko in Europa", hieß es in dem Bericht. "Es verkürzt Menschenleben und trägt zu schweren Krankheiten wie Herzkrankheiten, Atemproblemen und Krebs bei." Luftverschmutzung sei 2012 für über 430.000 vorzeitige Todesfälle verantwortlich gewesen.

Gefährlichste Schadstoffe sind demnach Feinstaub, Ozon und Stickstoffdioxid. Könnten alle 28 EU-Staaten die WHO-Richtwerte zu Feinstaub einhalten, könnte das die Zahl der vorzeitigen Todesfälle laut den Untersuchungen der EEA um 144.000 verringern.

Im Verhältnis zur Einwohnerzahl ist die Verschmutzung durch Feinstaub dagegen in den osteuropäischen Ländern am gefährlichsten. Auf dem westlichen Balkan, in Ungarn und Italien leben die Menschen der EEA zufolge mit der größten Ozonbelastung.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.